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Vierländer-Initiative: Neue Impulse für die Metropolregion Rhein-Main

Von Die Wirtschaft boomt, die Beschäftigung ist auf Rekordniveau. Doch das werde auch in der Rhein-Main-Region so nicht ewig bleiben, mahnt IHK-Präsident Müller. „Wir müssen die Region wetterfest machen“, lautet sein Appell. Ein Instrument dazu ist die Vierländer-Initiative „Metropolregion“.
Wer die Wohnraumprobleme in der Banken-City Frankfurt lösen will, muss auch den Vogelsberg als Teil der Metropolregion begreifen. Foto: Boris Roessler (dpa) Wer die Wohnraumprobleme in der Banken-City Frankfurt lösen will, muss auch den Vogelsberg als Teil der Metropolregion begreifen.
Frankfurt. 

Ob die Frankfurter Eintracht in der kommenden Saison im europäischen Fußball eine Rolle spielen wird, entscheidet sich beim Pokalfinale am nächsten Samstag in Berlin. Völlig außer Frage steht, dass das Finanzzentrum Frankfurt mitsamt der sie umgebenden Region Rhein-Main längst in Europas Top-Liga angekommen ist. Damit sich die sogenannte „Metropolregion FrankfurtRheinMain“, die ein Gebiet von Gießen bis Darmstadt und von Aschaffenburg bis nach Mainz abdeckt, im Wettbewerb mit London oder Paris behaupten kann, haben sich die Bundesländer Hessen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die Handwerkskammern, die Städte und Landkreise, die DIHKs und der Regionalverband zusammengetan. Sie wollen mit vereinten Kräften die Region mit rund 5,7 Millionen Einwohnern voranbringen, wollen Firmengründungen erleichtern, Ansiedlungen koordinieren, ausreichend Gewerbefläche zur Verfügung bestellen, für bezahlbaren Wohnraum sorgen und die Infrastruktur auf Straße und Schiene für Pendler besser machen.

„Die Entwicklung hat Fahrt aufgenommen“, sagt der Chef der hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer, in Frankfurt beim „Tag der Metropolregion“ zu der ambitionierten Agenda des neu gegründeten Gremiums. Denn Wirtschaft kenne keine Landesgrenzen. Die 16 Mitglieder im sogenannten „Strategieforum“ wollen sich zwei- bis dreimal jährlich treffen, dabei Denkanstöße liefern und Antworten auf die Fragen finden, die den Menschen unter den Nägeln brennen.

Ist das Klima prima?

Am Anfang kümmert sich die länderübergreifende Initiative um Existenzgründer. Stimmt die Infrastruktur? Gibt es ein Gründerklima, das die Akteure animiert? Finden sie Unterstützer, Berater und Geldgeber? „Die Region zählt mittlerweile 32 Gründerzentren, die sich untereinander allerdings überhaupt nicht kennen. Wenn wir das jetzt noch verzahnen, können wir ein Ökosystem anbieten, das in Deutschland seinesgleichen sucht“, ist Kristina Sinemus, Präsidentin der IHK Darmstadt, überzeugt. Auch ihr Frankfurter Kollege Mathias Müller stößt in dieses Horn. Es gebe etwa im Bereich der FinTechs – das sind junge Start-ups aus der Finanztechnologie – bereits gute Ansätze, so Müller: „Wir müssen gemeinsam prüfen, ob und wie wir den Standort als attraktives Ökosystem für Gründer platzieren können.“ Dabei hat der IHK-Präsident vor allem den nationalen Platzhirschen Berlin im Visier, der aktuell Frankfurt und Rhein-Main noch den Rang abläuft.

Nr. 1 für Existenzgründer

Als erste Maßnahme stellt Präsidentin Sinemus eine neue Online-Plattform vor, mit der die Metropolregion ihre Gründerzentren vernetzen will. Die Metropolregion will mit dem Portal bundesweit zum bevorzugten Ort für Existenzgründer werden. Zudem startet eine Marketing-Kampagne, die sich auf „Wiedereinsteiger“ fokussiert.

Dass der ländliche Raum ein Teil der Lösung des Wohnraumproblems in den Städten sein kann, betont Staatsminister Wintermeyer: „50 Kilometer Luftlinie von der Frankfurter Hauptwache liegt der Vogelsberg. Dort herrscht hoher Leerstand an Wohnungen. Ein Haus kostet dort nur einen Bruchteil dessen, was in Frankfurt, wo Wohnungsnot herrscht, bezahlt werden muss.“ Diese Gegenden müssten miteinbezogen werden, wenn es darum gehe, einen Masterplan für die Metropolregion zu erstellen. Dabei sei die fortschreitende Digitalisierung enorm hilfreich. Vorausgesetzt, die ländlichen Regionen werden zügig mit Breitband-Internet versorgt.

Als „klugen Ansatz“ bezeichnet Präsident Müller die Initiative des Darmstädter Regierungspräsidiums bezeichnet, das das Frankfurter Stadtplanungsbüro Albert Speer beauftragt hat, für Südhessen einen solchen Masterplan zu erstellen. Er soll künftige Baugebiete fürs Wohnen und fürs Gewerbe unter Berücksichtigung der Verkehrsinfrastruktur benennen. Zusammengefasst bringt es Müller so auf den Punkt: „Die Region ist die Stadt der Zukunft.“

Vernetzung über Apps

Beispiel Verkehr: Die Verkehrsverbünde erhalten einen dreistelligen Millionenbetrag vom Land. Insgesamt wird das Schienennetz für den Nah- und Fernverkehr in Hessen bis zum Jahr 2030 mit einer Rekordsumme ausgebaut, alles in allem fließen in zwölf Großprojekte rund zwölf Milliarden Euro. Dazu gehören der viergleisige S-Bahn-Ausbau zwischen Frankfurt und Friedberg und schnellere Verbindungen für Pendler. Zusätzlich sei es erforderlich, die intelligente Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger voranzubringen, fordert Wintermeyer. Die Idee, die Region zu einer „smart region“ auszubauen, basiere auf dem stärkeren Einsatz der Digitalisierung, um etwa über Apps nicht nur Bus- und Bahnverbindungen, sondern auch Leihräder, Carsharing-Autos und Taxis buchen zu können.

An Ideen mangelt es nicht, damit die „FrankfurtRheinMain“ in Europas Top-Liga konkurrenzfähig bleibt. „Wir müssen den Faden weiter weben und uns um pragmatische Lösungen bemühen“, unterstreicht Müller.

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