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Vor dem Eigentümerwechsel im Herbst: Opel-Chef Neumann vor Wechsel zu VW?

Das Motto „Umparken im Kopf“ hat Opel-Chef Karl-Thomas Neumann offenbar wörtlich genommen. Einem Zeitungsbericht zufolge will er den Besitzerwechsel von General Motors zur Peugeot-Mutter PSA nicht mitmachen. Für das Unternehmen wird das Folgen haben.
Ein gefragter Manager: (Noch-)Opel-Chef Karl-Thomas Neumann sollen schon verschiedene Anfragen aus der Automobilindustrie für einen Wechsel vorliegen. Foto: Andreas Gebert (dpa) Ein gefragter Manager: (Noch-)Opel-Chef Karl-Thomas Neumann sollen schon verschiedene Anfragen aus der Automobilindustrie für einen Wechsel vorliegen.
Rüsselsheim. 

Der Automanager Karl-Thomas Neumann wäre im Falle seines Abgangs als Opel-Chef einem Insider zufolge bei seinem früheren Arbeitgeber Volkswagen willkommen. Hochrangige Entscheidungsträger bei dem Wolfsburger Konzern könnten sich Neumann beispielsweise als Nachfolger des angeschlagenen Audi-Chefs Rupert Stadler gut vorstellen, meldete die Nachrichtenagentur Reuters.

Am Freitag hat sich Karl-Thomas Neumann noch ganz den Aufgaben eines Opel-Chefs gewidmet. Auf dem Landesfest Hessentag, das in der Opel-Stadt Rüsselsheim steigt, präsentierte der Manager via Twitter Sportwagen, eine Besucherbahn fürs Werksgelände und populäre Rockkonzerte. Nur wenige Stunden später scheint klar: Neumanns Tage bei Opel und in Rüsselsheim sind gezählt. Laut „Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung“ will er das Unternehmen verlassen, sobald der Verkauf von General Motors an die französische Peugeot-Mutter PSA vollzogen ist.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann will einem Bericht zufolge sein Amt aufgeben. Foto: Arne Dedert
Kommentar zu Opel: Neumann verdient Respekt als Vater ...

Karl-Thomas Neumann ist ein echter Glücksfall für Opel. Sollte er in wenigen Monaten den Rüsselsheimer Autobauer tatsächlich verlassen, hinterlässt er ein Unternehmen, das sich im Zustand eines nachhaltigen „Comebacks“ befindet.

clearing

Spekulationen über einen Abschied des 56 Jahre alten Neumanns, dem eine Unterordnung unter PSA-Chef Carlos Tavares nicht zugetraut wurde, wurde rasch zerstreut. Auf dem Genfer Autosalon im März übten Neumann und Tavares öffentlich den Schulterschluss. Schließlich hat Neumann den traditionsreichen Autobauer, der seit 1929 zum US-Konzern General Motors (GM) gehört, seit 2013 wieder in die Spur gebracht. Selbst Kritiker respektieren die griffige Werbung, das frische Image und die technisch stark verbesserte Produktpalette. „Comeback der Marke Opel“ wurde zum Leitmotiv der Ära Neumann.

Rote Zahlen

Was dauerhaft fehlt, ist der wirtschaftliche Erfolg, denn auch Neumann schaffte es nicht, das GM-Europageschäft nachhaltig aus den roten Zahlen zu steuern. Es gab dafür auch externe Gründe wie den Ausfall des russischen Marktes und die Schwäche des britischen Pfunds nach der Brexit-Entscheidung. Doch offenbar hatte GM-Chefin Mary Barra das Vertrauen verloren und ließ sich auf die mittlerweile schon weit gediehenen Verkaufsgespräche mit den Franzosen ein. Die haben unter Tavares ihre Kosten im Griff, wie Neumann bei der gemeinsamen Entwicklung neuer Familien-Autos beobachten konnte.

Dass Opel nun wohl ohne seinen technik-affinen Leitwolf nach Paris umparken muss, schwächt die Position des Unternehmens im neuen Konzern, glaubt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut der Universität Duisburg-Essen. Schon während der Übergangsarbeiten konnte Neumann seine neue Machtlosigkeit erleben, wenn Betriebsräte und IG Metall die vereinbarten Produktions- und Entwicklungsvolumina in einem Tarifvertrag festschreiben wollten. Ihre Verhandlungspartner dafür kamen vom Mutterkonzern GM, der ein Übergangsteam nach Rüsselsheim entsandt hat.

Ingenieure im Fokus

Die Verteilungskämpfe mit PSA gehen erst nach dem Betriebsübergang so richtig los, denn die bestehenden Aufträge, die auch weiterhin von GM kommen sollen, reichen nur begrenzt. Die Franzosen sollen für das GM-Europa-Geschäft inklusive der britischen Opel-Schwester Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro zahlen. Die milliardenschweren Pensionsverpflichtungen bleiben aber bei GM. Opel beschäftigt mit seiner britischen Schwestermarke Vauxhall in Europa etwa 38 000 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Deutschland.

Vor allem das firmeneigene Entwicklungszentrum (ITEZ) mit rund 7700 Mitarbeitern in Rüsselsheim hat bei einer Fusion mit PSA viel zu verlieren, schließlich beschäftigen die Franzosen in den eigenen Zentren auch rund 14 000 Experten. Bislang wurden im ITEZ komplette Autos geplant, künftig könnte es bei vielen Modellen nur noch eine Art Fein-Tuning sein, damit sich der Opel zumindest äußerlich von seinen Schwestermodellen der anderen Konzernmarken Peugeot, Citroën oder DS unterscheidet. Die Tendenz ist klar: Trotz bereits angelaufener Arbeiten wurde vor wenigen Wochen der für 2019 geplante Opel Corsa auf eine PSA-Plattform verschoben, weil diese sehr viel kostengünstiger ist.

Tavares gibt Gas

Neumann ist als starker Verfechter der Elektro-Mobilität aufgetreten, wollte Opel sogar vollständig auf diesen Antrieb umstellen und Rüsselsheim zum entscheidenden Entwicklungszentrum machen. Tavares verlangt hingegen vom Opel-Management, bis 2020 wieder profitabel zu werden – bei großen Investitionen in die E-Mobilität wäre diese Vorgabe utopisch.

Opel wird sich dem Vernehmen nach schnell neu aufstellen. Bereits am 22. Juni soll in einer Sitzung des Opel-Aufsichtsrats über die neue Unternehmensführung gesprochen werden.

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