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Weniger Starts und Landungen: Lufthansa setzt Flughäfen unter Druck

Verspätungen und abgesagte Flüge: Die Passagiere haben in diesem Sommer unter einem wahren Flugchaos gelitten. Eigentlich wollte die Branche gemeinsame Lösungen präsentieren. Doch einer schert aus.
Im vergangenen Sommer kam es bei der Lufthansa auch am Frankfurter Flughafen zu vielen Verspätungen. Foto: Boris Roessler (dpa) Im vergangenen Sommer kam es bei der Lufthansa auch am Frankfurter Flughafen zu vielen Verspätungen.
Frankfurt. 

Eine Woche vor dem geplanten Luftverkehrsgipfel in Hamburg ist das Verhältnis zwischen Flughäfen und Fluggesellschaften deutlich angespannt. Grund ist ein Antrag der Lufthansa, die Kapazitäten an den wichtigsten Flughäfen und sogar im gesamten deutschen Luftraum abzusenken. Auf diesem Weg will Lufthansa-Chef Carsten Spohr ein erneutes Flugchaos wie in diesem Sommer verhindern. Die Flughäfen fürchten hingegen um ihr Geschäft mit den Passagieren und sehen sich auch nur im geringen Maße verantwortlich für die Ausfälle und Verspätungen.

Gemeinsam mit dem Airline-Verband Barig soll sich Europas größter Luftverkehrskonzern in den eigentlich vertraulichen Koordinierungsgesprächen mit den Behörden dafür ausgesprochen haben, die sogenannten Eckwerte für den Frankfurter Flughafen abzusenken. Entsprechende Medienberichte wurden in Luftfahrtkreisen bestätigt. Der Eckwert beschreibt die Zahl der maximalen Flugbewegungen pro Stunde. Er beträgt in Frankfurt derzeit 104 und wird nur in wenigen Spitzenstunden erreicht. Lufthansa hält 102 Flugbewegungen für ausreichend und strebt auch für andere Flughäfen wie München, Berlin und Düsseldorf sowie das gesamte Netz abgesenkte Kapazitätsbegrenzungen an.

Flugsicherung betroffen

Hingegen sieht der Flughafenverband ADV die Kapazitätsobergrenzen an den Flughäfen nicht als den zentralen Hebel zur Bewältigung der Pünktlichkeitsprobleme. So sei die Zahl der Flugbewegungen in Berlin und Düsseldorf in diesem Jahr sogar zurückgegangen, während die Pünktlichkeit weiter abnahm. „Notwendig sind höhere Kapazitäten bei der Flugsicherung, stabilere Flugpläne der Airlines, schnellere Sicherheitskontrollen am Boden und der Ausbau der Infrastruktur“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel auf Anfrage. Für all das lägen Vorschläge auf dem Tisch.

Offiziell lehnten Lufthansa und der Frankfurter Flughafen-Betreiber Fraport detaillierte Stellungnahmen zu den noch laufenden Gesprächen ab. „Die Überlastung der Flughafen-Infrastruktur ist eines der aktuellen Probleme im deutschen Luftverkehr. Daher ist es richtig und wichtig, dass nun intensiv über die Eckwerte gesprochen wird. Das allein ist schon ein Erfolg“, sagte ein Lufthansa-Sprecher lediglich.

Sollten die Eckwerte vom Bundesverkehrsministerium in Absprache mit den Ländern tatsächlich gesenkt werden, müssten die aktiven Airlines auf Start- und Landerechte, die sogenannten Slots, verzichten. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ will sich Lufthansa hier eine Sicherung einbauen lassen, damit sich nicht andere Airlines auf die freien Zeiten stürzen. Die Slots sollen quasi eingefroren werden.

Hausgemachte Probleme

„Lufthansa will ihre Flugpläne reduzieren und sich das absichern lassen“, meinte ein Flughafen-Insider. Der größte deutsche Anbieter hatte wie zahlreiche Konkurrenten sein Angebot in diesem Sommer ausgeweitet, um die von Air Berlin hinterlassenen Lücken zu füllen. Nach Einschätzungen von Fraport sind mehr als 40 Prozent der Verspätungen bei den Airlines hausgemacht, weitere 20 Prozent seien auf (Personal-)Probleme der Flugsicherung zurückzuführen. Flughäfen und die von der Bundespolizei organisierten Passagierkontrollen kämen zusammen auf gut 12 Prozent.

Auf dem von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angeschobenen Luftverkehrsgipfel in Hamburg am 5. Oktober will Lufthansa-Chef Spohr seine Eckwert-Ideen nicht weiter vorbringen, heißt es bei der Kranich-Linie. Ein kontroverses Thema hat er aber zweifelsfrei gesetzt.

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