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Nach Gewinneinbruch: Commerzbank vertröstet auf 2018

Die Commerzbank ist mit dem Umbau noch nicht am Ende. Erneut fällt der Gewinn mager aus. Doch in absehbarer Zeit sollen sich die teuren Einschnitte bezahlt machen.
„Auf dem Weg zur angestrebten Profitabilität liegen noch einige Aufgaben vor uns”, sagt Zielke. Foto: Boris Roessler „Auf dem Weg zur angestrebten Profitabilität liegen noch einige Aufgaben vor uns”, sagt Zielke.
Frankfurt/Main. 

Nach zwei mageren Jahren macht die Commerzbank Hoffnung auf bessere Zeiten. Das offensichtlichste Zeichen gab Konzernchef Martin Zielke: „Wir sind zuversichtlich und streben an, im nächsten Jahr wieder eine Dividende zu zahlen.”

Für konkretere Aussagen sei es jedoch zu früh im Jahr, sagte er bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. Zuletzt hatte die Bank für 2015 eine Mini-Dividende von 20 Cent je Anteilsschein gezahlt - das einzige Mal überhaupt seit der Finanzkrise, in der der Staat die Bank mit Milliarden Steuergeldern retten musste.

Doch auch mehr als zehn Jahre nach Ausbruch der Krise dümpeln die Gewinne vor sich hin: Unter dem Strich verdiente die Commerzbank noch 156 Millionen Euro - nach 279 Millionen Euro im Jahr 2016 und 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2015. In den schwarzen Zahlen landete das Institut 2017 dabei dank des Verkaufs von Tafelsilber: Unter anderem hatte sich die Bank von ihrem markanten Hochhaus in der Frankfurter Innenstadt getrennt und ist nun Mieter in dem Turm.

Negativ bemerkbar machten sich die Kosten für den Abbau Tausender Stellen. Bis 2020 will die Bank die Zahl der Vollzeitstellen um netto 7300 auf 36.000 verringern. Gut 800 Millionen Euro Aufwand für den Umbau wurden bereits komplett im ersten Halbjahr 2017 verbucht.

Operativ sei das Jahr trotz des laufenden Umbaus „ordentlich” gelaufen, bilanzierte Zielke. „Wir haben die Digitalisierung der Bank vorangetrieben und sind kräftig gewachsen.” Der seit Mai 2016 amtierende Konzernchef betonte zugleich, die Bank sei noch nicht am Ziel: „Auf dem Weg zur angestrebten Profitabilität liegen noch einige Aufgaben vor uns.”

Während die ausländische Konkurrenz die Finanzkrise 2007/2008 längst abgeschüttelt hat und wieder Milliarden verdient hinken Deutschlands Großbanken seit Jahren hinterher. So verkündete die HVB-Mutter Unicredit ebenfalls für 2017 fast 5,5 Milliarden Euro Überschuss. „Wir haben hier ganz klar Hausaufgaben zu machen, die unsere Banken wieder fit machen müssen auch im internationalen Wettbewerb”, räumte Zielke ein. Im umkämpften deutschen Markt erzielt allerdings auch die Direktbank ING-Diba deutlich bessere Ergebnisse: Für 2017 kam sie auf 877 Millionen Euro Überschuss.

Kleines Trostpflaster für die Commerzbank: Der Rivale Deutsche Bank hatte 2017 im dritten Jahr in Folge Verlust gemacht. Beiden macht die Flaute am Kapitalmarkt zu schaffen, die die Gebühreneinnahmen schmälert. Auch leiden sie unter den niedrigen Zinsen, die das Geschäft mit Einlagen und Krediten weniger einträglich machen.

Die Commerzbank hält mit einer Offensive bei Privatkunden dagegen. Bis zum Jahr 2020 will sie zwei Millionen neue Kunden anlocken, im laufenden Jahr soll die Marke von einer Million Netto-Neukunden geknackt werden. Seit Verkündung der Strategie im Herbst 2016 wuchs die Kundenzahl nach Angaben der Bank um 639.000, eine gute halbe Million davon kam im vergangenen Jahr dazu.

Von mehr Kunden verspricht sich das Institut auf lange Sicht mehr Gewinn. Der Haken dabei: Erst nach eineinhalb Jahren, so die Rechnung der Commerzbank, wirft ein neuer Kunde unter dem Strich Geld ab. Davor kostet er. Deshalb sind bei den Erträgen - den gesamten Einnahmen der Bank - bislang keine großen Sprünge zu sehen. Zu den Kritikpunkten der Analysten zählten denn auch die hohen Kosten der Bank.

Ihre Baustelle Schiffskredite hat die Commerzbank indes weitgehend abgehakt. Wegen rückläufiger Frachtraten konnten viele Reedereien ihre Kredite nicht mehr bedienen. Zwischenzeitlich hat die Bank das Portfolio an problematischen Schiffskrediten deutlich zurückgefahren: von 4,8 Milliarden Euro auf jetzt 2,6 Milliarden Euro. „Wir denken, dass wir das Tempo noch einmal erhöhen und unsere Schiffsfinanzierungen vor dem ursprünglichen Ziel 2020 nahezu vollständig abbauen können”, sagte Finanzvorstand Stephan Engels.

(Von Jörn Bender, dpa und Daniel Schnettler dpa-AFX)
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