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Automarkt: Schwere Rückschläge für Opel

Von Die Talfahrt von Opel hat sich weiter beschleunigt. Der Rüsselsheimer Autobauer verliert europaweit Marktanteile und fährt selbst auf seinem Heimatmarkt der Konkurrenz hinterher. Der Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer skizziert ein düsteres Zukunftsszenario für die Marke aus Hessen.
Endkontrolle für Opels Top-Modell Insignia im Stammwerk Rüsselsheim. Die Verkaufszahlen lassen zu wünschen übrig. Foto: Alexander Heimann (Vollformat) Endkontrolle für Opels Top-Modell Insignia im Stammwerk Rüsselsheim. Die Verkaufszahlen lassen zu wünschen übrig.
Frankfurt. 

Die Lage bei Opel ist brenzlig. Der Konflikt zwischen Management und Arbeitnehmervertretern über die Einhaltung tariflicher Gehaltszusagen und den durch attraktive Abfindungsprogramme eingeleiteten „Massenexodus“ von jüngeren Facharbeitern bremst das eingeleitete Sanierungsprogramm. Die Stimmung an den deutschen Standorten Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern scheint vergiftet. Das Arbeitsklima leidet schwer darunter, wie Mitarbeiter immer wieder berichten.

Auch mit der Kündigung sämtlicher Händlerverträge hat sich Opel keinen Gefallen getan. „Die Motivation nach einer Kündigung, mehr zu verkaufen geht gegen null“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Die Quittung für Opel folgt auf dem Fuß: In Europa und auch auf dem Heimatmarkt verliert die Marke mit dem Blitz-Logo rasant Marktanteile. Europaweit ist der Anteil von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall in den ersten drei Monaten des Jahres von 6,5 auf 5,8 Prozent abgerutscht. Damit dreht sich der hoffnungsvolle Trend der zurückliegenden Jahre ins Gegenteil um.

Ernüchterung

Auch die Deutschland-Zahlen sind ernüchternd: Im Monat April fuhr Opel mit seinen Astras, Corsas und Mokkas der Konkurrenz hinterher. Während der gesamte Markt um satte acht Prozent zulegen konnte, setzten die Rüsselsheimer nur gut drei Prozent mehr Neufahrzeuge ab. Unterm Strich ist damit der Marktanteil in der Heimat auf 6,4 Prozent geschrumpft. Im laufenden Jahr verzeichnet Opel rund 77 700 Neuzulassungen hierzulande. Das sind fast sechs Prozent weniger als vor Jahresfrist. Insgesamt ist der heimische Markt in den vier Monaten von Januar bis April aber um fünf Prozent gewachsen.

 

Dabei war die Ausgangssituation für die Sanierung von Opel/Vauxhall durch den neuen Eigentümer, den französischen PSA-Konzern mit den Marken Peugeot, Citroën und DS, ursprünglich recht günstig. Der europäische Markt wuchs und gab der Marke Rückenwind. Allerdings zeigt sich nach und nach, dass Opel die positive Entwicklung nicht nutzen konnte und inzwischen auf die Verliererstraße geraten ist.

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen kommt zu dem Schluss: „PSA-Chef Tavares macht scheinbar den Fehler, dass er zu viele Dinge zu schnell ändert und damit im Vertrieb eine gefährlich Abwärtsspirale in Gang gesetzt hat.“ Neue Produkte, die mehr Schwung in den Verkauf bringen könnten, seien in den kommenden 18 Monaten nicht in Sicht. Wichtige Imageträger wie der Opel Adam sollen mittelfristig auslaufen, Nachfolger nicht geplant. „Im Gegenzug sind Wettbewerber wie etwa Ford in ein paar Wochen mit dem neuen Focus im Markt, der Fiesta ist seit letztem Jahr neu im Markt und Opel muss bis mindestens 2019 auf den Corsa-Nachfolger warten“, beschreibt Dudenhöffer die prekäre Lage. Verlorene Marktanteile und Verkäufe seien im hart umkämpften europäischen Automarkt nicht über Nacht wieder aufzuholen. Da 2020 Gewinne geschrieben werden sollen, steige der Druck zum Abbau auf die Überkapazitäten und Beschäftigten, so das Fazit des Duisburger Professors. Und: „In so einer Situation ist es leicht möglich, dass ein Abwärtsspirale in Gang gesetzt wird und die beiden deutsche Opel-Werke Eisenach und Kaiserslautern in eine äußerst bedrohliche Lage kommen.“

Audi muss Federn lassen

Die großen Gewinner auf dem deutschen Markt im April sind der wiedererstarkte Marktführer Volkswagen, deren Tochtermarken Skoda und Seat sowie Ford und Toyota. Auch Peugeot hat mit einem Verkaufsplus von knapp 28 Prozent kräftig zugelegt.

Mercedes als Nummer zwei ist im Gleichschritt mit dem Gesamtmarkt gewachsen. Die Konkurrenz im Premium-Segment musste etwas Federn lassen: Während BMW nur unterdurchschnittlich zulegte, knickten die Verkäufe von Audi sogar leicht ein.

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