Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige LS Lederservice Sie suchen einen Spezialisten aus Rhein-Main? Frankfurt am Main 29°C

Urlaubskasse wird geschont: Roaming-Gebühren in der EU fallen endgültig weg

Pünktlich zur Urlaubssaison ist es endlich soweit: Am nächsten Donnerstag fallen die Roaminggebühren in der EU endgültig.
Das Telefonat mit der Freundin vom griechischen Urlaubsstrand wird billiger. Roaming-Gebühren dürfen nicht mehr erhoben werden. Foto: Friso Gentsch (dpa) Das Telefonat mit der Freundin vom griechischen Urlaubsstrand wird billiger. Roaming-Gebühren dürfen nicht mehr erhoben werden.
Brüssel. 

Europa hat lange darauf gewartet. Vor zehn Jahren begann die stufenweise Deckelung der Roaming-Gebühren, 2013 versprach die EU-Kommission deren Ende. Was Verbraucher dennoch beachten müssen, erklären wir hier.

Was versteckt sich eigentlich hinter dem Begriff Roaming?

Wenn man im Ausland mit dem Smartphone anruft, SMS verschickt oder im Internet surft, zahlt der Vertragsanbieter dafür Gebühren an den auswärtigen Netzbetreiber. Diese Kosten durften die Anbieter bislang an ihre Kunden weitergeben. Das geht jetzt nicht mehr.

I ch kann also künftig völlig kostenlos aus dem Urlaub mit meinen Freunden in Deutschland telefonieren?

Nicht ganz. Das Ende der Roaming-Gebühren bedeutet lediglich, dass die Preise nicht mehr die im Vertrag festgelegten Tarife für Anrufe, Kurznachrichten und Surfen übersteigen dürfen. Es werden also nur dann keine Aufschläge fällig, wenn der Betroffene zu Hause entsprechende Flatrates besitzt.

Gibt es denn ein Limit, wie viel ich telefonieren und schreiben darf, wenn ich im Ausland bin?

Nein. Zwar hatte die EU-Kommission ursprünglich eine zeitliche Beschränkung von 90 Tagen vorgesehen, diese aber wegen großer Kritik nicht durchsetzen können. Schließlich hatte die Behörde selbst versprochen, dass die Gebühren fallen würden. Und das passiert nun auch.

Kann ich mir also auch eine günstigere SIM-Karte aus Osteuropa beschaffen und damit dauerhaft in Deutschland telefonieren?

Besser nicht. Denn die EU hat Mechanismen eingerichtet, die vor Missbrauch der Roaming-Freiheit schützen sollen.

Und wie sehen die aus?

Wenn beispielsweise eine SIM-Karte häufiger im EU-Ausland als in dem Staat genutzt wird, in dem sie angeschafft wurde, kann ein Anbieter das Nutzungsverhalten des Betroffenen vier Monate lang prüfen. Sollte dieser sich davon mindestens zwei Monate im Ausland aufhalten und sein Telefon dort häufiger nutzen als zu Hause, folgt eine Warnung. Der Verbraucher hat dann zwei Wochen Zeit, darauf zu reagieren. Erst danach darf der Anbieter in Anspruch genommene Leistungen nach geregelten Höchstbeträgen in Rechnung stellen.

Wie ist das bei Verträgen mit festen Kontingenten?

Wenn die vereinbarte Höchstmenge an Sprachminuten, Nachrichten und Datenvolumen aufgebraucht ist, kann der Anbieter wieder Gebühren verlangen. Die Beträge sind aber entsprechend der Gebühren, die sich Netzbetreiber für die Nutzung der Infrastruktur gegenseitig in Rechnung stellen dürfen, gedeckelt. Für Anrufe sind das drei Cent pro Minute, bei SMS ein Cent.

Und was ist mit dem mobilen Internet?

Da kann es unter Umständen noch teurer werden, wenn ein Missbrauch festgestellt wurde. Die Kosten dafür liegen in diesem Jahr noch bei 7,70 Euro pro Gigabyte, fallen in den nächsten fünf Jahren aber auf 2,50 Euro ab 2022.

Wenn die Anbieter nicht mehr so viel für Roaming verlangen dürfen, drohen dann nicht teurere Verträge?

Die Gefahr ist nicht ganz auszuschließen. Allerdings herrscht nun auch stärkerer Wettbewerb. Die Kommission hofft, dass dies wie bisher eher zu immer günstigeren Tarifen für Verbraucher führt. Allerdings haben einzelne Unternehmen bereits Erhöhungen angekündigt. Die EU-Behörde will dies über die zuständigen nationalen Stellen prüfen lassen – wenn die Verteuerung nicht mit den Regeln vereinbar ist, drohen Sanktionen.

Kann ich mir denn trotzdem weiter im Ausland eine billige Prepaid-SIM-Karte anschaffen?

Sicher, das geht nach wie vor. Das macht bei einigen neuen Angeboten sogar durchaus Sinn: So tauchen die ersten „AfD“-Tarife, als „ausschließlich für Deutschland“ auf, deren SIM-Karten nur in der Bundesrepublik funktionieren. Wer selten im EU-Ausland unterwegs ist, fährt mit solchen Verträgen möglicherweise günstiger.

Was passiert, wenn man Auslandspakete hinzugebucht hat, laufen diese automatisch aus?

Das ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Einige haben zugesagt, die Zusatztarife automatisch auslaufen zu lassen, andere wollen ihre Kunden vorher dazu befragen, da es ja auch Europapakete gibt, die Nicht-EU-Länder miteinschließen.

Was kann ich tun, wenn mir Auslandszuschläge weiterhin in Rechnung gestellt werden?

Zunächst ist es ratsam, den Kontakt zum Anbieter zu suchen. Wenn sich dabei herausstellt, dass es kein Versehen war und das Geld nicht gutgeschrieben wird, kann der Betroffene sich an die Bundesnetzagentur (www.bundesnetzagentur.de) wenden. Sie ist zuständig für die Überwachung der Mobilfunkunternehmen.

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse