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Interview: Maleki: „Made in Germany“ steht bei den Iranern hoch im Kurs

Das iranisch-Europäische Wirtschaftsforum hat in Teheran getagt. Der Frankfurter Impresarios Nader Maleki hat es vor sechs Jahren gegründet, als die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen den Iran noch bestanden haben. Unsere Mitarbeiterin Ulrike Keeding hat mit dem Geschäftsführer der Maleki Corporate Group ein Gespräch über Handelsbeziehungen, Sanktionen und Interessenkonflikte mit den USA geführt.
Nader Maleki im Gespräch: „Im Herzen bin ich Iraner.“ Foto: (FNP) Nader Maleki im Gespräch: „Im Herzen bin ich Iraner.“

Warum haben Sie ein Wirtschaftsforum in Teheran gegründet?

Als gebürtiger Iraner liegt es in der Natur der Sache, dass ich die deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen in eine positive Richtung bringen möchte. Ich habe immer Sehnsucht nach meiner Heimat. Wenn ich schon die Luft in Teheran atme! Ich habe zwar einen deutschen Pass, aber im Herzen bin ich Iraner.

Was ist das Wichtigste für den Wirtschaftsaufschwung im Iran?

Die enge Zusammenarbeit mit dem Westen. Präsident Rohan hat dann bessere Karten. Das Volk wartet darauf. Die konservative Strömung im Iran richtet sich gegen die Öffnung zum Westen. Dennoch hat Rohan seine zweite Wahl gewonnen. Die hohe Arbeitslosigkeit muss bekämpft und international investiert werden. Das Interesse Europas ist vorhanden.

Welche Bedeutung hat der Handel mit Iran für die deutsche Wirtschaft?

Der Iran ist aufgrund seiner überwiegend jungen, sehr gebildeten Bevölkerung weltweit einer der interessantesten Märkte. Für den deutschen Mittelstand ist er von besonderer Bedeutung, weil deutsche Qualität hoch angeschrieben ist. „Made in Germany“ gilt viel. Die Iraner sind große Fans der Deutschen.

Die Deutschen haben zu Zeiten von Schah Reza Pahlewi viel in den Autobahnbau investiert. Und heute – was exportieren wir in den Iran?

Iran braucht alles. Woran meine Landsleute besonders interessiert sind: Technologietransfer. Sie möchten nicht nur, dass Produkte in ihr Land importiert werden, sondern dass vor Ort investiert wird und sie Know-how bekommen. Größere Verträge mit VW und Siemens sind im Gespräch.

Und umgekehrt: Was importieren wir von den Iranern?

Besonders Erdöl und Erdgas. Die Iraner waren vorm Nuklearabkommen vom Export ihrer wichtigsten Rohstoffe abgeschnitten. Als die Sanktionen fielen, war es eine willkommene Einnahme, dass sie wieder auf den Weltmarkt gelangen konnten.

Das Nuklearabkommen ist seit 16. Januar 2016 in Kraft. Zwei Jahre danach – wo stehen wir jetzt?

Ernüchternd! Die anfängliche Euphorie ist verflogen. Das Problem: Man braucht für das Iran-Geschäft die großen Banken, zum Beispiel die Commerzbank oder die Deutsche Bank. Aber die Geldinstitute fürchten die US-Strafen, die sie zahlen müssen, wenn sie mit meinem Heimatland Finanzgeschäfte betreiben. Ich nenne das einen Wirtschaftskrieg gegen den Iran.

Warum lassen wir Europäer uns von den USA unter Druck setzen?

Der US-Kongress hat ein Gesetz verabschiedet, dass den Zahlungsverkehr in Dollar mit dem Iran verbietet.

Deshalb müssen Touristen im Iran mit Bargeld reisen und können nicht mit „Credit Card“ bezahlen?

Genau. Die Amerikaner haben über ihre Währung Gesetzeshektik. In Europa wird der Ölpreis und vieles mehr in US-Dollar abgerechnet. Deswegen bin ich der Befürworter einer reinen „Euro-Bank“, die unabhängig von den USA arbeiten kann.

Aber wie geht der deutsche Mittelstand damit um, dass er US-Sanktionen ausgesetzt ist?

Die Unternehmen sind international aufgestellt. Sie finden ihre Wege, an ihr Geld zu kommen, etwa über Dubai, wo es eine ganze Reihe von Banken gibt.

Die iranische Regierung möchte bis 2025 zwanzig Millionen Touristen ins Land locken. Allein 1600 Hotelkomplexe sind geplant. Engagieren Sie sich für den Tourismus?

Der Westen entdeckt Iran als neues Reiseziel. Wir haben zwischen iranischen Hotels und chinesischen Investoren vermittelt. Aber seit Präsident Trump an der Regierung ist, liegen diese Projekte auf Eis. Das Hauptproblem ist, dass Trump das Nuklearabkommen nachverhandeln möchte.

Der US-Präsident hat Teheran bis 12. Mai eine Frist gesetzt. Wenn die iranische Regierung bis dahin nicht einer Verschärfung des Atomvertrags zugestimmt hat, sollen alle Sanktionen wieder in Kraft gesetzt werden.

Die Unternehmer warten jetzt, was passiert. Es bedeutet eine weitere Ungewissheit für sie. Wir wissen ja alle: Präsident Trump ist für Überraschungen gut.

Der US-Präsident will auch die Europäische Union dafür gewinnen. Was halten Sie von diesen Nachverhandlungen?

Vertrag ist Vertrag. Deshalb stellen sich die Europäer ja interessanterweise hinter den Iran.

Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Heimatlandes?

Ich persönlich sehe die Zukunft Irans optimistisch. In Krisenzeiten kommt es darauf an, durchzuhalten. Jeder ist gut beraten, den Iran als stabilisierenden Faktor in sein Kalkül mit einzubeziehen. Meine Heimat ist ein friedfertiges Land. Von Iran ist nie ein Krieg ausgegangen. Iran möchte Frieden haben. Wir müssen in Kontakt miteinander bleiben. Deutsche Unternehmer müssen den iranischen Markt im Auge behalten.

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