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Vorstandschef: Nach über 14 Jahren: Bei Sparda-Bank Hessen endet eine Ära

Von Er ist länger im Amt als jeder andere Bank-Chef in Frankfurt: Zum Monatsende wird sich Jürgen Weber bei der Sparda-Bank Hessen verabschieden und in Ruhestand gehen.
Über den Dächern von Frankfurt: Jürgen Weber, scheidender Vorstandschef der Sparda-Bank Hessen, mit seinem Vize Hans-Joachim Hellhake und dem künftigen Führungsteam aus Markus Müller, Michael Weidmann und Rüdiger Orth (von rechts nach links). Über den Dächern von Frankfurt: Jürgen Weber, scheidender Vorstandschef der Sparda-Bank Hessen, mit seinem Vize Hans-Joachim Hellhake und dem künftigen Führungsteam aus Markus Müller, Michael Weidmann und Rüdiger Orth (von rechts nach links).
Frankfurt. 

Bei der Sparda-Bank Hessen geht zum Monatsende eine Ära zu Ende: Vorstandschef Jürgen Weber (64) und sein Vize Hans-Joachim Hellhake (63) gehen in Ruhestand. Seit mehr als 14 Jahren lenken die beiden Manager die Geschicke der Genossenschaftsbank, die sie selbst erst geformt haben. Nun verabschieden sie sich gleichzeitig – doch das sei von Anfang an klar gewesen, sagt Weber: Egal, ob er nach drei Jahren abtreten würde oder erst im Alter von 70, Hellhake habe versprochen, zu folgen.

Die Wurzeln des Instituts reichen zurück bis ins Jahr 1897, als Eisenbahner die „Spar- und Darlehnskasse von Eisenbahn-Beamten und -Arbeitern in Cassel“ gegründet hatten. Weber, der 1996 zur Sparda-Bank Frankfurt kam, wurde im April 2003 Chef und Hans-Joachim Hellhake, der seit 1999 im Vorstand saß, sein Stellvertreter. In diese Zeit fiel die Fusion der Sparda-Banken Frankfurt und Kassel zur Sparda-Bank Hessen eG, die am 1. Juli 2004 die Geschäfte aufnahm. De facto handelte es sich um eine Übernahme, im Portfolio der Genossen aus dem strukturschwachen Nordhessen schlummerten Kreditrisiken beträchtlichen Ausmaßes.

„Ich habe den Zusammenschluss vollzogen und hatte dafür glücklicherweise eine Kriegskasse angelegt – angeschoben hat die Fusion die wirtschaftliche Lage in Kassel“, blickt der Vorstandschef zurück: „Das war eine geniale Idee und das beste, was uns passieren konnte. Denn so konnten wir die Hessen-Identität der neuen Bank herausstellen.“

Weber setzte auf Wachstum und hat die Bilanzsumme seit der Fusion um die Hälfte auf knapp sechs Milliarden Euro ausgeweitet. Das Institut hat heute rund 390 000 Kunden und 638 Mitarbeiter. Die Sparda-Bank Hessen bot als eine der erste Filialbanken in Deutschland ein Girokonto an, das anfangs für die eigenen Mitglieder und später für alle Kunden gratis war. Dabei soll es nach Webers Worten auch bleiben, Strafzinsen sind ebenfalls nicht geplant. Vor zwei Jahren erweiterte die Bank den Kundenkreis auf Gewerbetreibende, Selbstständige und Freiberufler. In dem Bundesland sieht sie sich als der führende Baufinanzierer mit starker Marktposition vor allem bei Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen, „und zwar nicht nur in Frankfurt, sondern auch auf dem flachen Land in Nordhessen“.

Keine Österreich-Tochter

Beim Marketing setzt das Institut auf Kickers Offenbach und erwarb die Namensrechte an deren Stadion; die Bezeichnung „Sparda-Bank-Hessen-Stadion“ ließ man sich für die Jahre 2010 bis 2019 fünf Millionen Euro kosten. Lediglich die Expansion ins Ausland scheiterte: Die anvisierte Mehrheitsübernahme an der österreichischen Sparda-Bank musste wegen immer weiter steigender Kosten abgeblasen werden. „Schade. Wäre ich noch fünf Jahre im Haus gewesen, hätte ich es gemacht. Aber ich wollte dem Nachfolger keine solchen Risiken hinterlassen“, sagt Weber.

Er bleibt Honorarprofessor des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt. Als Vorsitzender des Verbands der Sparda-Banken wird er zurücktreten, stattdessen möchte er sich in den Personalausschuss wählen lassen. Zudem will sich Weber, der im Frankfurter Westend wohnt, künftig mehr um die Enkel kümmern und am Zweitwohnsitz Mallorca häufiger Golf spielen.

Der gebürtige Badener hatte bis 1978 Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Pforzheim studiert und anschließend für die Fiducia, den IT-Dienstleister der genossenschaftlichen Finanzgruppe, gearbeitet. 1991 ging er zur Mainzer Volksbank, bevor er nach Frankfurt an den Güterplatz wechselte – damals noch eine zentral gelegene Industriebrache, künftig von Hochhäusern umzingelt.

Müller wird Nachfolger

Vorsitzender des Vorstandes der Sparda-Bank-Hessen wird zum 1. Oktober Markus Müller (52). Der studierte Volkswirt war als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer beim Verband der Sparda-Banken Leiter des Prüfungsdienstes. 2013 kam er zur Sparda-Bank Hessen, seit 2015 ist er im Vorstand für Finanzen und Steuerung verantwortlich. Stellvertreter wird Michael Weidmann (43), der im Vorstand den Vertrieb verantwortet. Er startete 1990 seine Ausbildung bei der Sparda-Bank, nach zwei Jahren übernahm er erste Führungsverantwortung, entwickelte sich vom Filialleiter zum Regionaldirektor bis hin zum Generalbevollmächtigten. 2012 wurde der damals 37-jährige in den Vorstand berufen. Komplettiert wird das neue Vorstandsteam durch Rüdiger Orth (52), der seit 1990 bei der Sparda-Bank Hessen ist und die Produktentwicklung verantworten wird.

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