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Aufsichtsratsvorsitzender erhebt schwere Vorwürfe gegen frühere Vorstandschefs: Schlammschlacht bei Stada-Versammlung

Von Dass das Verhältnis zwischen Stada-Aufsichtsratschef Oetker und Ex-Vorstandschef Wiedenfels mit unterkühlt noch warmherzig um schrieben ist, ist ein offenes Geheimnis. Aber dass Oetker die gestrige Hauptversammlung nutzen würde, um nicht nur gegen den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Retzlaff, sondern auch gegen Wiedenfels und dessen ebenfalls geschassten Finanzvorstand Kraft nachzutreten, hatte kein Aktionär erwartet.
Stada-Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker zusammen mit Engelbert Coster Tjeenk Willink, dem Oetker für ein halbes Jahr an der Vorstandsspitze ein Gehalt von zwei Millionen Euro bewilligt hat. Stada-Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker zusammen mit Engelbert Coster Tjeenk Willink, dem Oetker für ein halbes Jahr an der Vorstandsspitze ein Gehalt von zwei Millionen Euro bewilligt hat.
Frankfurt. 

Was haben die neuen Stada-Eigentümer Bain Capital und Cinven mit dem Unternehmen vor? Wer wird neuer Vorstandsvorsitzender, wenn der jetzige Interimschef Engelbert Coster Tjeenk Willink am Jahresende wieder geht? Und wer wird den Aufsichtsrat führen, nachdem Carl Ferdinand Oetker am 25. September sein Amt niedergelegt hat? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, waren gestern morgen knapp 250 Stada-Aktionäre zur Hauptversammlung des Bad Vilbeler Pharmakonzerns nach Frankfurt gekommen. Aber von denen, die Auskunft darüber hätten geben können, war niemand angereist. Die beiden Fonds Bain Capital und Cinven, die 63,85 Prozent der Unternehmensanteile halten und nun das Sagen haben, scheuen nach wie vor die Öffentlichkeit.

Aufruf zum Protest

Stattdessen erlebten die Aktionäre eine fast beispiellose Schlammschlacht – angezettelt von Oetker, der zwar nicht mehr viel zu melden hat, aber noch viel zu sagen hatte. Viele Beobachter hatten daran gezweifelt, dass der 44-Jährige die Hauptversammlung leiten würde, nachdem er – zusammen mit vier weiteren Aufsichtsratsmitgliedern der Kapitalseite – vergangene Woche seinen Rücktritt angekündigt hatte. Stattdessen nutzte der Sprössling der Bielefelder Unternehmer-Dynastie das Aktionärstreffen, um kräftig gegen Ex-Vorstandschef Matthias Wiedenfels und dessen langjährigen Vorgänger Hartmut Retzlaff nachzutreten: „Ich empfehle den Aktionären, den Herren Retzlaff und Wiedenfels die Entlastung fürs vergangene Jahr zu verweigern“, sagte Oetker völlig überraschend in seinem Eingangsstatement. Auch dem früheren Finanzvorstand Helmut Kraft, der schon unter Retzlaff im Amt war und den Oetker Anfang Juli zusammen mit Wiedenfels geschasst hatte, sollten die Anleger die Entlastung verweigern. Auf der Tagesordnung zur Hauptversammlung hatten dagegen Vorstand und Aufsichtsrat noch eine Entlastung gefordert. Interimschef Willink stellte sich denn auch gegen Oetker und plädierte dafür, die Entscheidung über die Entlastung zu vertagen.

Untersuchungsbericht

Oetker begründete seine geänderte Haltung mit „belastbaren Hinweisen auf schwerwiegende Pflichtverletzungen“ der drei Manager. Diese Hinweise habe im Rahmen von Ermittlungen gegen die drei Vorstände ein umfassender Abschlussbericht geliefert, der seit vergangener Woche vorliege. Nach Aussage Oetkers geht es bei den schwerwiegenden Pflichtverletzungen um Transaktionen in Serbien, Vertriebsgeschäfte in Asien sowie Beraterverträge ohne erkennbare Beratungsleistungen für Stada. „In einem Fall ist der Aufsichtsrat sogar über die Leistungserbringung getäuscht worden“, beklagte Oetker. Teils hätten die Pflichtverletzungen zu signifikanten Schäden geführt. „Diese Hinweise haben die Grundlage für die Zusammenarbeit mit den Herren Wiedenfels und Kraft zerstört. Daher sind sie im Juli abgetreten.“ Mit seinem Vorstoß sende der Aufsichtsrat einstimmig das Signal, „dass wir solche Geschäftspraktiken nicht tolerieren können“, so Oetker, dem nachgesagt wird, dass er lange Zeit gegen eine Übernahme der Stada gewesen ist und deshalb auf die Demission Wiedenfels’ hingearbeitet habe. Nach Angaben Oetkers haben externe Rechtsanwälte von Stada Wiedenfels und Kraft zu den Vorwürfen schon befragt. Retzlaff habe Gesprächsangebote abgelehnt.

Rechte an Ladival heimlich verkauft

„Stada? Von denen ist doch das Sonnenschutzmittel Ladival“, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Schließlich wird der Bad Vilbeler Konzern mit keiner anderen Marke so sehr identifiziert wie mit Ladival.

clearing

Sowohl Wiedenfels als auch Retzlaff setzten sich allerdings zur Wehr: Wiedenfels ließ mitteilen, der Aufsichtsrat habe ihm noch bis vor wenigen Tagen Vorschläge zur Beendigung seiner Tätigkeit gemacht, die seine Entlastung ausdrücklich beinhalteten. Das habe gerade auch im Hinblick auf die von Oetker genannten und „lange bekannten“ geschäftlichen Themen gegolten. „Diese bieten nach gründlicher Prüfung keinen Anhaltspunkt für Pflichtverletzungen von Herrn Wiedenfels, und solche hat der Aufsichtsrat uns auch bis heute nicht bezeichnet“, betonte dessen Anwalt.

Anwalt droht Oetker

Retzlaffs Rechtsbeistand Franz Enderle trat mehrmals ans Rednerpult, um seinen Mandanten zu entlasten, und drohte Oetker sogar unverhohlen mit einer Anzeige wegen Verleumdung. „Es ist eine glatte Lüge, dass sich mein Mandant geweigert hätte, sich zu den Vorwürfen zu äußern“, so Enderle an die Adresse Oetkers, über den er sagte, er sei „bei der Hauptversammlung vor einem Jahr wie Strandgut an die Aufsichtsratsspitze gespült worden“. Stattdessen habe der externe Anwalt von Stada ihn immer wieder vertröstet, zuletzt auf Anfang September. Am Ende stimmten die Aktionäre mehrheitlich dafür, die Entscheidung über eine Entlastung auf die nächste Hauptversammlung zu vertagen. Zuvor hatten sie Winfried Mathes von der Dekabank lauten Beifall für dessen Rüge gezollt. Mathes: „Wir bekommen von den Stada-Protagonisten eine Daily Soap geliefert, die man mit dem Titel ,Alle zusammen – jeder für sich’ beschreiben könnte.“

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