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Kaum Wachstum 2017: Maschinenbau kommt nicht auf Touren

Von Schon seit 2012 tritt der Maschinenbau praktisch auf der Stelle. Zum einen machen politische und wirtschaftliche Krisen rund um den Globus der größten deutschen Industriebranche zu schaffen. Zum anderen ist die „Industrie 4.0“ – die Vermählung von stählernen Kolossen und Big Data – noch nicht so weit, dass sie auf die Unternehmen schon wie der erhoffte Jungbrunnen wirken könnte.
Ein Mitarbeiter der Gildemeister Drehmaschinen GmbH in Bielefeld prüft das Teile-Magazin einer Fräsmaschine. Bei den Werkzeugmaschinenbauern läuft das Geschäft gut. Foto: Gildemeister (GILDEMEISTER) Ein Mitarbeiter der Gildemeister Drehmaschinen GmbH in Bielefeld prüft das Teile-Magazin einer Fräsmaschine. Bei den Werkzeugmaschinenbauern läuft das Geschäft gut.
Frankfurt. 

Optimismus war seit jeher eine Tugend der deutschen Maschinenbauer – mittlerweile ist daraus eher ein nüchterner Pragmatismus geworden. „In den vergangenen Jahren hatten wir immer Phasen, wo wir dachten, jetzt muss es losgehen, jetzt wachsen wir wieder“, erzählt Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), „aber dann kam erneut ein externes Ereignis dazwischen und zerschlug unsere Hoffnungen.“ Die Sanktionen gegen Russland machten der Branche – die rund drei Viertel ihrer Produkte exportiert – ebenso einen Strich durch die Rechnung wie das schwächere Wachstum in China und die teils großen Probleme in den Schwellenländern; zuletzt kam auch noch das Votum der Briten erschwerend hinzu, die die Europäische Union verlassen werden.

Brexit schmerzt

„Die Auswirkungen des Brexit werden wir wohl im vierten Quartal zu spüren bekommen“, sagte gestern VDMA-Außenwirtschaftsexperte Ulrich Ackermann in der Frankfurter Verbandszentrale. Der Kurssturz des britischen Pfund werde die Bereitschaft der Unternehmen, deutsche Produkte zu ordern, nicht gerade erhöhen. Schmerzhaft für die mittelständisch geprägte Branche, die mit rund einer Million Beschäftigten gerne als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet wird. Denn Großbritannien ist für sie nach den USA, China und Frankreich das viertwichtigste Abnehmerland.

Dabei ist das Geschäftsjahr bislang schon alles andere als berauschend verlaufen. Bis Ende Juli ist der Wert der bestellten Maschinen und Anlagen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht gestiegen. Die reale Produktion sank um 0,3 Prozent. Und da die Maschinenbauer nach Aussage von Wiechers „für den Rest des Jahres keine wesentlichen Wachstumsimpulse sehen“, geht der Verband für dieses Jahr davon aus, dass die Produktion seiner Mitgliedsfirmen insgesamt stagnieren wird – bei einem Wert von knapp 203 Milliarden Euro. Von „null Prozent Produktionswachstum“ sprach der Chefvolkswirt gestern. „Das klingt besser als null Prozent Produktionsrückgang“, scherzte er.

Damit treten die Maschinen- und Anlagenbauer praktisch weiter auf der Stelle: 2015 war die Produktion lediglich um 0,8 Prozent gewachsen, 2014 um ein Prozent; 2013 war ein Minus von 1,2 Prozent verzeichnet worden – nachdem die Produktion 2012 um 1,2 Prozent zugelegt hatte.

Und fürs kommende Jahr zeigt sich der Verband auch nicht besonders zuversichtlich: „Nach Jahren enttäuschenden Wartens fällt es naturgemäß schwer, Hoffnung auf einen neuen weltweiten Aufschwung zu setzen“, beschrieb VDMA-Präsident Festge die Stimmung vieler Maschinenbauer im Land, „die Liste der Wachstumsbremsen ist lang.“ Der Verband rechne für 2017 mit einer „leichten Belebung der Geschäfte“. Festge: „Unsere Produktionsprognose lautet ein Prozent.“ Eine Prognose, die den Verband nach eigener Aussage „kämpferisch“ zeige.

Tatsächlich scheint die Vorhersage vor allem von einem pragmatischen Zweckoptimismus geprägt zu sein. Zwar seien die Aussichten für den überaus wichtigen chinesischen Markt – der der Branche jahrelang enorme Wachstumsraten beschert hatte – unsicher, räumte Wiechers ein. Und auch in der Türkei sei die Situation aufgrund der politisch instabilen Lage schwierig. „Aber wir gehen davon aus, dass in Brasilien und in Russland die Talsohle erreicht ist. Zudem rechnen wir mit einer Erhöhung der US-Leitzinsen, die uns über einen entsprechend sinkenden Euro-Dollar-Kurs den Export in die USA erleichtern würde.“ Und so langsam scheint auch der Trend zur Automatisierung und Digitalisierung der Produktion – bekannt unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ – das Geschäft beleben zu können: Besonders in den USA und in den europäischen Nachbarländern werde dieser Trend die Nachfrage künftig anregen, so der Verband.

Mysterium Beschäftigung

Diesen Zweckoptimismus teilen offenbar die Chefs der Mitgliedsunternehmen. Obwohl sich deren durchschnittliche Kapazitätsauslastung laut Wiechers „seit geraumer Zeit am unteren Rande dessen bewegt, was sich als Wohlfühlzone bezeichnen lässt“, sei die Beschäftigtenzahl im Jahresverlauf konstant geblieben – bei 1,08 Millionen. Dabei spiele wohl auch die Knappheit an Fachkräften eine Rolle, die gerade bei der Industrie 4.0 gebraucht würden, mutmaßte Wiechers, der vom „Mysterium Beschäftigung“ sprach. Dass das Gros der Maschinen- und Anlagenbauer finanziell sehr robust dasteht, trägt aber sicherlich mit zum hohen Beschäftigungsniveau bei. Laut VDMA liegt die durchschnittliche Nettoumsatz-Rendite der Unternehmen weitgehend unverändert bei knapp vier Prozent. Die Eigenkapitalquote sei deutlich gestiegen: auf rund 32 Prozent. Zum einen weil sich die Firmen – vor allem nach den schlechten Erfahrungen während der Finanzkrise – von den Banken unabhängiger machen wollten; zum anderen weil sie sich mit größeren Investitionen noch zurückhielten.

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