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Kunstmarkt: Sammler bewilligen Rekordpreise für den Nachlass Rockefellers

Von Sich einmal fühlen wie Rockefeller: Kunstwerke aus der Kollektion des Milliardärs haben die Sammler in New York zu Höchstgeboten animiert.
Der höchste Zuschlag im bisherigen Jahresverlauf: 115 Millionen Dollar zahlte ein Sammler für Picassos „Junges Mädchen mit Blumenkorb“. Foto: Johannes Schmitt-Tegge (dpa) Der höchste Zuschlag im bisherigen Jahresverlauf: 115 Millionen Dollar zahlte ein Sammler für Picassos „Junges Mädchen mit Blumenkorb“.
New York. 

Eine Auktion, die Maßstäbe setzt: Noch nie hat eine Kunst-Privatsammlung so viel Geld eingebracht wie die von David Rockefeller, die Christie’s in den vergangenen Tagen in New York versteigert hat. 828 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld, umgerechnet 694 Millionen Euro) brachten Gemälde und Skulpturen, Manschettenknöpfe, Möbel oder Porzellan aus der Sammlung des amerikanischen Milliardenerben und Bankiers ein. Der letzte Enkel des Standard-Oil-Gründers John Davison Rockefeller – er war der erste Milliardär der Weltgeschichte – war vorigen März im Alter von 101 Jahren gestorben, der Erlös aus dem Verkauf der insgesamt mehr als 1500 Stücke seiner Sammlung soll an gemeinnützige Organisationen wie das Museum of Modern Art in New York, die Universität Harvard und weitere Forschungseinrichtungen gehen.

Die Kunstwerke kosteten damit mehr als doppelt so viel wie die bisherige Rekord-Kollektion von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé, die Christie’s 2009 in Paris versteigert hatte – damals für gut 400 Millionen Dollar. Bis gestern Nacht lief noch der letzte Teil der Online-Offerten, wo auch Porzellan für Preise von 2000 Dollar erhältlich war. Die Schätzwerte wurden aber auch bei diesem Teil der Auktion, die über weite Strecken an eine bessere Haushaltsauflösung erinnerte, weit übertroffen. So kostete selbst DDR-Ware wie ein auf 5000 bis 7000 Dollar geschätztes Schwanen-Service aus Meissen, das Rockefeller seiner Frau Peggy 1981 zu Weihnachten geschenkt hatte, am Ende 22 500 Dollar.

Den höchsten Preis erzielte Pablo Picassos „Junges Mädchen mit Blumenkorb“, das für 115 Millionen Dollar verkauft wurde. Das Gemälde zeigt die Blumenverkäuferin Linda vom Pariser Montmartre als Akt mit einem Strauß roter Rosen. Der spanische Maler fertigte es 1905 an – nur ein Jahr, nachdem er sich in Paris niedergelassen hatte. Vor Rockefeller gehörte das Bild der Schriftstellerin Gertrude Stein, die es direkt von Picasso gekauft hatte. Es war immerhin der zweithöchste Zuschlag, den ein Picasso je erzielt hat – allerdings nach lediglich zwei Geboten. Beobachter hatten auf einen noch höheren Preis für das zuvor auf 100 Millionen Dollar (allerdings ohne Aufgeld) geschätzte Picasso-Nacktbild spekuliert – doch vermutlich war das dargestellte Mädchen für den aktuellen Zeitgeschmack doch zu jung.

Neue Auktions-Rekorde

Mehrere andere Top-Gemälde übertrafen jedoch ihre Schätzung deutlich und holten Rekordpreise für den jeweiligen Künstler. Darunter war Claude Monets großformatiger Seerosenteich „Nymphéas en fleur“, der 84,7 Millionen Dollar erzielte. Mit einem Verkaufspreis von 80,8 Millionen Dollar knackte der Akt „Odaliske mit Magnolien“, der im Wohnzimmer des Landsitzes der Rockefellers im Küstenstaat Maine hing, den Rekord für ein Gemälde von Henri Matisse. Beide Werke gingen übrigens an Chinesen. Und Paul Gauguins Seelandschaft „Die Welle“ kam auf 35,2 Millionen Dollar. Die Höchstmarke für Eugène Delacroix wurde mit 9,9 Millionen Dollar für „Tiger mit Schildkröte“ ebenfalls gebrochen. Hohe Preise erzielten auch der Amerikaner Willem de Kooning („Untitled XIX“ von 1982) oder der Mexikaner Diego Rivera (Auktionsrekord für „Die Rivalen“ von 1931).

„Bin ich Rockefeller?“, wehrt man häufig noch heute finanzielle Zumutungen ab. Auch für Kunsthandwerk bewilligten Bieter, oft aus China, wegen des weltweit zugkräftigen Namens deutlich mehr als den Schätzpreis. So fiel der Hammer für ein Porzellanservice der französischen Manufaktur Sèvres, das einst Napoleon mit ins Exil genommen hatte, erst bei 1,5 Millionen Dollar, dem Zehnfachen der unteren Schätzung. Dennoch meinte einer der Bieter: „Die Qualität muss schon stimmen. Der Name allein reicht nicht.“

Die Rekord-Ergebnisse zeigen abermals, in welch guter Verfassung der Kunstmarkt weltweit ist. Schon im Vorjahr war nach Angaben des „Kunstmarkt-Reports“, den die Analystin Clare McAndrew für die Messe „Art Basel“ und die Schweizer Großbank UBS erstellt hat, der Gesamtumsatz auf 63,7 Milliarden Dollar gestiegen, ein Plus von zwölf Prozent gegenüber 2016. Im Auktionsmarkt betrug das Wachstum wegen eines für 450 Millionen Dollar verkauften, Leonardo da Vinci zugeschriebenen Gemäldes sogar mehr als ein Viertel (auf 28,5 Milliarden – mit den Rockefeller-Erlösen könnte der Vorjahreswert abermals übertroffen werden.

Die Kunstmessen

Wie es im Jahresverlauf weitergeht, wir sich im Juni zeigen: Dann startet mit der „Art Basel“ wieder die weltweit wichtigste Kunstmesse. 290 der weltweit führenden Galerien bieten in der Schweiz Kunstwerke aus klassischer Moderne und Gegenwart an, Sammler aus aller Welt reisen an. Im April hatte die bedeutendste deutsche Kunstmesse, die „Art Cologne“, zwar wieder mehr Besucher angezogen als 2017; den deutlichen Einbruch gegenüber 2016 konnte das jedoch nicht wettmachen. Und mit einer von einer „Art-Basel“-Tochter veranstalteten Konkurrenzschau in Berlin droht der ältesten Kunstmesse der Welt weiteres Ungemach.

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