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Junges Frankfurter Unternehmen behauptet sich gegen die Deutsche Post: Mainversand: Die "rote Post" kommt gut voran

Der vor einem Jahr gegründete regionale Versanddienstleister Mainversand kann zufrieden sein: Mit 400 Geschäftskunden, 1700 Zustellern und rund 100 000 Briefzustellungen am Tag hat er sich als größte private Geschäfts-Post in der Region Rhein-Main etabliert.
Der elektrische Kleintransporter namens „Paxster“, der hier über den Frankfurter Römer flitzt, transportiert immerhin 200 Kilogramm Post und schafft bis zu 45 km/h. Foto: Christian Christes (CHRISTES) Der elektrische Kleintransporter namens „Paxster“, der hier über den Frankfurter Römer flitzt, transportiert immerhin 200 Kilogramm Post und schafft bis zu 45 km/h.
Frankfurt. 

Petto kennt sich aus mit Briefen. Der studierte Betriebswirt hatte in den 90er Jahren in Bonn bei der Deutschen Post angefangen, dort war er zunächst Leiter eines Sortierzentrums in Mannheim und Leiter im Controlling. Die „Mehrwertdienste“ waren sein Gebiet: Zu schauen, welche Adressen noch aktuell sind und diese mit Hilfe der Zusteller zu verifizieren, dass war seine Spezialität. Die Deutsche Post hatte damals große Datenbanken dazu angelegt, war in Europa Vorreiter. Das nutzte Petto dann für seine Auslandstätigkeit: Für die österreichische Post und die schweizerische Post hat er gearbeitet und dafür gesorgt, dass auch hier die Mehrwertdienste für die Großkunden der Post auf dem neuesten Stand waren. Dabei war zum Beispiel das Digitalisieren der Briefe für eine große Versicherung.

Günstiger als gelber Riese

Heute ist der gebürtige Eifler Geschäftsführer von Mainversand, dem kleinen Wettbewerber der Deutschen Post im Rhein-Main-Gebiet. Aber die Mehrwertdienste haben ihn noch längst nicht losgelassen. „Von jeder Sendung, die bei uns eingeht, wird ein Bild gemacht, denn auch die Empfänger sagen manchmal, diese Post habe ich nicht bekommen.“ Pettos Kunden sind Frankfurter Behörden wie Gerichte, die Arbeitsagentur, Krankenhäuser, Mittelständler und einige Großkunden. Für Geschäftskunden sei der Service zu 15 bis 20 Prozent günstiger als die Deutsche Post. Der einzige Nachteil: Man befördert keine Päckchen und Pakete, ausschließlich Briefe und Einschreiben. Und: Die Zustellung erfolgt 100 Prozent ökologisch, per Fahrrad, E-Bike oder mit E-Fahrzeugen. Nur beim Einsammeln der Post werden noch Sprinter eingesetzt. Das sei bei einigen Geschäftskunden nicht anders möglich. So hole man die Post sogar zweimal am Tag bei der Arbeitsagentur ab.

Mainversand-Geschäftsführer Hans-Peter Petto Bild-Zoom
Mainversand-Geschäftsführer Hans-Peter Petto

Das Verbreitungsgebiet von Mainversand erstreckt sich über Frankfurt, Offenbach, den Rodgau, Heusenstamm und Dreieich bis hoch nach Limburg. „Dass das Verbreitungsgebiet so ist, liegt an den Zeitungen“, sagt Petto. Denn der Mainversand gehört zu 51 Prozent der FAZ und zu 49 Prozent der Fiege-Logistikgruppe. Eine weitere Tochter der Fiege-Gruppe hat einen Postdienstleister zusammen mit der Sächsischen Zeitung. Das Zustellnetz der Zeitungen werde meist auch von den privaten Postdiensten genutzt. So macht das auch der Mainversand. „Die Zeitungszusteller nehmen vielleicht 20 Briefe pro Nacht mit, das hilft uns zu atmen“, sagt Petto. Insgesamt habe man 1700 Zusteller, darunter 290 Zusteller, die ganztägig die Post austragen. 100 000 Briefe werden pro Tag im Durchschnitt zugestellt.

Sortiert wird in Höchst

Im Sortierzentrum in Höchst wird morgens zwischen vier und sechs die Post sortiert. Dann geht sie in eines der zehn Depots, in denen die Zusteller noch mal vorsortieren für ihre Rundgänge, um sich dann auf eines der 100 roten Fahrräder oder E-Bikes zu schwingen oder auf eines der Elektrofahrzeuge, die ebenfalls in rot auf Zustelltour gehen. Warum Rot? „Weil Rot eine Signalfarbe ist“, meint Petto. Rot hat man aber auch gewählt, weil die „Halbschwester“, der Postdienstleister „Postmodern“ in Dresden die gleiche Farbe hat. Deren Eigentümer, die Sächsische Zeitung, habe die Elektrofahrzeuge mit Namen „Paxter“ aus Norwegen bestellt, fünf davon für den Mainversand. Kleiner als ein Kastenwagen, größer als ein Roller mit Aufsatz sind diese Öko-Flitzer nun teil des Frankfurter Stadtbilds. Hinten passen acht Boxen mit je 200 Briefen rein, vorne noch mal drei. 2.200 Briefe könnten so praktisch und umweltfreundlich jeden Tag transportiert werden, dreimal so viel wie mit einem Fahrrad. „Es gibt keine Förderung für diese Fahrzeuge, das hat uns ein bisschen geärgert“, sagt Petto. Und begründet die Entscheidung: „Wir sind in Städten einfach viel flexibler, kommen viel besser an die Briefkästen ran als mit dem Auto.“

Ab Herbst sollen auch Privatkunden die Mainversand-Post nutzen können. Dann kommen fünf verschiedene Briefmarken mit regionalen Motiven wie dem Appelwoi-Bembel oder dem Römer auf den Markt. Ein Standardbrief soll 55 Cent kosten. Derzeit wird an 40 Stellen in der Stadt eine Baugenehmigung für Briefkästen gesichert. Zusätzlich sollen rund 15 Kioske und Getränkehändler die Post annehmen. Die Verteilung erfolgt bundesweit. Mittlerweile gebe es im Bundesgebiet schon 120 regionale Postdienstleister, die bei der Verteilung der Post in einer sogenannten „Mail-Alliance“ zusammenarbeiten. In fünf Verteilerzentren wird die Post gesammelt und je nach Zustellort sortiert. Das passiert in Hannover, Essen, Darmstadt, in Würzburg und Berlin. Nur da, wo noch Lücken sind, dass heißt, wo es keinen regionalen privaten Postdienst gibt, wird die Post durch die Deutsche Post zugestellt, wie in München oder Hamburg.

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