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Weltdiabetestag: Pharmaunternehmen Sanofi: Der Weltmeister der Insulinproduktion

Zum Weltdiabetestag zeigt das Pharmaunternehmen Sanofi seinen Produktionsstandort von Insulin im Industriepark Höchst. Der Konzern hat derzeit verschiedene Projekte rund um die Insulinproduktion laufen und erweitert seine Insulinproduktion.
Bei der Abfüllung des Insulins muss auf eine keimfreie Umgebung geachtet werden. Mitarbeiter greifen dazu mit speziellen Handschuhen durch die Luken im Glasbehälter. Bei der Abfüllung des Insulins muss auf eine keimfreie Umgebung geachtet werden. Mitarbeiter greifen dazu mit speziellen Handschuhen durch die Luken im Glasbehälter.
Frankfurt. 

Ein kleiner Stift ist für viele Diabetiker wichtiges Alltagsgeschäft. Mit dem sogenannten Insulin-Pen, der aussieht wie ein Füllfederhalter, injizieren sich Millionen an Diabetes Erkrankte in Deutschland und weltweit das lebensnotwendige Insulin. Der Pharma-Konzern Sanofi hat sein größtes Werk für die Insulinproduktion in Frankfurt-Höchst, hergestellt wird hier auch der Pen. Höchst ist das größte integrierte Insulin-Werk der Welt, mit der gesamten Wertschöpfungskette von Forschung und Entwicklung bis hin zur Distribution. Im Werk werden jeden Tag eine Million solcher Pens gefertigt und für den Versand in über 100 Länder abgepackt.

Zu 70 Prozent Export

Derzeit leiden rund 415 Millionen Erwachsene weltweit an Diabetes, Tendenz stark steigend. Das ist auch für große Konzerne wie Sanofi eine Herausforderung – und zugleich die Chance auf starke Umsatzzuwächse. Denn der Export des für viele Erkrankte lebenswichtigen Insulins auch in Schwellenländer nimmt eine immer wichtigere Rolle ein. Fast 70 Prozent seines Umsatzes von 4,7 Milliarden Euro machte Sanofi im Jahr 2016 im Export. Das Inland spielte nur eine untergeordnete Rolle mit 976 Millionen Euro.

Diabetes mellitus

Bei Diabetes mellitus ist der Stoffwechsel gestört, so dass der Blutzuckerspiegel im Körper steigt. Während Typ 1 angeboren ist, entwickelt sich Diabetes Typ 2 oft im Laufe des Lebens und wird als Zivilisationskrankheit bezeichnet.

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Dem Unternehmen zufolge wird sich die Zahl der Erkrankten vor allem in Asien, dem Nahen Osten und Nordafrika in den nächsten 25 Jahren verdoppeln, im übrigen Afrika – wo es bisher vergleichsweise wenig Diabetes gibt – sogar fast verdreifachen. Zum Vergleich: Im Westpazifik gibt es bisher 153 Millionen Erkrankte, in Europa „nur“ 59,8 Millionen. Ganze zwölf Prozent der globalen Ausgaben für Gesundheitsleistungen stehen in Zusammenhang mit Diabetes-Erkrankungen. Aufgrund dieser Entwicklung hatte Sanofi zum Weltdiabetestag Journalisten aus Schwellenländern an den Standort Höchst eingeladen. Gekommen waren Teilnehmer aus der Türkei, Russland, Argentinien, China und Taiwan.

Das Pharma-Unternehmen Sanofi hat den Trend früh erkannt und seine Insulinproduktion ausgeweitet. Am Standort Frankfurt entstand 2015 eine neue Fertigungshalle, in der die Pens nun von Sanofi selbst hergestellt und befüllt werden. Das alles passiert in einer sterilen Umgebung, die als „Napa“ (New Aseptic Processing Area) bezeichnet wird. Hier wird hinter Glas eine keimfreie Umgebung für das Insulin geschaffen, um es in sterile Kartuschen einzufüllen. Der Vorteil: Mitarbeiter müssen so nicht mehr im sterilen Ganzkörper-Schutzanzug arbeiten, sondern es reichen spezielle Handschuhe, mit denen sie hinter Glas arbeiten.

Seit 2006 investierte die Firma über eine Milliarde Euro in den Höchster Standort. In diesem Jahr werden die Investitionen deutlich über den 100 Millionen Euro liegen, die im Durchschnitt in den vergangenen Jahren in das Höchster Werk gesteckt wurden. So wird die Insulinproduktion derzeit ausgeweitet. Außerdem wurde vor einigen Wochen ein neues Hochregallager fertiggestellt sowie eine Anlage zur Herstellung von Antikörpern. Außerdem arbeite man an einem Projekt für eine Abfüllanlage für Antikörper, teilte Sanofi-Sprecherin Birgitt Sickenberger mit.

Aus Kolibakterien

Frankfurt-Höchst kann als Insulin-Standort auf eine lange Geschichte zurückblicken: 1923 begann dort die Gewinnung des Insulins, damals noch tierischen Ursprungs aus den Bauchspeicheldrüsen von Rindern oder Schweinen. Das deutlich verträglichere Humaninsulin kam 1983, als die Firma noch Hoechst Marion Roussel hieß. Seit der Jahrtausendwende wird in Höchst Insulin aus genetisch veränderten Koli-Bakterien gewonnen, die in Edelstahltanks mit einem Fassungsvermögen von 60 000 Litern angereichert werden. Das so gewonnene Insulin wird dann in mehreren Schritten gereinigt, bis nur noch ein weißes Pulver übrig bleibt: das reinste weiße Insulin. Dieses muss dann wieder verflüssigt werden, damit es Patienten gespritzt werden kann. Denn die Krux beim Insulin ist, dass es aus Eiweißmolekülen entsteht, die oral eingenommen, einfach im Magen verdaut würden – ohne jeglichen Effekt. Das flüssige Insulin muss in einer Kühlkette bei 8 bis 7 Grad gehalten werden, auch beim Versand. In Containern, gefüllt mit Trockeneis, werden die Pens auf den Weg in alle Welt gebracht. Der Wirkstoff Insulin wird ausschließlich in Frankfurt-Höchst produziert. Abfüllanlagen stehen in Russland und China, weil dort die Nachfrage besonders hoch ist, sagte Martin Siewert, bei Sanofi Leiter für injizierbare Arzneimittel. Die geschlossenen Glasbehälter, in denen das Produkt steril gehalten wird, seien globaler Standard.

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