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Frankfurter Produktionsstätte: Rodenstock: Das Ende kommt, wann ist unklar

Zumachen? Weitermachen? Oder beides? 139 Beschäftigte des Brillenherstellers Rodenstock haben Zukunftsangst. Gestern machten sie die Öffentlichkeit auf ihre Situation aufmerksam.
Symbolischer Abschied in Weiß: Zur Schließung ihrer Firma in Preungesheim haben die Rodenstock-Mitarbeiter 139 Laborkittel „an den Nagel“ gehängt – für jeden potenziell Betroffenen einen. Foto: Leonhard Hamerski Symbolischer Abschied in Weiß: Zur Schließung ihrer Firma in Preungesheim haben die Rodenstock-Mitarbeiter 139 Laborkittel „an den Nagel“ gehängt – für jeden potenziell Betroffenen einen.
Frankfurt. 

Eine kleine Schockwelle löste eine Falschmeldung der Hessenschau am vergangenen Mittwoch aus. Die Preungesheimer Produktionsstätte für Rodenstock-Brillengläser würde zum 30. September schließen, und die Mitarbeiter hätten am heutigen Freitag ihren letzten Arbeitstag.

Das Ende der Frankfurter Produktionsstätte ist sicher. Doch wann die Tore zur Produktionshalle schließen, steht noch in den Sternen. „Die Verlagerung der Glasproduktion vom Standort Frankfurt am Main in die Werke in Regen und Klattau soll wie angekündigt im Laufe des Jahres umgesetzt werden“, sagt Kilian Manning, Sprecher des Münchner Unternehmens. „Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern laufen. Eine konkrete Aussage über weiteren Zeitplan ist erst nach Abschluss dieser Verhandlungen möglich.“

„Nein, so schnell geht das mit der Schließung nicht“, sagt auch Carsten Witkowski von der IG Metall, der bei den Verhandlungen um die Aufgabe der Frankfurter Brillenglasproduktion mit am Tisch sitzt. Seit Ende Juni sei bekannt, dass die Firma Rodenstock sich von ihrem Produktionsstandort Frankfurt trennen möchte. Das bedeutet für 139 Beschäftigte das berufliche Aus bei dem Münchner Familienunternehmen, das sich weltweit mit Brillen und optischen Instrumenten einen Namen gemacht hat. Ein Kundendienst für Rodenstock bleibt mit 15 bis 20 Mitarbeitern in Preungesheim bestehen.

Seither laufen die Verhandlungen. Die IG Metall, die bei den Verhandlungen mit am Tisch sitzt, hat dem Betriebsrat als betriebswirtschaftliche Berater die EWR Consulting GmbH empfohlen. Die Berater haben ein Alternativkonzept zur Weiterführung des Frankfurter Werkes erarbeitet. Das Sanierungskonzept, mit dem das Werk in Frankfurt erhalten werden sollte, beschreibt Sascha Cavelius, Berater bei EWR Consulting: „Unser ,Made in Germany’-Konzept beinhaltet die Weiterführung der Produktion mit Produktivitätssteigerungen, Konzentrationen,“ Investitionen aber auch Rationalisierungen. Der Arbeitgeber hat sich gegen diesen Vorschlag entschieden. Die mit diesem Konzept erreichbaren Fertigungskosten liegen über den geplanten Fertigungskosten des Managementkonzeptes. Hier unterliegt das deutsche Werk aufgrund der Personalkostenunterschiede und der moderneren Produktionsanlagen des Werkes in Tschechien. Das Werk in Tschechien soll fast vollständig die Markengläser aus Frankfurt aufnehmen. „Die Investitionspolitik des Unternehmens, mit dem starken Fokus auf die personalkostengünstigen Standorte und der daraus resultierenden Produktionskapazitäten war eine strategische Entscheidung des Managements“, beurteilt Cavelius Rodenstocks Ablehnung des Vorschlags.

Doch nun stehen die Verhandlungen um den Sozialplan an. „Die Arbeitgeber boten anfangs drei Millionen Euro, dem steht die Forderung der Arbeitnehmer von 10,5 Millionen Euro gegenüber. „Mit dem derzeitigen Angebot des Arbeitgebers von sechs Millionen stocken derzeit die Verhandlungen“, erzählt Witkowski. Der Umsatz bei Rodenstock belief sich 2016 auf 409 Millionen Euro, der operative Gewinn – d.h. der Gewinn aus reinen Geschäftsaktivitäten – lag bei 75,6 Millionen Euro.

Am Mittwoch dieser Woche stand ein weiterer Verhandlungstag auf dem Protokoll. Die Mitarbeiter starteten dazu eine „Kittel-Aktion“, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze in Preungesheim zu demonstrieren: Sie hängten ihre Arbeitskittel an den Zaun des Werksgeländes und übergaben den Arbeitgebervertretern eine Unterschriftenliste.

Es heißt also noch warten und weiterverhandeln.

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