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Hilfe bei Suche: Musterhaus-Küchen kämpft gegen Fachkräftemangel

Von Die MHK Group aus Dreieich will inhabergeführte Küchenfachgeschäfte bei der Suche nach Verkäufern – oder auch nach einem Unternehmensnachfolger – unterstützen.
Hans Strothoff hat die von ihm gegründete MHK Group im Laufe von 38 Jahren zum Marktführer in der Küchenbranche geformt und will die Fachhändler nun auch bei der Suche nach Fachkräften unterstützen. Hans Strothoff hat die von ihm gegründete MHK Group im Laufe von 38 Jahren zum Marktführer in der Küchenbranche geformt und will die Fachhändler nun auch bei der Suche nach Fachkräften unterstützen.
Frankfurt. 

Es fehlt an Fachkräften, und Unternehmer haben Probleme bei der Nachfolger-Suche – mittlerweile auch im Küchenfachhandel und Sanitärhandwerk. „Wenn wir nichts tun, schmelzen in Deutschland tagtäglich Fachgeschäfte ab“, sagt Hans Strothoff, Vorstandschef und Gründer der MHK Group aus Dreieich. Darauf hat der führende Fachhändler-Verbund in Deutschland reagiert – und will durch die „MHK-Initiative Fachkräfte“ gemeinsam mit IHKs um Quereinsteiger werben und diese als Küchenverkäufer qualifizieren. Zudem wurde die „Europa Akademie zur Sicherung des inhabergeführten Fachhandels“ gegründet. Nachfolge-Interessenten lockt man mit einer Umsatzrendite von vier Prozent (vor Steuern, nach Geschäftsführergehalt).

„Wir wären auch bereit, temporär in Unternehmen einzusteigen, bis wir einen neuen Unternehmer gefunden haben“, kündigt Strothoff an – obwohl er sich nach eigenen Worten mit dieser Aussage schwergetan hat. Im Küchenfachhandel, der größtenteils in den 70er Jahren entstanden ist, ist das Nachfolgeproblem besonders aktuell; Sanitärbetriebe hingegen werden häufig schon in dritter oder vierter Generation geführt.

„Wir werden mit diesem Konzept unsere Händler auch im Bereich der Personalgewinnung und -ausbildung im immer härter werdenden Wettbewerb unterstützen“, sagt Strothoff. MHK wolle so den Fachhandel gegen die Groß-Möbelhäuser stärken, aber keine eigenen Geschäfte haben – und damit den eigenen Gesellschaftern Konkurrenz machen.

Strothoff hat den Einkaufsverbund für Händler („musterhaus küchen Fachgeschäft“) im Laufe von 38 Jahren ausgebaut und bietet mittlerweile eine Rundum-Betreuung an: mit eigener Bank (die Corbank finanziert neue Läden und den Küchenkauf), eigener Software („Carat“ wird auch von Segmüller oder XXXLutz zur Visualisierung von Küchenplanungen genutzt), eigener Marke (dem Franchise-System „Reddy“), einer Absicherung gegen Zahlungsausfälle und Unterstützung bei der Unternehmensgründung, beim Ladenbau – oder beim Marketing. Längst hat MHK auch in den Sanitär- und Heizungsbereich expandiert („interdomus Haustechnik“), wo man erneuerbare Energien und Wärmemanagement als Zukunftsmärkte sieht.

Werbung mit Lafer

Der Fernsehkoch Johann Lafer wird ab Herbst als Werbebotschafter eine langfristige und exklusive Zusammenarbeit mit „musterhaus küchen“ starten und in Anzeigen und Radiospots mit dem Zitat „Guter Geschmack fängt mit der Küche an“ auftreten. Bei einem Gewinnspiel lockt unter anderem ein Koch-Event mit Lafer als Preis.

Die Zahl der Handelspartner der Gruppe wuchs im vorigen Jahr um 152 auf 2766, davon 854 im Ausland. Der Küchenmarkt in Deutschland hat nach dem Einbruch zu Zeiten der Finanzkrise 2008/09 fast ein Jahrzehnt lang geboomt, da der Niedrigzins die Anschaffung langlebiger Konsumgüter befeuerte. Im Vorjahr schrumpfte er erstmals um knapp sechs Prozent. „Es gibt ganz klar eine Sättigung im Markt“, sagt Vorstandsvize Werner Heilos. Denn hat der Verbraucher eine neue Küche angeschafft, kauft er so schnell keine weitere mehr – die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt bei 17 Jahren.

Gegen den Trend konnte die MHK Group beim Umsatz auch im vergangenen Jahr um 9,8 Prozent auf die bisherige Bestmarke von 5,5 Milliarden Euro zulegen; im Inland immerhin um 7,2 Prozent auf 3,45 Milliarden – und Haupttreiber dabei war der Küchenbereich. Zum Vergleich: 2001 lag der Umsatz erst bei 1,44 Milliarden Euro, 2005 übersprang er die 2-Milliarden-Marke, 2008 die 3-Milliarden-Schwelle. „Wir legen an Dynamik zu“, bilanziert Heilos. Zweistellig wuchsen die Küchen-Geschäfte im Ausland, vor allem in den Niederlanden und Spanien. Auch in Österreich und Belgien ist die Gruppe Marktführer, in Großbritannien ist sie relativ neu eingestiegen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres legte der Umsatz insgesamt erneut um zwölf Prozent zu, der Ausblick aufs Gesamtjahr bleibt positiv.

Eine „musterhaus“-Küche kostet im Schnitt inzwischen wegen immer besserer Elektrogeräte 13 359 Euro, 268 Euro mehr als ein Jahr zuvor. Jede vierte wird finanziert (also auf Pump gekauft). Im Gesamtmarkt sind es laut GfK nur knapp 6900 Euro. Strothoff: „70 Prozent Rabatt und dann noch die Mehrwertsteuer geschenkt – irgendwann wacht der Verbraucher offensichtlich auf und merkt, dass das nicht sein kann.“ Dadurch legten die Fachhändler zulasten der Großfläche zu.

Neue Zentrale

Praktisch fertig ist die neue Unternehmenszentrale in Dreieich. Dort hat der Milliardär (laut Ranking von „Manager Magazin“ und „Bilanz“ liegt er mit 1,1 bzw. 1,2 Milliarden Euro Vermögen weit vor den Wettbewerbern) auch eine Internationale Schule gegründet; aktuell lernen in der englischsprachigen Ganztagsschule über 300 Kinder und Jugendliche. Bis spätestens August soll der Umzug der 440 Mitarbeiter abgeschlossen sein.

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