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Wirtschaft in Deutschland: Neuer Export-Rekord im November

Von Nach längerer Schwächephase melden sich die Exporteure mit einem Paukenschlag zurück. Zum „Export-Weltmeister“ macht das Deutschland aber noch lange nicht.
Der Wert der deutschen Ausfuhren summiert sich auf rund 40 Prozent des BIP – auch dieser Gasbrennkessel ist für den Export bestimmt. Foto: Hendrik Schmidt (dpa-Zentralbild) Der Wert der deutschen Ausfuhren summiert sich auf rund 40 Prozent des BIP – auch dieser Gasbrennkessel ist für den Export bestimmt.
Wiesbaden. 

Zumindest ein Rekord ist unstrittig: Die deutschen Waren-Ausfuhren haben im November 2016 mit dem besten Monats-Ergebnis aller Zeiten abgeschlossen. Güter im Wert von 108,5 Milliarden Euro gingen ins Ausland, das waren 5,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der bisherige Rekord aus dem März 2015 wurde um knapp eine Milliarde Euro übertroffen. Deutschlands Exportwirtschaft nahm damit abermals Kurs auf ein Rekordjahr: In den ersten elf Monaten stiegen die Ausfuhren um 0,8 Prozent auf 1110,2 Milliarden Euro. Damit wird der Export-Spitzenwert des Jahres 2015, der bei 1193,6 Milliarden Euro lag, mit Sicherheit übertroffen. „Es macht sich Erleichterung breit“, sagte der Außenwirtschafts-Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammerverbandes (DIHK), Volker Treier: „Der schwache Euro kurbelt vor allem das US-Geschäft an, während sich China ebenso wie die Ölförderländer gefangen haben.“

Auch bei den Importen markierte der November übrigens den höchsten Monatswert aller Zeiten: Die Einfuhren stiegen binnen Jahresfrist um 4,5 Prozent auf 85,8 Milliarden Euro. In elf Monaten summierten sie sich auf 875,9 Milliarden.

Der Überschuss

Nun wird sicher wieder die alte Frage aufkommen: Ist Deutschland damit Export-Weltmeister? Das „Handelsblatt“ hatte das, unter Berufung auf eine Schätzung des Münchner Ifo-Instituts, bereits im September vergangenen Jahres vermeldet. Die Zeitung bezog sich dabei aber auf den Handelsbilanzüberschuss. Der lag im November bei 22,6 Milliarden Euro, knapp zehn Prozent höher als im November 2015; in den ersten elf Monaten summierte er sich auf 234,3 Milliarden Euro (plus 3,7 Prozent). Einschließlich Transfers und Dienstleistungen dürfte der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands im Vorjahr bei 8,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP) gelegen haben; die endgültige Abrechnung liegt noch nicht vor.

Kein anderer Staat hat aber in absoluten Zahlen mit seinen Ausfuhren den Wert der Einfuhren derart stark übertroffen. Das zeigt zwar die globale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie, birgt aber auch Nachteile: Der Überschuss macht Deutschland stark abhängig von weltweiten Konjunkturschwankungen. Auch drückt es den Konsum – wir leben gleichsam unter unseren Verhältnissen. Zudem kauft das Ausland die Waren auf Kredit, Deutschland muss also im Gegenzug Kapital exportieren. Die Risiken zeigten sich in der Finanzkrise 2008/09, als viele der durch Ausfuhren erworbenen Forderungen abgeschrieben werden mussten. „Die alte Strategie, Maschinen gegen Lehman-Brothers-Zertifikate zu verkaufen, hat nicht funktioniert“, kritisierte plakativ der Ex-Chef des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn.

Die gängige Definition des „Export-Weltmeisters“ ist durch den Handelsbilanz-Überschuss auf jeden Fall nicht erfüllt. Diese bezieht sich ganz klar auf den Wert der Ausfuhren in einem Jahr, üblicherweise in Dollar gerechnet, wobei bei der genauen Rangliste der Teufel durchaus im Detail steckt. Deutschland war von 1986 bis 1990 und von 2002 bis 2008 ganz oben auf dem Siegertreppchen – jedenfalls wenn es um den Wert der exportierten Waren geht. Zuvor lagen die USA vorn, seit 2009 ist China der – mittlerweile unangefochtene – Weltmeister.

Die Konkurrenten

Die Zahlen: Chinas Export lag im November praktisch konstant zum Vorjahresmonat bei 196,8 Milliarden Dollar, der Handelsbilanzüberschuss bei 44,6 Milliarden. Im Jahr 2015 exportierte China Waren im Wert von rund 2200 Milliarden Dollar, im laufenden Jahr dürften es knapp 2300 Milliarden Dollar werden. Angesichts des starken Dollars sind das in Euro umgerechnet mittlerweile ebenfalls fast 2200 Milliarden, also fast doppelt so viel wie die deutschen Warenexporte. Die offiziellen chinesischen Außenhandelsdaten sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten: Sie sind von Kapitalströmen verzerrt, werden in US-Dollar abgerechnet, sind nicht saisonbereinigt und vor allem nicht preisbereinigt verfügbar.

Die Vereinigten Staaten wiederum stellen in der offiziellen Außenhandelsstatistik des U.S. Census Bureau vor allem auf den Export von Gütern und Dienstleistungen (Tourismus, Rechtsberatung, Investmentbanking) ab – was für moderne Volkswirtschaften auch nachvollziehbarer klingt als die etwas antiquierte deutsche Definition. Die USA führten im November 2016 Waren und Dienstleistungen im Wert von 185,8 Milliarden Dollar aus, von Januar bis November waren es 2022 Milliarden. Der Warenexport ist in der Statistik lediglich eine Untergruppe, in November bzw. in elf Monaten waren es 122,4 bzw. 1336 Milliarden Dollar.

Doch das statistische Bundesamt hält daran fest: „Dienstleistungen aller Art sind grundsätzlich nicht Gegenstand der Außenhandelsstatistik.“ Sie werden lediglich im Anhang zur Leistungsbilanz erfasst – anders als beim Warenexport verzeichnet Deutschland (als „Reise-Weltmeister“) hier keinen Überschuss, sondern in den ersten elf Monaten ein Defizit von 29,1 Milliarden Euro.

China dürfte laut Ifo in der Leistungsbilanz 2016 einen Überschuss von voraussichtlich 260 Milliarden Dollar erzielen, das wäre in Summe etwas weniger als Deutschland und im Verhältnis nur 2,4 Prozent des BIP. Die USA haben, anders als China und Deutschland, beim Warenhandel ein Außenhandelsdefizit von 680,6 Milliarden Dollar (Januar bis November 2016), das durch den Überschuss bei Dienstleistungen von 226,6 Milliarden nur teilweise ausgeglichen wird.

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