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Bilanz: Schlechteste Weinernte seit 50 Jahren

Von Die Winzer ernteten weltweit nur historisch niedrige Weinmengen. Die Qualität des Jahrgangs 2017 ist aber hervorragend.
Die deutschen Winzer ernteten dieses Jahr so geringe Mengen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die deutschen Winzer ernteten dieses Jahr so geringe Mengen wie seit vielen Jahren nicht mehr.
Mainz. 

Sorgenfalten bei Weinfans: Das Jahr 2017 geht in die Geschichte der Weinernten als historisch schlechtes Jahr ein – und zwar weltweit. Europa verzeichnet gar die schlechteste Weinernte seit über 50 Jahren, die drei größten Wein produzierenden Länder, Italien, Frankreich und Spanien, fuhren historisch niedrige Erntemengen ein: In Italien waren es 23 Prozent weniger als im Vorjahr, in Frankreich 19 Prozent und in Spanien immerhin noch minus 15 Prozent.

Die weltweite Erntemenge für Weine sank deshalb auf 246,7 Millionen Hektoliter, das waren 8,2 Prozent weniger als 2016 – und vor allem die kleinste Erntemenge seit dem Jahr 1961. Der Grund: „extreme Wetterereignisse“ von Frost bis zu großer Trockenheit, heißt es bei der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV), die auch die Zahlen bekanntgab.

Schädliche Fröste

In Europa waren es vor allem die späten Fröste im Frühjahr, die genau dann zuschlugen, als die Reben bereits die ersten Triebe gebildet hatten. In den deutschen Weinanbaugebieten hatte das zu massiven Schäden von bis zu 80 Prozent in manchen Weinbergen im Rheingau und dem benachbarten Rheinhessen geführt. Es folgte ein warmer, aber sehr feuchter Sommer, der in eine der frühesten Weinlesen aller Zeiten mündete: Bereits Ende September hatten viele Winzer ihre Weinlese beendet – zwei Wochen früher als üblich. Die Qualitäten seien „gut bis sehr gut“, heißt es beim Deutschen Weininstitut (DWI), doch in den Kellern der Winzer kam deutlich weniger an als in den Vorjahren: In manchen Gegenden schädigte noch Hagel die Reben, schließlich mussten die Winzer wegen der Fäulnis ihre Weinberge stark ausdünnen.

Jüngsten Ertragsschätzungen zufolge liegt die Weinernte in Deutschland deshalb 2017 nur bei rund 7,5 Millionen Hektolitern, ein Minus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Europaweit geht man dem DWI zufolge von rund 146 Millionen Hektolitern aus.

Im Westen Deutschlands traf es dabei besonders stark die Regionen Mosel und Ahr, hier gingen die Erntemengen um 15 Prozent und 23 Prozent im Vergleich zu 2016 zurück – für die Mosel bedeutete das ein Viertel weniger Wein im Vergleich zum langjährigen Mittelwert. Im Rheingau fiel die Erntemenge auf 180 000 Hektoliter, das waren zehn Prozent weniger als im Vorjahr und 18 Prozent weniger als im langjährigen Mittel. An der Hessischen Bergstraße landeten gar nur 25 000 Hektoliter in den Fässern, das waren 19 Prozent weniger als im Jahr zuvor und 17 Prozent weniger als im langjährigen Mittel. Im größten Weinanbaugebiet Rheinhessen wurden nur rund zwei Millionen Hektoliter Wein geerntet, 20 Prozent weniger.

Für die Winzer bedeutet das nicht nur kurzfristige Absatzeinbußen: Wer Händler und Exporteure aufgrund fehlender Mengen nicht mehr bedienen kann, wird schnell „ausgelistet“ – deutsche Winzer fürchten, damit weitere Marktanteile im Ausland zu verlieren.

Zumal Weinanbaugebiete in Übersee zum Teil üppige Zuwachsraten vermelden: Australien steigerte seine Produktion um sechs Prozent auf 13,8 Millionen Hektoliter, in Südafrika wurden zwei Prozent mehr Wein geerntet (10,8 Millionen Hektoliter) und in Argentinien waren es gar 25 Prozent mehr mit 11,8 Millionen Hektolitern. Die Konkurrenz wächst – auch aus Osteuropa: Länder wie Rumänien (plus 64 Prozent) und Moldawien (plus 20 Prozent), aber auch der Nachbar Österreich (plus 23 Prozent) legten deutlich zu.

Steigende Preise

In Deutschland prophezeien Experten denn auch steigende Preise für die Flasche Wein. Einziges Trostpflaster: Was in die Keller eingebracht wurde, sei von hervorragender Qualität, heißt es etwa in Rheinhessen: Die Trauben lieferten mit einem schönen Aroma und einer optimalen Balance zwischen Mostgewicht und Säure eine gute Basis für Spitzenqualitäten.

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