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Frankfurter Energiekonzern verkraftet Stromschlag: Mainova muss hohe Rückstellungen bilden

Von Die fundamentalen Umbrüchen, die die staatlich verordnete Energiewende mit sich bringt, macht auch der Mainova AG zu schaffen: Mit der Produktion von konventionellem Strom verliert sie Geld. Aber vor allem dank kühler Witterung, großer Kostendisziplin und steigender Kundenzahlen hat der Frankfurter Versorger im vergangenen Jahr trotzdem einen recht passablen Gewinn erwirtschaftet.
Mainova-Vorstandschef Constantin Alsheimer und Vorstandsmitglied Norbert Breidenbach bei der gestrigen Bilanzvorlage. Mainova-Vorstandschef Constantin Alsheimer und Vorstandsmitglied Norbert Breidenbach bei der gestrigen Bilanzvorlage.
Frankfurt. 

Die Unsicherheit über die Zukunft der hochmodernen und klimafreundlichen Gaskraftwerke in Irsching und Bremen hat im vergangenen Jahr den Gewinn der Mainova AG stärker denn je gedrückt: Rückstellungen in Höhe von insgesamt 40 Millionen Euro hat der Frankfurter Energieversorger für die beiden Anlagen vornehmen müssen, wie gestern Vorstandschef Constantin Alsheimer anlässlich der Bilanzvorlage bekanntgab. Im Jahr zuvor hatte die Risikovorsorge 16 Millionen Euro betragen. Inzwischen summieren sich die Abschreibungen und Wertberichtigungen auf die beiden Kraftwerke auf 89 Millionen Euro, wie Alsheimer einräumen musste.

Zuverlässiger Gewinnlieferant

Auf ihre Mainova AG kann sich die Stadt Frankfurt verlassen: Während sich manch anderer Versorger von der Energiewende geradezu überrollt sieht, erweist sich das Unternehmen, an dem die Frankfurter

clearing

Der Großteil dieser Summe entfällt auf das Werk im bayerischen Irsching, das die Frankfurter Anfang 2011 in Betrieb genommen hatten. Sie sind mit 15,6 Prozent an Irsching beteiligt, hatten rund 60 Millionen Euro in die Anlage investiert, deren Wirkungsgrad zu den höchsten in Europa zählt. Das Gaskraftwerk in Bremen ist nach mehrjähriger Verspätung erst im vergangenen Dezember ans Netz gegangen. Mit 25,1 Prozent hatte sich der Frankfurter Energieversorger vor fünf Jahren an der Anlage beteiligt; rund 100 Millionen Euro hat er an der Weser investiert.

Kollateralschaden

Gaskraftwerke wie Irsching und Bremen sind quasi der Kollateralschaden der Energiewende: Eigentlich sollten die hochflexiblen und klimafreundlichen Gaskraftwerke zur Stütze des Systems werden. Stattdessen sind sie zum Symbol für Fehlentwicklungen des „Erneuerbare-Energie-Gesetzes“ (EEG) geworden. Gemäß EEG hat Strom aus alternativen Quellen stets Vorrang im Netz. Betreiber von Windrädern und Solaranlagen dürfen dabei ihren Strom zu einem festgelegten, subventionierten Preis einspeisen. Sie laufen quasi außer Konkurrenz. Ansonsten haben Kraftwerke Vorrang, die den Strom zu den geringsten Grenzkosten liefern. Und da in der Europäischen Union die Preise für CO2-Zertifikate seit langem im Keller sind, kommen in Deutschland die schmutzigen, aber dadurch billig produzierenden Kohlemeiler vor den Gaskraftwerken mit ihren relativ hohen Brennstoffkosten zum Zug. Angesichts der mehrjährigen, rasanten Talfahrt der Strompreise im Großhandel produzieren sie zu teuer. Auf unter
30 Euro je Megawattstunde sind die Großhandelspreise gesunken, 2011 lagen sie noch bei 56 Euro.

Nur 90 Stunden im Einsatz

So war Irsching im vergangenen Jahr gerade mal 90 Stunden in Betrieb, und zwar nur als Reservekraftwerk, das hochgefahren wird, wenn die Sonne mal nicht scheint und nicht genügend Wind weht, um die Stromversorgung zu sichern. Für das Bereithalten der Reservekapazität erhält die Mainova vom Netzbetreiber Tennet zwar eine Vergütung. Aber die reicht nicht aus, um damit Geld zu verdienen.

Das Steinkohlekraftwerk Mehrum bei Hohenhameln in Niedersachsen. Foto: Julian Stratenschulte
Kommentar: Das Energiewende-Paradox

„Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig.“ So lässt sich auch bei der Mainova die Ertragssituation der Gaskraftwerke umschreiben. Da mögen diese noch so flexibel, effizient und klimafreundlich sein

clearing

Mit dem gleichen Problem sieht sich der Mainova-Vorstand langfristig auch in Bremen konfrontiert. Zwar habe das Konsortium für das dortige Kraftwerk „mit einer Reihe von Großkunden einen Fünf-Jahres-Vertrag geschlossen, der eine ordentliche Verzinsung sichere“, so Alsheimer. Aber die Aussichten für die Zeit nach dem Vertragsablauf sind eher schlecht – deshalb die Wertberichtigungen. Im langfristigen Terminmarkt kostet eine Megawattstunde für die Grundlast aktuell weniger als 30 Euro, und selbst für die Spitzenlast, also die Stunden mit besonders hohem Verbrauch, sind es nur 36 bis 38 Euro.

Dass die Mainova nicht auch noch auch auf ihre Frankfurter Kraftwerke Abschreibungen vornehmen muss, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass diese nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten und zumindest noch der Wärmeversorgung dienen. „Diese Kraftwerke werfen noch einen soliden Gewinn ab“, sagte Alsheimer, ohne Zahlen zu nennen.

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