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Diabetes- und Forschungsstandort weiter ausbauen: Sanofi-Chef: "Wir machen Insulin für die Welt"

Von Clemens Kaiser steht seit September an der Spitze des Pharmakonzerns Sanofi in Deutschland. Er stehe für Kontinuität und werde den Forschungs- und Insulinstandort Frankfurt weiter ausbauen und stärken, betonte er.
In dieser modernen Hightech-Anlage in Frankfurt-Höchst werden Insuline bei absoluter Keimfreiheit abgefüllt. Bilder > In dieser modernen Hightech-Anlage in Frankfurt-Höchst werden Insuline bei absoluter Keimfreiheit abgefüllt.
Frankfurt. 

Clemens Kaiser kommt verdammt cool daher. Der neue Vorsitzende der Geschäftsführung von Sanofi in Deutschland hat nichts von der äußerlichen Akkuratesse seines Vorgängers Martin Siewert, der in den Aufsichtsrat gewechselt ist. Gedeckter Anzug, weißes Hemd und Krawatte sind offenbar nicht seine Welt. Der Klingelton seines Smartphones erschreckt die Umwelt mit einem frenetischen „Hockey Goal Horn“. Kaiser, ein großer Mann mit mildem Lächeln gibt sich gegenüber seinem Gesprächspartner offen und interessiert. Das macht ihn auf den ersten Blick sympathisch. Es gibt noch einen zweiten Aspekt, der ihn an der Sanofi-Spitze einzigartig macht: Er ist kein Mediziner, kein Naturwissenschaftler, sondern ein Volkswirt. „Und die“, so sagt er, „können alles.“ Kontinuität ist ihm sehr wichtig. „Wir sind Traditionalisten, allein schon, weil die Arznei-Produktzyklen so lang sind und sich über Nacht nichts ändert“, sagt er.

Kaiser bringt gut 30 Jahre Erfahrung im Gesundheitsgeschäft mit. 1984 startete er seine Laufbahn in Leverkusen bei Bayer. Einen großen Teil seiner Laufbahn verbrachte er in Asien. Nach einem Abstecher beim US-Konzern GE Healthcare in London wechselte er 2014 zu Sanofi in Paris. Nun leitet der 60-Jährige das Deutschland-Geschäft des französischen Pharmariesen und pendelt zwischen seinen Büros in Frankfurt und Berlin hin und her.

„Insulin-City“

Kaiser ist sich der Verantwortung bewusst, die er übernommen hat. Er führt nunmehr den drittgrößten Arzneimittel-Konzern in Deutschland und hält mit seiner Wertschätzung für die Qualitäten des wichtigsten Standortes hierzulande nicht hinter den Berg. Von den rund 9500 Mitarbeitern in Deutschland sind im Industriepark Frankfurt-Höchst fast 7300 beschäftigt. In Neu-Isenburg, wo die Biotech-Tochter Genzyme angesiedelt ist, arbeiten 220 Menschen.

„Insulin-City“ nennt das Unternehmen den Standort im Industriepark. „Wir machen hier Insulin für die Welt“, ist sich Kaiser der Bedeutung Frankfurts für den Konzern und die weltweite Versorgung von Diabetes-Patienten bewusst. „Frankfurt ist der größte Fingerabdruck in Diabetes.“ Die Investitionsoffensive für den Standort sei noch in vollem Gang.

200 Millionen Euro pumpt der Pariser Konzern bis 2020 nach Hessen. Aktuell sei ein Kaltmittellager für Insuline in Bau. Die Zell-Biologie werde ausgebaut, ebenso ein Distributionszentrum. Die Bedeutung Frankfurts innerhalb der französischen Pharmazie-Gruppe werde dadurch weiter wachsen. Der hohe Stellenwert sei auch an der großen Zahl der Forscher abzulesen: 1300 seien in den Labors tätig.

Tausch mit Boehringer

Das vor einem Jahr beschlossene Tauschgeschäft zwischen Sanofi und Boehringer Ingelheim – Tiermedizin gegen rezeptfreie Arzneimittel (Consumer Health Care) – werde Frankfurt in Kürze tangieren, so Kaiser. 400 Mitarbeiter von Boehringer ziehen von Ingelheim nach Frankfurt um. Dabei handelt es sich um Mediziner, Vertriebler, Mitarbeiter aus dem Marketing und der Administration. Der Bereich Selbstmedikation erfahre durch den Neuzugang einen ungeheuren Schub, unterstrich Kaiser.

Bisher habe Sanofi im weltweiten Geschäft damit auf den Plätzen fünf oder sechs rangiert. In Zukunft werde Sanofi etwa bei den Medikamenten für den Verdauungstrakt Weltmarktführer, bei Schmerzmitteln Nummer zwei und bei den Nahrungsergänzungsmitteln, dem mit rund 32 Milliarden Euro Umsatz größten Bereich, global die Nummer drei.

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