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Tipps für Urlauber: Reisemängel: So machen Sie Rückerstattungen richtig geltend

Routen-Änderungen, Kabinenmängel, Krach – es gibt viele Gründe, warum die Reiselaune auf einem Kreuzfahrtschiff kippen kann. Wann besteht Anspruch auf Entschädigung?
Sie zählte zu den weltweit zehn größten und modernsten Schiffen. Das schützte die „Star Princess“ der US-Reederei „Princess Cruises“ im Jahr 2006 nicht vor einem Großbrand mit Schäden an rund 100 Kabinen. Mit Auswirkungen auf die Passagiere. Foto: Ingo Wagner (dpa) Sie zählte zu den weltweit zehn größten und modernsten Schiffen. Das schützte die „Star Princess“ der US-Reederei „Princess Cruises“ im Jahr 2006 nicht vor einem Großbrand mit Schäden an rund 100 Kabinen. Mit Auswirkungen auf die Passagiere.
Frankfurt. 

Gerade bei einer Kreuzfahrt ist gutes Wetter nötig, um den Urlaub genießen zu können. Einen Strich durch die Rechnung könnte da rauer Seegang oder gar eine Seekrankheit infolgedessen machen. In solchen Fällen sieht es auch rechtlich eher schlecht für Touristen aus. „Bei schlechtem Wetter, Seegang und damit verbundenen Folgen wie Stürzen an Bord oder Seekrankheit haben Passagiere keinen Anspruch auf Preisminderung und Schadensersatz gegenüber dem Reiseveranstalter“, sagt Vivien Rehder, Pressesprecherin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Auch bei wetterbedingten Routenänderungen gibt es keine Ansprüche, wenn sich der Reiseveranstalter bei der Buchung eine Änderung vorbehält. Bei gravierenden Routenänderungen – also etwa, wenn mehrere zugesagte Anlandungen ausfallen – konnten Passagiere vereinzelt Preisminderungen erwirken.

Entschädigung bei Verspätungen Schon wesentlich bessere Chancen auf Preisnachlass haben Verbraucher bei Verzögerungen im Reiseablauf. Bei verspäteter Abfahrt, beispielsweise wegen Reparaturen, kann der Gesamtpreis gemindert werden.

Bei einer verspäteten Ankunft steht dem Passagier ein Teil des Fahrpreises als Entschädigung zu. Die Entschädigung beträgt 25 Prozent bei einer Verspätung von mindestens

  einer Stunde bei einer planmäßigen Fahrtdauer von bis zu vier Stunden,

  zwei Stunden bei einer planmäßigen Fahrtdauer von mehr als vier bis zu acht Stunden,

  drei Stunden bei einer planmäßigen Fahrtdauer von mehr als 8 bis zu 24 Stunden oder

  sechs Stunden bei einer planmäßigen Fahrtdauer von mehr als 24 Stunden.

Bei einer Verspätung von mehr als dem Doppelten der oben angegebenen Zeiten beträgt die Entschädigung 50 Prozent. Aber Vorsicht: Diese Regelungen gelten nicht, wenn die Verzögerung auf die Witterung zurückzuführen ist.

Kabine ist völlig anders Den versprochenen Balkon gibt es nicht, aus der Außenkabine wurde nur eine Innenkabine, das Fernsehgerät oder die Klimaanlage fehlt? „In solchen Fällen ist teilweise Preisminderung möglich, wenn der Mangel trotz unverzüglicher Anzeige nicht behoben oder passender Ersatz gefunden wurde“, so Rehder.

Mängel bei einer Kreuzfahrt Sobald die Kreuzfahrt nicht dem Reisevertrag und der Prospektausschreibung entspricht, liegt ein Reisemangel vor. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein listet etliche Beispiele auf:

  Versäumte Einschiffung und Nachreise zu anderem Hafen aufgrund Abflugverspätung, wenn der Flug Bestandteil der Kreuzfahrt ist.

  Kabinen werden im Katalog als weit und großzügig abgebildet, was nicht der Realität entspricht.

  Gebuchte Kabinenkategorie wird nicht zugewiesen.

  Verzögerte Auslieferung des Gepäcks.

  Schiff trotz Zusicherung nicht behindertengerecht, zu schmale Kabinentür für Rollstuhlfahrer.

  Kündigung wegen höherer Gewalt, Atomreaktor-Katastrophe in Fukushima.

  Unterbringung auf anderem Schiff als gebucht.

  Verkürzte Route.

  Verspätetes Anlegen zum Landausflug.

  Wegfall trotz Zusicherung von längerer Fahrt durch Packeis, wenn dieses dann nicht vorhanden ist.

  Zugesichertes englisch sprechendes Begleitpersonal fehlt.

  Einführung eines Rauchverbots in den Kabinen nach der Buchung.

  Nötigung zum Gala-Dinner.

  Pool ist trotz ruhiger See nicht mit Wasser gefüllt.

  Abweichen von der Reiseroute.

Passagiere können Ansprüche geltend machen „Dem Reisenden stehen je nach Fallkonstellation neben einem Anspruch auf Reisepreisminderung gegebenenfalls auch die Möglichkeit der Kündigung des Reisevertrages, vertragliche und deliktische Schadensersatzansprüche, Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit und auch ein Schmerzensgeldanspruch zu“, so Verbraucherschützerin Rehder.

Worauf können sich Geschädigte berufen? Pauschalreisen sind grundsätzlich über das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) geregelt. Daraus geht hervor, dass Kunden einen Anspruch auf Erfüllung der im Vertrag beschriebenen Leistungen haben. Berufen können sich Passagiere auf die Würzburger Tabelle (xn-wrzburger-tabelle-22b.de/ tabelle/), die reiserechtliche Probleme bei Kreuzfahrten aufzeigt und Anhaltspunkte für die Bearbeitung entsprechender Reklamationsfälle gibt. Dort finden sich auch viele Beispiel-Urteile zum Thema.

Was sollten Verbraucher sofort tun? Wer einen Mangel feststellt, sollte diesen sofort noch vor Ort beim Vertragspartner anzeigen und Nachbesserung fordern. Dabei sollte der Passagier eine angemessene Frist setzen. Diese sollte er entsprechend der Reisedauer wählen. Wichtig ist auch, den Mangel und die Anzeige mit allen Details zu dokumentieren. Dazu gehören Angaben wie Ort, Zeit, Veranstalter, Frist und Ähnliches.

„Wird der Mangel nicht behoben, empfehlen wir Betroffenen, sich an die Rechtsberatung der Verbraucherzentrale zu wenden. Dort prüfen Fachleute im Einzelfall, welche Möglichkeiten für Preisminderung und Schadensersatz infrage kommen“, sagt Rehder.

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