E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 24°C

Autoindustrie: Opel schreibt schwarze Zahlen

Der französische PSA-Konzern hatte gestern gute Nachrichten für die deutsch-britische Tochter Opel/Vauxhall zu verkünden. Die Ertragswende sei geschafft, so Konzernchef Tavares. Opel schreibt wieder schwarze Zahlen.
Dieser Opel-Mitarbeiter kann mit einem Lächeln in die Zukunft blicken: Die Konzernspitze verkündete, die Ertragswende sei geschafft. Dieser Opel-Mitarbeiter kann mit einem Lächeln in die Zukunft blicken: Die Konzernspitze verkündete, die Ertragswende sei geschafft.
Rüsselsheim/Paris. 

Opel hat dank massiver Einsparungen unter seinem französischen Eigner PSA Peugeot Citroen die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Im ersten Halbjahr wies die deutsche Traditionsmarke mit dem Blitz und ihre britische Schwester Vauxhall einen Gewinn von 502 Millionen aus, wie PSA am Dienstag in Rueil-Malmaison bei Paris mitteilte. PSA hatte Opel erst vor knapp einem Jahr übernommen und mit dem Betriebsrat in den vergangenen Monaten einen harten Sanierungsplan ausgehandelt. Der sieht den Abbau von 3700 der insgesamt mehr als 18 000 Stellen und Investitionen in neue Modelle vor. Unter dem vorigen Eigentümer General Motors hatte Opel zuletzt vor fast zwei Jahrzehnten auf Jahresbasis einen Gewinn ausgewiesen. Zuletzt gab es im zweiten Quartal 2016 operativ schwarze Zahlen, die aber schnell wieder dahinschmolzen.

Die Aktie von Peugeot legte an der Pariser Börse zeitweise um mehr als zwölf Prozent zu und erreichte ein Zehn-Jahres-Hoch von 23 Euro. „Der Turnaround von Opel/Vauxhall ist in vollem Gang“, sagte PSA-Finanzvorstand Jean-Baptiste de Chatillon bei der Präsentation der Zwischenbilanz. Opel habe die Fixkosten um 28 Prozent gesenkt, die Produktionskosten heruntergeschraubt und die Wertigkeit seiner Verkäufe gesteigert.

Investitionszusagen

Ein Sprecher erläuterte, Opel profitiere von den Geländewagen Mokka, Grandland und Crossland und einer generell höheren Ausstattung der Fahrzeuge, an denen man mehr verdiene. Zudem habe Opel den weniger rentablen Verkauf an Autovermieter reduziert.

Anders als andere Autobauer hatte Opel bisher weder mit Ermittlungen der Justiz noch mit einem Pflicht-Rückruf zu tun.
Opel Kommentar: Teufelskerl Tavares

Carlos Tavares ist seinem Ruf als knallharter Sanierer mal wieder gerecht geworden. Vor knapp einem Jahr hat der Portugiese an der Spitze des französischen PSA-Konzerns den chronisch defizitären

clearing

PSA-Konzernchef Carlos Tavares lobte euphorisch Opel-Management und -Mitarbeiter: „Sie haben meine Wertschätzung. Es sind tolle Leute.“ Nach der überraschend schnellen Gewinnwende stellt Tavares weitere Investitionen in Aussicht gestellt. Wenn der Sanierungsplan „Pace“ eingehalten werde, gebe es keinen Grund, warum die Gewinne nicht nachhaltig sein sollten, erklärte der Portugiese. Die deutschen Werke würden weitere Investitionen für neue Produkte erhalten, wenn sie wettbewerbsfähig blieben. Bei der Sanierung des PSA-Mutterkonzerns habe es vor fünf Jahren ähnliche Sorgen um die Auslastung einzelner Werke gegeben, sagte Tavares. Inzwischen seien die Fabriken sehr gut ausgelastet und es sei eher ein Problem, dass manche Beschäftigte weniger arbeiten wollten.

Tavares verteidigte erneut Überlegungen des Managements, Teile des Opel-Entwicklungszentrums in Rüsselsheim möglicherweise an einen externen Dienstleister zu verkaufen. Das Auftragsvolumen des Opel-Alteigentümers General Motors gehe vertragsgemäß mittelfristig zurück, erläuterte der Manager. Es sei seine Pflicht, zu verhindern, dass die daran hängenden Jobs verschwinden. Noch sei nichts entschieden, und Opel-Chef Michael Lohscheller werde rechtzeitig auf die Sozialpartner zugehen. Das Zentrum in Rüsselsheim bleibe fester Bestandteil des globalen Entwicklungsnetzwerks der PSA-Gruppe. Zuletzt war spekuliert worden, dass bis zu 40 000 der 7000 Ingenieure davon betroffen sein könnten.

Phönix aus der Asche

„Die Verbesserungen, die PSA in den letzten sechs Monaten (bei Opel) erreicht hat, sind bemerkenswert angesichts des Verlusts von 179 Millionen Euro in der zweiten Jahreshälfte 2017“, sagte Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI. Die Wende bei Opel trug mit dazu bei, dass die operative Marge des Konzerns im ersten Halbjahr um 0,4 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent stieg. Die Marken Peugeot, Citroën und die Premiumtochter DS steigerten sich dabei sogar auf 8,5 Prozent, ein Rekord. Den Reingewinn schraubt PSA in den ersten sechs Monaten 2018 um 18 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro nach oben, der Umsatz sprang wegen der Opel-Übernahme sogar um mehr als 40 Prozent auf 38,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Marktführer Volkswagen hatte im ersten Quartal bei einem Umsatz von 58 Milliarden Euro eine Rendite von 7,2 Prozent eingefahren. Die Zahlen für das erste Halbjahr wollen die Wolfsburger in der nächsten Woche präsentieren.

„Opel erhebt sich aus der Asche“, überschrieb Analyst Ellinghorst seinen Marktkommentar. „Die erste Phase in einem Turnaround ist immer die Schlimmste.“ Dies sei nun überwunden. „Die Fixkosten derart heruntergeholt zu haben, ist eine starke Leistung“, betonte Ellinghorst. Mit fünf Prozent Umsatzrendite habe Opel das für 2020 gesteckte Ziel von zwei Prozent bereits deutlich übertroffen. Nun müsse sich erweisen, ob der Trend in der zweiten Hälfte und im nächsten Jahr anhalte.

Unter dem US-Autobauer General Motors hatte Opel bereits zahlreiche Sparprogramme mit Werksschließungen (Bochum, Antwerpen) und Jobabbau durchgemacht. Trotzdem war es in dieser Zeit nicht gelungen, Opel aus den Verlusten zu führen.

Schwierige Verhandlungen

Das überraschend gute Abschneiden in den ersten sechs Monaten unter PSA könnte nach Meinung von Experten allerdings die Verhandlungen von Opel mit dem Betriebsrat über die Zukunft des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim erschweren. Die Belegschaft könnte nun damit argumentieren, dass ein Verkauf wegen der Ertragswende nicht nötig sei.

Die Franzosen hatten die Arbeitnehmervertretung unlängst mit Überlegungen für Partnerschaften oder einen Teilverkauf in Forschung und Entwicklung gegen sich aufgebracht. In der leidgeprüften Belegschaft kursiert nach Betriebsratsangaben seitdem die Sorge, dass die Marke Opel bei einem Verkauf beschädigt werden könnte.

Überkapazitäten

PSA-Finanzvorstand de Chatillon sagte während der Telefonkonferenz: „Wir haben im Laufe der Zeit Überkapazitäten in diesem F&E-Zentrum.“ Über den Stand der Gespräche mit möglichen Käufern machte er gestern keine Angaben. Auch nannte er keine Namen. Zuletzt waren als mögliche Partner für das Entwicklungszentrum die Namen der französischen Unternehmen Altran, Akka und Segula sowie das deutsche Unternehmen Bertrandt ins Spiel gebracht worden. rtr/dpa/ba

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen