Polen statt Bochum

Werksschließungen sind laut Opel-Chef Stracke kein Thema – zumindest bis Ende 2014. Nicht gerade viel Zeit für den Autobauer, aus den roten Zahlen zu kommen. Und die GM-Pläne machen wenig Hoffnung für die westeuropäischen Standorte.
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Frankfurt. 

Opel-Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke hat Spekulationen über unmittelbar bevorstehende Werksschließungen in Europa zurückgewiesen. "Wir haben einen Vertrag bis 2014, der eine Standortsicherung vorsieht, und diesen Vertrag werden wir einhalten", sagte Stracke der "Bild"-Zeitung. Hauptaufgabe sei es jetzt, das Unternehmen wirtschaftlicher zu organisieren. Darüber solle in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch beraten werden. Man drehe "jeden Stein um", es sei "nichts tabu".

Dabei wollte Stracke auch Lohnkürzungen oder eine Streichung von Zulagen nicht ausschließen: "Wir haben gerade zu Beginn des Jahres 2,7 Prozent Lohnerhöhung gezahlt. Damit sind wir auf IG-Metall-Tarifniveau. Ansonsten müssen wir sehen, was die Zukunft bringt", sagte er weiter.

GM will hart durchgreifen

Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" will der US-Mutterkonzern General Motors (GM) bei Opel hart durchgreifen, um die defizitäre Tochter aus den roten Zahlen zu führen. Vor allem zwei Werke stünden auf der Kippe: Die Standorte Bochum und Ellesmere Port in England.

Nach einem "Spiegel"-Bericht will GM seine Kapazitäten in Westeuropa herunterfahren und im Gegenzug in "Niedrig-Kosten-Ländern" erhöhen, um profitabler zu werden. Dabei setze der Autobauer auf Polen, Russland, China, Indien, Mexiko und Brasilien, berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf ein GM-Strategiepapier. Demnach will der US-Konzern bei steigendem Absatz die zusätzlichen Fahrzeuge zu 80 Prozent in diesen Ländern fertigen.

Ein Beispiel für die Verlagerung sei das polnische Gliwice, wo aktuell der Astra montiert werde. Dort solle die Produktionskapazität um 25 Prozent erhöht werden, während die Fertigung des Zafira in Bochum spätestens 2015 geschlossen werden solle. Den europäischen Markt wolle GM zunehmend mit Einfuhren aus seinen Fabriken in den "Niedrig-Kosten-Ländern" bedienen. Bis 2016 sollten zusätzlich 300 000 Fahrzeuge aus Werken in Mexiko, Korea und China nach Europa exportiert werden. Es werde kaum noch Modelle geben, die speziell für einen Markt wie Europa entwickelt werden.

Profitabilität verbessern

Stracke hatte den Opel-Mitarbeitern zuvor in einem Brief versprochen, die Zukunft für den Autobauer zu sichern. Allerdings sei die gesamte Autoindustrie mit einem schwachen europäischen Markt konfrontiert: "Deshalb müssen wir jetzt handeln, um unsere Profitabilität dauerhaft zu verbessern." Es gebe Pläne, das Nutzfahrzeuggeschäft auszubauen, den Marktanteil in Russland zu steigern und die Exporte auszuweiten. "Wir investieren über 11 Milliarden (Euro) in neue Produkte, wir wollen bis 2014 über 30 neue Produkte auf den Markt gebracht haben, sechs allein davon in diesem Jahr." Er hoffe, dass er den Opel-Mitarbeitern in zwei bis drei Monaten konkrete Entscheidungen präsentieren könne.

Merkel informiert

Nach einem Bericht der "WAZ" hat Opel-Chef Stracke das Kanzleramt bereits über die Pläne zur Schließung des Werks in Bochum informiert. Heute sei ein Gespräch zwischen Stracke und dem Opel-Betriebsrat geplant.

Der Chef des US-Mutterkonzerns General Motors (GM), Dan Akerson, habe ihm seine uneingeschränkte Unterstützung für das Unternehmen zugesagt, sagte Stracke. "Wir sind uns völlig einig, dass die Lösungen für Opel hier in Europa erarbeitet werden müssen und nicht aus den USA Vorgaben gemacht werden."

Aus Sicht des Opel-Betriebsrats verbieten sich Spekulationen über Standortschließungen. "Es macht wenig Sinn, über teure Werksschließungen zu spekulieren. Diese würden eine Rückkehr des Unternehmens in die Gewinnzone auf Jahre hinaus unmöglich machen", hatte Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug betont.

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