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Neuzulassungen: Opel fährt im Rückwärtsgang

Von Mit einem Rückgang um über fünf Prozent haben die Autohersteller bei den Neuzulassungen im Monat Mai auf dem deutschen Markt abgeschnitten. Das Minus klingt schlimmer, als es tatsächlich ist: Es erklärt sich aus der Vielzahl von Feiertagen und den dadurch fehlenden zwei Arbeitstagen. Ein Horrormonat liegt allerdings hinter der Marke Opel.
Neuwagen stehen bei diesem Opel-Händler hinter einer Glasfassade zum Verkauf. Foto: Boris Roessler/Archiv Neuwagen stehen bei diesem Opel-Händler hinter einer Glasfassade zum Verkauf.
Frankfurt. 

Es ist nur eine Momentaufnahme. Dennoch schrillen im Rüsselsheimer Adam-Opel-Haus die Alarmsirenen: Der Absatz der Traditionsmarke ist erneut eingeknickt – und zwar kräftig. Auch wenn es anderen deutschen Herstellern wie etwa BMW oder Mercedes nicht viel besser bei den Neuzulassungen im Monat Mai ergangen ist: Der neuerliche Einbruch auf dem Heimatmarkt schmerzt Opel in der aktuellen Sanierungsphase gewaltig. Die Absatzzahlen sind um rund 15 Prozent geschrumpft. Das ist fast dreimal soviel wie der Gesamtmarkt in Deutschland, der im Wonnemonat insgesamt gut fünf Prozent zum Vorjahresmonat verloren hat. Das teilte das Flensburger Kraftfahrtbundesamt gestern mit.

Auf Jahressicht steht der deutsche Automarkt aber gut da. Von Januar bis Ende Mai setzten die Autobauer hierzulande knapp 1,5 Millionen Neuwagen ab. Das ist ein Zuwachs um 2,6 Prozent. Auch in dieser Fünfmonatsbetrachtung steht Opel miserabel da: Minus 7,6 Prozent bedeuten ein Absinken des Marktanteils auf nur noch 6,4 Prozent. In den Glanzzeiten der Marke war der Anteil deutlich im zweistelligen Prozentbereich. Inzwischen hat Opel gegen den Kölner Rivalen Ford deutlich an Boden verloren und wird als Nummer sechs im Ranking von der aufstrebenden VW-Tochter Skoda bedrängt.

 

Trotz der Beschwörungen der neuen Opel-Führung in Rüsselsheim, die Profitabilität hochfahren zu wollen, bläht Opel mit hohen Eigenzulassungen auch nach der Übernahme durch PSA seine Neuwagenzulassungen auf und schmälert damit die Erträge. Eigenzulassungen sind Neuwagen, die auf Autohändler und den Autobauer zugelassen werden und nach kurzer Zeit mit hohen Rabatten im Markt wieder auftauchen. So waren nach Berechnungen des „Car-Center Automotive Research“ der Universität Duisburg-Essen 40 Prozent aller Neuzulassungen von Opel in Deutschland in den ersten vier Monaten dieses Jahres Eigenzulassungen. Gut kalkuliert betrage der notwendige Anteil an Eigenzulassungen aber lediglich 15 Prozent der Neuwagenverkäufe, heißt es in der aktuellen Untersuchung. Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer kommentiert: „Die Ankündigungen, man wolle mit besseren Margen und profitabler arbeiten, sind auch mehr als sechs Monate nach der Übernahme nicht erkennbar.“

„Historisches Tief“

Auch auf dem europäischen Markt hat sich der Rückgang des Marktanteils bei Opel-Vauxhall fortgesetzt. Lediglich 5,4 Prozent aller in Europa zugelassenen Pkw trugen im April deren Markenlogos. „Dies ist ein historisches Tief“, sagt Dudenhöffer. Und weiter: Zusätzlich habe Opel eine Durststrecke bei neuen Modellen. Erst 2019 komme der für den Volumenmarkt enorm wichtige Corsa-Nachfolger in den Markt. Das deute auf weiter sinkende Marktanteile hin.

Im Mai haben die meisten Marken aus der deutschen Absatz-Top-10 Federn gelassen. Besonders gebeutelt wurden BMW (-15,8 Prozent) und Mercedes (-13,3 Prozent). Der große Gewinner ist Marktführer VW, der seinen Absatz um knapp sechs Prozent erhöhen konnte. Auch die spanische Tochtermarke Seat legte einen Zwischenspurt hin und verkaufte fast zehn Prozent mehr Neuwagen.

VW fährt allen davon

Auch in der bisherigen Jahresrechnung glänzt vor allem Volkswagen. Die Kaufzurückhaltung der Kundschaft als Folge des Diesel-Betrugs ist verschwunden. In den ersten fünf Monaten 2018 hat die Wolfsburger Marke über acht Prozent besser abgeschnitten als im Vorjahr. Damit wird der Gesamtmarkt (+2,6 Prozent) deutlich übertroffen. Die Verfolger schwächeln: Mercedes, Audi und BMW liegen unter ihren Absatzzahlen des Vorjahres.

Ein großer Sprung nach vorne ist dem US-Autobauer Ford gelungen, der knapp fünf Prozent im Plus liegt und damit BMW überholt hat. Im Blickpunkt bleiben zudem die beiden Koreaner Hyundai und Kia. Die Schwestermarken haben beinahe im Gleichschritt gut zehn Prozent zugelegt und verbessern ihre Marktposition Zug um Zug. Augenfällig ist zudem der Aufschwung der PSA-Marken: Während die deutsche Tochter Opel mehr und mehr an Boden verliert, machen Peugeot, Citroën und DS große Fortschritte auf dem hiesigen Markt und verbessern ihren Absatz teilweise um ein Fünftel.

Und nicht zu übersehen: Der Siegeszug der rumänischen Renault-Tochtermarke Dacia geht ungebremst weiter. Ein Fünftel mehr Neuzulassungen im Mai.

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