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Digitalisierung: Mit dem Joystick über den Acker: Landtechnik wird größer, intelligenter, effizienter

Von Der Joystick und das Display digitaler Steuerungstechnik im Cockpit moderner Mega-Traktoren gehören längst ebenso zum Alltag in der Landwirtschaft wie Kühe, die sich vom Roboter melken lassen.
Ein Landwirt bedient die Monitore in seinem GPS-gesteuerten Traktor. Foto: Sebastian Kahnert (dpa-Zentralbild) Ein Landwirt bedient die Monitore in seinem GPS-gesteuerten Traktor.
Hannover. 

Nicht nur auf den weiten Feldern und Ländereien Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns ziehen bullige, 360 PS starke Traktoren gigantische Gülle-Transportwagen mit bis zu 20 000 Liter Fassungsvermögen über die Felder. Auch im Rhein-Main-Gebiet werden immer größere Maschinen in der Landwirtschaft eingesetzt, die zumeist dank Digitaltechnik vernetzt ist und gesteuert wird.

So steuert Landwirt Bernd Bierwirtz aus Heinzenberg im Cockpit seines Traktors per Joystick und Computerbildschirm die punktgenaue Ausbringung von Pflanzenschutzmittel. Über ein Schlauchgewirr des 30 Meter weiten Auslegers und pneumatische Einzeldüsenschaltung gelangt das Herbizid aus einem Tankwagen im Schlepptau des Traktors aufs Feld. Weil der bullige Traktor der Marke Fendt GPS fast autonom übers Feld steuert, kann sich der 52-Jährige um die Computertechnik kümmern. In der Landwirtschaft zwingt der Strukturwandel die heute noch aktiven Vollerwerb- Landwirte zur Effizienzsteigerung. Der Landwirt vom Utenhof im Weiltal bewirtschaftet eigenen Felder (360 ha) und Grünland (80 ha), wie auch Äcker anderer Landwirte im Hochtaunuskreis und im Landkreis Limburg-Weilburg – damit ist er der größte Landwirt in der Region.

Smarte grüne Zukunft

Szenenwechsel: Beim Gang durch die Messehallen der Agritechnica – der Weltleitmesse für Landtechnik in Hannover – fühlt man sich als Laie angesichts der geballten Landtechnik in einen Science Fiction Film gebeamt. Die Maschinen sind noch eine Nummer größer, als das, was man je gesehen hat.

,Green Future – Smart Technologie‘ lautet das Leitthema der Messe. Bei aller notwendigen Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft gehe es nicht zuletzt auch um die gleichzeitige Schonung der Ressourcen. Die Digitalisierung sei hierbei der Innovationstreiber schlechthin, so Reinhard Grandke, Hauptgeschäftsführer der veranstaltenden DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft).

Das zeigt auch der Arbeitsalltag auf dem Utenhof: Dank satellitengesteuerter Navigationstechnik verbraucht Landwirt Bernd Bierwirtz heute deutlich weniger Pflanzenschutzmittel als früher. „Wir fahren einmal die Grenzen der Beschläge ab. Dann sind die jeweiligen Feldzuschnitte genau gespeichert. Der Traktor wird anschließend zentimetergenau über die Felder gesteuert. Die Fahrspuren werden ganz exakt eingehalten“, erläutert Bierwirtz.

Große Einsparungen

„Die Computersteuerung garantiere, dass kein Quadratmeter doppelt bearbeitet wird. Früher, als wir mit Augenmaß gearbeitet haben, gab es bei den langen Auslegern des Pflanzenschutzmittels immer wieder Überschneidungen.“ Sollte ein Ausleger eine bereits behandelte Teilfläche erneut überqueren, werden die entsprechenden Düsen automatisch gesperrt.

Die moderne Technik ermöglicht so eine Ersparnis von rund zehn Prozent der Betriebsmittel. Neben der deutlich entspannten Arbeitssituation für den Landwirt können durch den Einsatz der Digitaltechnik auch Saatgut, Dünger, Kraftstoff, Verschleißteile und vor allem Zeit eingespart werden.

„Die jeweiligen Maschinen haben einen eigenen Bordrechner, der die GPS Daten errechnet und die Daten an den Traktor sendet“, erklärt Bierwirtz. Seine Erfahrungen hörte man ebenso auf der Landtechnik-Messe in Hannover: „Die Stimmung der Branche war von großer Zuversicht geprägt“, bilanzierte Messe-Chef Grandke. „Wie eine Besucherumfrage zeigt, wollen mehr als zwei Drittel der befragten Landwirte, Lohnunternehmer und Maschinenringe in den nächsten beiden Jahren investieren.

Das beschauliche Landleben war einmal. Die Digitale Revolution verwandelt auch die Landwirtschaft dank vernetzter Technologie die mechanische, hydraulische, elektrische und elektronische Komponenten im Maschinenpark in hochkomplexe Systeme.

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