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Frostige Ernte: Rheingau-Winzer schwärmen vom Eiswein

Von Minus neun Grad waren es am frühen Mittwochmorgen in Hochheim in der Lage Mönchsgewann, perfektes Wetter für die Lese des exklusiven Eisweins.
Die Trauben müssen bei der Lese gefroren sein. Foto: Daniel Karmann (dpa) Die Trauben müssen bei der Lese gefroren sein.
Hochheim/Eltville. 

Gleich zu Beginn des Winters bescherte Petrus den Winzern im Rheingau die ersehnten frostigen Temperaturen, um den Eiswein zu lesen. „Wir waren ganz überrascht, damit hatten wir nicht wirklich gerechnet“, berichtet Reiner Flick vom Weingut Joachim Flick: „Wir haben dann schnell Leute zusammengetrommelt und losgelegt, bis neun Uhr morgens war der Eiswein gelesen.“

250 Liter Riesling aus dem Mönchsgewann kamen am Ende zusammen, 150 Grad Oechsle maß der Most. Eiswein muss in tiefgefrorenem Zustand gelesen werden, mindestens minus sieben Grad müssen herrschen, damit die gesetzlichen Vorschriften erfüllt sind. „Wichtig ist, dass die Trauben gefroren auf die Kelter kommen und auch auf dem Transport nicht auftauen“, erklärt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI). Weil das Wasser in der Beere gefroren bleibe, gebe es einen hochkonzentrierten Most und damit auch hoch konzentrierte Frucht. „Das macht die besondere Aromatik des Eisweins aus“, erklärt Büscher.

Es ist eine ungewöhnlich frühe Eisweinlese in diesem Jahr: Bereits am 21. November gab es den ersten Eiswein in Saale-Unstrut, in der Nacht zum Mittwoch reichte es dann in vielen Regionen. In Franken wurde bei minus 9,2 Grad Silvaner-Eiswein geerntet, an der Nahe, in der Pfalz und vor allem an der Mosel brachten Winzer die Weinspezialität sicher in ihre Keller. Auch im rheinhessischen Nierstein, beim Weingut Schneider sowie beim Weingut Dr. Hinkel in Framersheim wurden Eisweine geerntet.

Vollrads muss nachsitzen

Im Rheingau wurde im berühmten Steinberg von Kloster Eberbach ein Riesling-Eiswein mit 138 Grad eingebracht. Doch nicht überall war es kalt genug: Auf Schloss Vollrads erreichten die Temperaturen keine minus sieben Grad, dort hoffen sie nun auf weitere frostige Nächte. Wer schon lesen konnte, freute sich: „Der Jahrgang 2016 bot beste Voraussetzungen für Eiswein, weil die Trauben sehr gesund waren“, berichtet Büscher.

Beim Weingut Flick war es gar der erste Eiswein seit 2012, seither war es einfach nicht mehr rechtzeitig kalt genug geworden. Das liege am Klimawandel, erklärt Büscher. Viele Winzer riskierten es deshalb gar nicht mehr, noch Trauben für den Eiswein hängen zu lassen. „Es wird schwieriger“, sagt auch Flick, der Eiswein werde dadurch rarer, der Eiswein so „zu einer echten Besonderheit.“ Flicks Eiswein geht im Mai in den Handel und kostet dann 45 Euro pro Flasche.

Im Geschmack ist die Weinspezialität edelsüß, oft mit Aromen von Flieder und Pfirsich verbunden. Durch moderne Rebsorten und Ausbaumethoden sind heutige Eisweine aber nicht mehr klebrig, sondern haben „eine erfrischende Säure“, erklärt Büscher: „Als Aperitif oder zu Desserts sind sie großartig.“

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