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Bilanz: Messe Frankfurt verdient vor allem im Ausland

Von Die Messe Frankfurt hat ihr Geschäft stark internationalisiert und ist weltweit präsent. Das spiegelt sich in den Zahlen wider. Im laufenden Jahr wird ein neuer Umsatz-Rekord angepeilt.
Die neue Halle 12 ist fast vollendet – sie soll der Messe Frankfurt weiteres Wachstum bei den Ausstellerzahlen ermöglichen. Foto: Jean-Luc Valentin Die neue Halle 12 ist fast vollendet – sie soll der Messe Frankfurt weiteres Wachstum bei den Ausstellerzahlen ermöglichen.
Frankfurt. 

Regelmäßig stellt die Messe Frankfurt ihre Bedeutung für den Heimatstandort ins Schaufenster: Sie lanciert neue Veranstaltungen wie die „Hypermotion“ oder das „E2 Forum“ und bringt dem Land Hessen eine sogenannte „Umwegrentabilität“ – Einnahmen von Hotels und Restaurants, Taxifahrern oder Einzelhändlern – von 2,4 Milliarden Euro. Investitionen von über die Jahre rund einer Milliarde Euro fließen ins Gelände – im Herbst eröffnet die Halle 12, danach werden Halle 6 runderneuert und Halle 5 abgerissen und neu gebaut. Doch all diese Bemühungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Wachstum vor allem im Ausland abspielt. Während die Umsätze im Inland seit 2007 nur geringfügig gewachsen und in den beiden vergangenen Jahren sogar wieder gesunken sind (auf zuletzt 395 Millionen Euro), hat sich das Auslandsgeschäft seit 2007 glatt verdreifacht auf 274 Millionen Euro – durch organisches Wachstum und auch durch Zukäufe. Damit macht das internationale Geschäft erstmals mehr als 40 Prozent aus – 2007 war dieser Anteil nur etwa halb so hoch ausgefallen.

Zwei Drittel

Bei den Gewinnen fällt das Bild noch drastischer aus: Rund zwei Drittel des Vorsteuerergebnisses von konzernweit knapp 60 Millionen Euro – gegenüber dem Jahr 2016 ein Minus von einem Fünftel – stammen mittlerweile von den ausländischen Tochtergesellschaften. Denn anders als im Gesamtkonzern stieg der Gewinn im Ausland von 25 auf 36,3 Millionen Euro. Daran hatte das Asien-Geschäft einen wesentlichen Anteil, während ein Unterschlagungsfall in Dubai den Profit belastete. „Im Ausland sind wir sehr viel profitabler, weil das eigene Gelände Geld kostet“, sagte Wolfgang Marzin, der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Sehr gute Erfahrungen haben wir mit antizyklischen Aktivitäten beziehungsweise Investitionen gegen allgemeine Trends gemacht. Wir halten zu Ländern wie Russland oder der Türkei, und auf diese Weise gehen wir auch mit dem Brexit um.“ Seit diesem Jahr sei die Messe mit einer eigenen Tochtergesellschaft in Großbritannien vertreten, das sie als extrem wichtigen Standort betrachte: Schließlich sei London eine der Welt-Hauptstädte der Messeveranstalter.

Verluste in Frankfurt

Dagegen brachte das Veranstaltungsgeschäft in Frankfurt im Vorjahr sogar einen operativen Verlust von knapp 12 Millionen Euro ein, den die Geländevermietung – auch für Gastveranstaltungen – wieder ausgleichen musste. Allerdings ist dieses Ergebnis stark vom Messe-Turnus geprägt – im laufenden Jahr, in dem neben den Zweijahres-Eigenveranstaltungen „Automechanika“ und „Light + Building“ auch die Gastmesse „Achema“ stattfindet (aber keine IAA), wird sich das Bild komplett drehen. Dann soll der Umsatz der Messe Frankfurt mit ihren 2321 Mitarbeitern auf insgesamt 700 Millionen Euro zulegen; das wäre erneut der höchste Wert, der je von einer deutschen Messegesellschaft erreicht wurde. Der Jahresüberschuss soll wegen eines verspäteten Verkaufs eines Grundstücks an der Frankfurter Europa-Allee sogar von 40,5 auf mehr als 50 Millionen Euro steigen.

Laut Messe-Geschäftsführer Detlef Braun dürfte auch der Ausstellerrekord von zuletzt 95 000 Unternehmen erneut geknackt werden. Für die nächsten Monate stellte die Messe die Ankündigung neuer Zukäufe in Amerika oder dem Nahen Osten in Aussicht.

Dabei blendet Marzin die geopolitischen und konjunkturellen Risiken keineswegs aus, sagt aber: „Wir verbreiten gute Laune, es kommen auch wieder andere Phasen. Unsere Gesellschafter Stadt und Land erlauben uns einen langen Atem.“ So werde die neue Halle 12 auch „für die nächste Generation“ errichtet – wobei die Bauherren mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Messe-Geschäftsführer Uwe Behm: „Die Baubranche in Deutschland hat im Augenblick riesige Kapazitätsprobleme – es ist schwierig, genügend Menschen auf die Baustelle zu bringen.“

Doch habe man Zeitpuffer eingeplant, der Neubau soll wie vorgesehen zur „Automechanika“ im September ans Netz gehen. Die Erweiterung ist nötig, da die Autozulieferer-Schau erstmals um die Produktbereiche Reifen und Oldtimer ergänzt werden soll.

Gemeinsam mit der Stadt und der IHK strebt die Messegesellschaft zudem an, Frankfurt noch stärker als Kongress-Standort zu vermarkten. Erste Erfolge zeigen sich schon: 2020 findet der Rheumatologie-Kongress „Eular“, mit rund 15 000 Teilnehmern einer der größten Medizin-Kongresse in Europa, am Main statt.

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