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Ölpreis-Höhenflug gestoppt

Die Absage Russlands, sich an der Drosselung der Öl-Förderung zu beteiligen, hat den Rohöl-Preisanstieg gestern abrupt gestoppt.
Erdöl wird auch als Grundstoff bei Kosmetikartikeln wie Lippenstiften verwandt. Foto: Jens Kalaene (dpa-Zentralbild) Erdöl wird auch als Grundstoff bei Kosmetikartikeln wie Lippenstiften verwandt.
New York/Moskau. 

Vermeintliche russische Pläne für eine gedrosselte Ölförderung haben den Höhenflug bei Rohöl beschleunigt und den Preis auf einen Jahreshöchststand getrieben. Sowohl in den USA als auch in Europa notierten die Referenzmarken WTI und Brent gestern zunächst deutlich über 50 Dollar pro Barrel (159 Liter). Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Montag angekündigt, sein Land wolle die Ölförderung drosseln. So meldeten es die Nachrichtenagenturen. Daraufhin schoss der Preis für die US-Referenzmarke WTI bis zum Handelsschluss am Montag in den USA auf 51,35 Dollar pro Barrel. Zugleich handelte es sich um den höchsten Schlusspreis seit Juli 2015. In London notierte die Nordsee-Marke Brent zwischenzeitlich bei 53,60 Dollar.

Doch offenbar war Putin falsch verstanden worden. Ein Kreml-Sprecher sagte, Bedingung für eine Kooperation sei, dass sich die Opec-Staaten auf konkrete Schritte einigten. Energieminister Alexander Nowak vollzog gestern Vormittag die Kehrtwende. Er sagte, er wolle sich nicht an einer vom Ölkartell Opec angeregten Drosselung der Fördermenge beteiligen. Denkbar sei allenfalls, die Produktion auf dem derzeitigen Niveau einzufrieren. Daraufhin sackte der Ölpreis wieder deutlich ab, behauptete sich aber über der 50-Dollar-Marke.

Doch selbst ein Einfrieren geht dem Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft zu weit. „Warum sollten wir das tun?“, sagte Igor Setschin. Rosneft steuert etwa zwei Fünftel zur gesamten Ölfördermenge Russlands bei. Er bezweifelte, dass auch einige Mitgliedsländer wie der Iran, Saudi-Arabien oder Venezuela sich an einer Drosselung beteiligen sollten. Das Kartell hat sich für eine Förderbegrenzung ausgesprochen, Details sollen aber erst im November festgelegt werden.

Heute ist ein informelles Treffen von Vertretern des Ölkartells und Russlands in Istanbul geplant. Doch wichtige Opec-Vertreter machen nun einen Rückzieher. Er werde an dem Treffen nicht teilnehmen, sondern es aus der Ferne verfolgen, sagte der saudische Energieminister Khalid al-Falih. Er verwies zudem auf Daten aus den USA. Diese zeigten, dass die Überkapazitäten am Ölmarkt zurückgingen.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) erwartet aber, dass es noch bis zum Sommer 2017 ein Rohöl-Überangebot gibt. Entscheidend sei, wie schnell die Opec ihre Ankündigung umsetze, die Produktion zu drosseln, heißt es.

Die Opec hatte Ende September beschlossen, ihre tägliche Fördermenge auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel zu drosseln. Die Senkung um rund 750 000 Barrel ist die stärkste seit der Finanzkrise 2008.

Analyst Carl Larry erklärte, Russland sei entscheidend dafür, dass die Absprache tatsächlich Auswirkungen auf den Ölmarkt und den Preis haben wird. „Sobald Russland dabei ist, ist das eine richtig große Sache“, sagte er.

Die Ölförderer kämpfen seit mehr als zwei Jahren mit sehr niedrigen Preisen. Von mehr als hundert Dollar pro Barrel im Juni 2014 sank der Preis bis Anfang dieses Jahres auf unter 30 Dollar.

(rtr,afp)
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