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Deutsche Bank vor einer Einigung: Millionen von Ex-Vorständen?

Von Die Deutsche Bank will Ex-Vorstände für Milliardenkosten zur Kasse bitten, die für die Bereinigung von Altlasten fällig wurden.
„Stolz“: Deutsche-Bank-Chef John Cryan (li.) mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner Foto: Boris Roessler (dpa) „Stolz“: Deutsche-Bank-Chef John Cryan (li.) mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner
Frankfurt. 

Die Führung der Deutschen Bank hat gestern auf der Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle die Hoffnung auf bessere Zeiten beschworen. Sowohl Vorstandschef John Cryan als auch Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner sagten, es mache sie „stolz“, was im zurückliegenden „turbulenten Jahr“ erreicht worden sei. „Die Deutsche Bank wird wieder für Integrität und Glaubwürdigkeit stehen“, warb Cryan, der im Sommer 2015 die Nachfolge von Anshu Jain angetreten hatte; er trete nun „mit deutlich mehr Zuversicht“ auf. Nachdem juristische Altlasten die Bank an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hatten, konnten zuletzt wichtige Vergleiche in den USA abgeschlossen werden. Das macht Cryan zuversichtlich: „Auch wenn es weitere offene Fälle gibt: Wir gehen davon aus, dass wir das Schlimmste hinter uns haben.“

Ganz allein auf den Milliardenkosten sitzenbleiben möchte das Institut aber nicht. Achleitner sagte zu Beginn des Aktionärstreffens, es gebe fortgeschrittene Gespräche mit Ex-Vorständen. Er erwarte in den nächsten Monaten eine Regelung, „die einen wesentlichen finanziellen Beitrag der Betroffenen sicherstellt“. Mit externen Juristen sei die Frage einer persönlichen oder kollektiven Verantwortung geprüft worden. Jain und weitere Ex-Vorstände müssen damit in Kürze mit Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe rechnen. Seit Herbst 2015 wurde der Vorstand fast vollständig neu besetzt, wie Ackermann hervorhob. Dieses Team habe „die nötige Kompetenz, um auch schwierigste Situationen zu meistern und die Deutsche Bank wieder erfolgreich zu machen“.

Nachdem das System zur Vorstandsvergütung im Vorjahr bei den Aktionären durchgefallen war, hat es die Bank überarbeitet. „Die Regelungen, die wir heute zur Abstimmung stellen, sind nun deutlich transparenter und weniger komplex“, warb Achleitner. Dennoch braucht der Vergütungsbericht 2016 immerhin 57 Seiten, um Grundsätze und Zahlen darzulegen; die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley wurden übrigens aus der Vergleichsgruppe gestrichen. Am Umfang des Berichts änderte nichts, dass der Vorstand das zweite Jahr in Folge auf Boni verzichtet hatte. In den vergangenen zehn Jahren wurden jedoch nach Cryans Angaben 33,4 Milliarden Euro an leistungsabhängigen Vergütungen (auch an Mitarbeiter unterhalb der Vorstandsebene) gezahlt, während gleichzeitig 33 Milliarden an frischem Geld über Kapitalerhöhungen eingesammelt wurden.

Die seien jedoch für die Bereinigung der Lasten der Vergangenheit draufgegangen, kritisierte der Vizepräsident der Aktionärsvereinigung DSW, Klaus Nieding: „Wenn wir uns nicht endlich aufs Geldverdienen konzentrieren, wird das nichts mehr mit unserem Aktienkurs.“ Aktuell ist die Bank an der Börse lediglich knapp 35 Milliarden Euro wert. Weitere Sonderprüfungen lehne er daher ab, sagte Nieding.

Teures Hin und Her

Die Aktionärin Marita Lampatz – ihr Mann hat mit Immobilienfonds der heutigen Deutsche-Bank-Tochter Sal. Oppenheim viel Geld verloren – hatte den Antrag gestellt, die Rolle von Vorstand und Aufsichtsrat beim Skandal um die Manipulation des Referenzzinses Libor nochmals per Sonderprüfung klären zu lassen. Der Antrag wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Die DSW hatte sich 2016 mit der Deutschen Bank auf eine abgespeckte Prüfungsvariante geeinigt. Das ging Lampatz aber nicht weit genug, ihr Vertreter Oliver Krauß verwies auf den Abgang des Chefaufklärers der Bank, Georg Thoma, vor gut einem Jahr und forderte „eine unabhängige Aufklärung, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.“ Auch Nieding sprach mit Blick auf die Zeit seit der Finanzkrise von „zehn verlorenen Jahren“, Ingo Speich von Union Investment fast wortgleich von „einem verlorenen Jahrzehnt“. „Im deutschen Heimatmarkt und im Investmentbanking ist die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgefallen“, kritisierte Andreas Thomae von Deka.

Milliarden kostete das Hin und Her bei der Postbank: Die erste Eingliederung habe 1,4 Milliarden Euro verschlungen, die spätere Entflechtung 200 Millionen, sagte Cryan. Die kürzlich beschlossene Wiedereingliederung ist mit weiteren 1,9 Milliarden Euro veranschlagt. Das Kapitalpolster wieder stärken soll ein Teil-Börsengang der Vermögensverwaltungssparte (DWS). Das könnte Fusionen oder Übernahmen erleichtern: „Der Teilbörsengang gibt uns auch die Möglichkeit, dort, wo es Sinn macht, an der Industrie-Konsolidierung teilzunehmen“, sagte Cryan. Die Bank hat sich für den Börsengang zwei Jahre Zeit gegeben, will aber von Herbst an bereit dafür sein.

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