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Mittelstand in Deutschland schrumpft

Der soziale Aufstieg in Deutschland ist zunehmend schwierig geworden. Während der Mittelstand schmilzt, hat die Zahl der unteren und untersten Einkommen rasant zugenommen. Viel zu dieser Entwicklung beigetragen hat die Politik, wie eine Studie belegt.
Dichtes Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt. Trotz Festtagsstimmung leben viele Deutsche in großer Sorge. (Archivbild: Stefan Scheuer) Dichtes Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt. Trotz Festtagsstimmung leben viele Deutsche in großer Sorge. (Archivbild: Stefan Scheuer)
Gütersloh. 

In Deutschland wird der soziale Aufstieg immer schwerer und die Gruppe der Armen immer größer. Seit 1997 stieg die Zahl der Menschen in unteren und untersten Einkommensschichten um fast vier Millionen, wie eine am Donnerstag von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Studie ergab. Zugleich schrumpfte der Mittelstand von einem Anteil von 65 Prozent an der Gesamtbevölkerung auf 58 Prozent. Als Gründe nannte die Stiftung unter anderem die Steuerpolitik der vergangenen gut 15 Jahre, die vor allem Reiche begünstigt habe. Auch die Arbeitsmarktreformen hätten dazu beigetragen.

Die Bertelsmann-Stiftung erstellte die Studie gemeinsam mit der Universität Bremen und dem Deutschen Institut der Wirtschaft (DIW). Wie die Forscher erarbeiteten, trugen die seit Mitte der 90er Jahre beschlossenen Steuerreformen zum Schrumpfen der Mittelschicht bei. Das Absenken des Spitzensteuersatzes durch diese Reformen habe Einkommensstarke begünstigt, während die Mittelschicht deutlich weniger entlastet worden sei.

Als weiteren Grund für die Verschiebungen nannten die Studienmacher die Arbeitsmarktreformen. Durch diese seien viele Jobs mit einer unterdurchschnittlichen Entlohnung entstanden. Außerdem sorgten der Studie zufolge die Veränderungen in der Gesellschaft für das Schrumpfen der Mittelschicht. Die Zunahme der Einpersonenhaushalte und der Haushalte mit Alleinerziehenden führe ebenfalls zu größerer Einkommensungleicheit.

Zur Mittelschicht werden die Menschen gezählt, die auf ein Einkommen zwischen 70 und 150 Prozent des mittleren Einkommens zugreifen können. Diese als prägend für die deutsche Gesellschaft geltende Gruppe verringerte sich seit 1997 um 5,5 Millionen Menschen auf 47,3 Millionen Menschen. Die Zahl der Menschen, die mit weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens auskommen müssen, stieg in dieser Zeit um knapp vier Millionen.

Wie die Forscher herausfanden, gelingt den Menschen mit kleinen Einkommen immer seltener der Aufstieg in die Mittelschicht. Und wer einmal aus der Mittelschicht abgerutscht ist, schafft nur zu einem kleinen Teil wieder den sozialen Aufstieg. 70 Prozent der unteren Einkommen fanden sich nach drei Jahren noch immer in der Schicht wieder - damit habe die Tendenz zugenommen, in der Einkommensklasse zu verharren. Für Reiche mit hohen Einkommen sank das Risiko, Reichtum zu verlieren und wieder in die Mittelschicht abzurutschen.

Bei den Vermögen gibt es laut Bertelsmann Stiftung eine vergleichbare Entwicklung wie bei den Einkommen. Die mittleren Vermögensgruppen schrumpften demnach zwischen den Jahren 1995 und 2010 um sechs Prozent.

Die Entwicklung bei Einkommen und Vermögen lässt den Angaben zufolge die Sorgen der Menschen um ihre eigene Situation wachsen. Etwa ein Viertel der Menschen aus der Mittelschicht mache sich heute große materielle Sorgen - im Jahr 2000 waren nur 15 Prozent sorgenvoll. Der Anteil der Menschen, die sich keine Sorgen machen, schrumpfte in diesem Zeitraum von 37 auf 25 Prozent. Diese wachsende Besorgtheit erkläre sich auch damit, dass im Bewusstsein der Menschen mittlere Abschlüsse wie Realschule und Ausbildung ihre subjektiv wahrgenommene Schutzfunktion verloren hätten.

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