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Reformen vorantreiben: Portugiese Mário Centeno wird Eurogruppenchef

Die Kandidatur von Mário Centeno galt schon vorab als die aussichtsreichste – dennoch ist seine Ernennung ein Vertrauensbeweis. Nun muss Centeno sich als würdiger Vertreter seiner Amtskollegen beweisen. Viel Zeit zum Einarbeiten bleibt ihm kaum.
Der portugiesische Finanzminister Mário Centeno wird Eurogruppenchef. Foto: Stephanie Lecocq (EPA) Der portugiesische Finanzminister Mário Centeno wird Eurogruppenchef.
Brüssel. 

Einen Spitznamen hat der neue Eurogruppenchef Mário Centeno schon jetzt weg: Der frühere Bundesfinanzminister und heutige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte den Portugiesen liebevoll den „Ronaldo der Eurogruppe“ getauft – weniger wegen seiner Fußballbegeisterung, sondern vielmehr, weil er das im Zuge der Finanzkrise gnadenlos überschuldete Land durch schmerzhafte, aber notwendige Reformen prügelte – und das mit Erfolg: Noch 2011 war Portugal gezwungen, sich unter den Euro-Rettungsschirm zu flüchten und internationale Hilfskredite von über 70 Milliarden Euro in Anspruch zu nehmen. Heute liegt die Kreditwürdigkeit des Landes bei BBB-, alles andere als eine Bestnote, aber doch weit entfernt von dem Abgrund, auf den das Land in der Finanzkrise zuschlitterte.

Der portugiesische Finanzminister erntete damit den Respekt des deutschen Kollegen, der vor allem bei den Hilfsprogrammen für das von der Staatspleite bedrohte Griechenland eine harte Linie fuhr. Dass Lissabon sich ziemlich nah an die Vorgaben aus Brüssel hielt und das Land sich inzwischen merklich erholt hat, war für Schäuble der Beweis, mit seiner Strategie richtig zu liegen. Centeno steht praktisch stellvertretend für den Erfolg des Eurokrisenmanagements – symbolhafter hätte die Wahl kaum ausfallen können. Ein Zufall ist sie ohnehin nicht.

Schon im Vorfeld hatten Spanien und Italien Unterstützung für den portugiesischen Kandidaten angedeutet, auch Deutschland und Frankreich zeigten sich einverstanden. Christdemokratische Kandidaten fielen aus, weil deren europäische Fraktion EVP schon im Vorhinein ankündigte, außen vor zu bleiben: Denn die übrigen Topjobs der EU – sowohl EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als auch Parlamentschef Antonio Tajani und Ratspräsident Donald Tusk – sind bereits in der Hand der größten Parteienfamilie in Brüssel.

Einziger Sozialdemokrat

Centeno vertritt als einziger die Sozialdemokraten, auch wenn er in seiner Heimat ein unabhängiges Mitglied der Partido Socialista (PS) bleibt. Dass er sich gegen den einzigen Konkurrenten aus der Fraktion, den Slowaken Peter Kazimir, durchsetzen würde, war absehbar. Denn der hat weitaus weniger Erfahrung als der portugiesische Finanzminister, der früher in einer Führungsposition der Zentralbank arbeitete, für die er nach wie vor als Sonderberater fungiert.

Centeno, der aus dem an der nördlichen Küste an spanischen grenzenden Vila Real de Santo António stammt, besuchte die renommierte Harvard-Universität in den Vereinigten Staaten, das Finanzwesen wurde dem Ökonomen als Sohn eines Bankers praktisch in die Wiege gelegt. Nach seinem Studium arbeitete er in der Wirtschafts- und Forschungsabteilung der Bank von Portugal, zu deren Direktor er später ernannt wurde. Der Spitzenposten als Chef der Zentralbank aber blieb im verwehrt. Umso größere Aufgaben erwarten den verheirateten Familienvater dreier Kinder nun in seinem EU-Topjob. Schon heute will die EU-Kommission weitgreifende Reformen für die Eurogruppe vorstellen – dabei sollten diese Gegenstand eines Sondergipfels nach dem EU-Spitzentreffen der Staats- und Regierungschefs in der kommenden Woche sein. Centenos erste Aufgabe wird es sein, die Positionen der Mitgliedstaaten in dieser Frage zu vertreten.

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