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Wirtschaft: Müssen Beschäftigte für Kaufhof-Krise zahlen?

Dem Warenhauskonzern Kaufhof geht es schlecht. Die Führung der Kaufhauskette drängt deshalb auf Lohnzugeständnisse der Beschäftigten. Die Gewerkschaft Verdi muss am Freitag entscheiden, ob sie dazu bereit ist.
Galeria Kaufhof steckt in der Krise. Foto: Jan Woitas (dpa-Zentralbild) Galeria Kaufhof steckt in der Krise.
Köln. 

Die Warenhauskette Kaufhof hat Probleme – und die 18 000 Beschäftigten sollen deshalb Opfer bringen. Die Geschäftsführung drängt auf Lohnzugeständnisse, um die Krise meistern zu können. Die Tarifkommission der Gewerkschaft will am Freitag entscheiden, ob sie bereit ist, mit dem Handelsriesen über einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung zu verhandeln. Fragen und Antworten zu einem Konflikt der die Kaufhof-Mitarbeiter viel Geld kosten kann.

Wie geht es Kauhof?

Schlecht. Der traditionsreiche Warenhauskonzern steckt in der Krise. Die Umsätze schrumpfen. Das Unternehmen schreibt rote Zahlen. Wie hoch genau der Verlust ist, darüber hüllt sich der kanadische Mutterkonzern HBC allerdings in Schweigen.

Warum laufen die Geschäfte so schlecht?

Das hat viele Gründe. Kaufhof leidet wie fast alle innerstädtischen Modeanbieter unter der wachsenden Konkurrenz von Online-Anbietern wie Zalando und unter der sinkenden Kundenfrequenz in den Innenstädten. Aber verschärft wird die Situation bei der Warenhauskette nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi noch durch Managementfehler - etwa überzogenen Rabattaktionen – und dadurch, dass der Mutterkonzern HBC kurz nach der Kaufhof-Übernahme die Mieten für die Warenhäuser deutlich erhöht hat.

Ist der Fortbestand des Unternehmen gefährdet?

Akut wohl nicht, glaubt man den Aussagen des Unternehmens. Doch warnte die Konzernspitze in einer Präsentation für die Gewerkschaft Verdi vor den mittel- und langfristigen Konsequenzen eines „ Weiter so“: „Ohne Gegenmaßnahmen droht die Zahlungsunfähigkeit.“

Was will das Unternehmen an Zugeständnissen von der Belegschaft?

Der Kaufhof hat bereits angekündigt, die Zahl der Mitarbeiter in der Kölner Zentrale sozialverträglich von 1600 auf 1200 zu reduzieren. Darüber hinaus will der Kaufhof-Chef jährliche Einsparungen bei den Personalkosten im hohen zweistelligen Millionenbereich. Denkbar wären etwa Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld, aber auch der Verzicht auf Gehaltserhöhungen.

Und was bietet er im Gegenzug?

Beschäftigungsgarantien.

Was sagen die Arbeitnehmer dazu?

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger fasste die Stimmung Ende vergangenen Jahres in dem Satz zusammen: „Die Beschäftigten von Kaufhof wollen nicht für Managementfehler büßen.“ Die Beschäftigten seien die letzten, die auf etwas verzichten könnten. Denn sie und ihre Familien seien auf ihre Einkommen dringend angewiesen.

Ist dies das letzte Wort?

Nicht unbedingt. Denn die Gewerkschaft ist in einer schwierigen Situation. Der von der Kaufhof-Führung angestrebte Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung wäre für die Beschäftigten zwar mit Lohneinbußen verbunden, aber die Arbeitsplätze wären dann wohl erst einmal sicher. Ohne eine Einigung sind weitere Stellenstreichungen wahrscheinlich. Um nicht über den Tisch gezogen zu werden, hat Verdi in den vergangenen Monaten die Bilanz der Kaufhauskette von einem Wirtschaftsprüfer durchleuchten lassen. Sein Gutachten wird die Grundlage sein, auf der die Tarifkommission am Freitag entscheidet, ob die Gewerkschaft mit dem Kaufhof Verhandlungen über einen Sanierungstarifvertrag aufnimmt.

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