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Deutlich weniger Umsatz auf Auktionen: Schwieriges Jahr für Kunstmarkt

Von Ende April findet die wichtigste deutsche Kunstmesse statt. Wie laufen die Geschäfte auf dem Kunstmarkt – und was sind die wichtigsten Märkte? Studien geben – teils überraschende – Auskünfte.
Auch die Global Player unter den Galeristen kommen zur Kunstmesse nach Köln: hier der Stand von Thaddaeus Ropac (Salzburg/Paris). Bilder > Foto: Thomas Klerx Auch die Global Player unter den Galeristen kommen zur Kunstmesse nach Köln: hier der Stand von Thaddaeus Ropac (Salzburg/Paris).
Frankfurt. 

Geschäfte auf dem Kunstmarkt werden seit jeher etwas diskreter abgewickelt als solche an der Börse oder in der Industrie. Zahlen zur Branche waren daher stets Mangelware, die Schätzungen höchst ungenau. Bis sich die Antiquitätenmesse TEFAF im niederländischen Maastricht der Sache annahm und jährlich eine detaillierte Studie veröffentlichte. Kürzlich ist die Autorin dieser Studie – Clare McAndrew, Gründerin von „Arts Economics“ – zur Schweizer Kunstmesse Art Basel gewechselt; die TEFAF wiederum lässt ihren Report von Rachel Pownall, Professorin an der Universität Maastricht, fortführen. So wurden nun im März gleich zwei Zahlenwerke veröffentlicht.

Als weltweiten Umsatz gibt der Kunstmarkt-Report aus Basel 56,6 Milliarden Dollar an (minus elf Prozent gegenüber dem Vorjahr). Dagegen kommt die Studie aus Maastricht unter der neuen Verfasserin nun auf nur noch 45 Milliarden Dollar, was aber ein Plus von 1,7 Prozent sein soll. Die unterschiedlichen Zahlen erklären sich teilweise aus Abgrenzungsproblemen, also ob beispielsweise Kunsthandwerk oder Design einbezogen werden oder nicht.

Deutlich geschwächelt haben im Vorjahr die Auktionen, wo die Umsätze vor allem in den USA einbrachen. Dadurch sank der Anteil von Versteigerungen am Kunstmarkt auf 43 Prozent (laut Basel-Studie) bzw. 38 Prozent (laut Maastricht). Die hohen Summen erklären sich durch die zweistelligen Millionenbeträge, die Superreiche bei den Vorzeige-Auktionen in New York oder London für Gemälde berappen. Galerien kamen nun auf 57 bzw. 63 Prozent Marktanteil, wobei sie wiederum fast die Hälfte ihrer Umsätze auf Kunstmessen machten. McAndrew spricht von einem „herausfordernden Jahr für den Kunstmarkt“, wobei das Wachstum bei den Geschäften der Galerien den Rückgang bei den Auktionen teilweise kompensiert habe.

USA weit vorn

Als wichtigsten Markt global sehen beide Reports die USA. Dort wurden 40 Prozent (Basel) bzw. 30 Prozent (Maastricht) aller Umsätze erzielt. Großbritannien kam auf 21 bzw. 24 Prozent und China auf 20 bzw. 18 Prozent Marktanteil. Die EU erreichte ohne Großbritannien 13 Prozent, wobei Frankreich den Löwenanteil beisteuerte; Deutschland trug zum Weltmarkt lediglich knapp zwei Prozent bei.

Die Schweiz spielt ungeachtet der Art Basel ebenfalls keine Rolle, auch die Niederlande (wo die Maastrichter TEFAF stattfindet) und Italien rangieren unter „ferner liefen“. In den vergangenen Jahren hat Europa (samt London) übrigens laut des Basel-Reports stark an Bedeutung verloren, seit 2008 sind hier die Umsätze um die Hälfte gesunken. Laut Maastricht-Report hingegen kam Europa immer noch auf 45 Prozent Marktanteil (also auf elf Prozentpunkte mehr als in der Konkurrenzstudie), ganz Asien inklusive China auf 24 Prozent.

In Deutschland ist Berlin der klare Top-Standort, wo fast alle der wichtigsten Galerien ihren Sitz haben. Auch die meisten deutschen Teilnehmer der Art Basel, der weltweit wichtigsten Kunstmesse alljährlich im Juni, haben ihren Sitz (oder zumindest einen ihrer Sitze) in der Hauptstadt; einige weitere Teilnehmer kommen aus München, während Frankfurt, Hamburg oder Düsseldorf nur noch mit einzelnen Ausstellern vertreten sind. Im Fall Frankfurt ist das die Galerie Bärbel Grässlin.

Vor der Art Cologne

Auf der Art Cologne, der Ende April startenden, wichtigsten deutschen Kunstmesse, ist dagegen auch das mittlere Marktsegment vertreten. Aus Frankfurt mit dabei sind neben Bärbel Grässlin (die Werke von Städelschulprofessor Tobias Rehberger, Andreas Slominski und Herbert Brandl zeigt) die Galerien Jacky Strenz (Malerei von Max Brand und Fotografie von Arne Schmitt in einer Förderkoje), Wilma Tolksdorf (Katharina Sieverding), Philipp Pflug (Bettina von Arnim) und Parisa Kind (Mike Bouchet und Paul McCarthy) sowie der auf Expressionisten spezialisierte Kunsthandel Hagemeier.

Werke Frankfurter Künstler sind natürlich auch anderswo in Köln zu sehen: Daniel Buchholz (Köln/Berlin) beispielsweise wird eine Installation der Städelschulabsolventin Anne Imhof zeigen, die Deutschland auch auf der diesjährigen Biennale in Venedig vertritt.

Indes sieht sich der Veranstalter der Schau, die „koelnmesse“, einer Attacke der Schweizer Konkurrenz ausgesetzt: Art-Basel-Veranstalter MCH hat sich mit 25,1 Prozent an der neuen Art Düsseldorf beteiligt; MCH richtet bereits wichtige Kunstmessen in Miami und Hongkong aus und hat offenbar auch in Deutschland ehrgeizige Ziele. Die Art Cologne wiederum hat sich mit der Berliner Galeristen-Ausstellung abc zusammengetan und will schon deren nächste Ausgabe im September durch eine neue Kunstmesse, die Art Berlin, ersetzen. In Deutschland gibt es noch eine weitere Kunstmesse in Karlsruhe, die Frankfurter ist schon vor Jahren eingegangen.

Die Situation in Hessen

Die HessenAgentur beziffert in ihrem „Datenreport Kultur- und Kreativwirtschaft in Hessen 2016“ den Umsatz auf dem hessischen Kunstmarkt auf rund 130 Millionen Euro (Stand 2014), sie zählt knapp 700 Unternehmen der Branche im Lande mit gut 300 sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern sowie knapp 4100 freiberufliche Künstler. Im Zeitraum 2010 bis 2014 habe es Umsatzverluste von 13 Prozent gegeben, die Anzahl der Unternehmen sei um 36 Prozent gesunken.

Und die Preisentwicklung? Beide Reports verzeichnen einen Rückgang der Preise von Kunstwerken, der sich allerdings allein durch die Auktionen erklärt. Doch fehlt für eine valide Statistik die Vergleichbarkeit der Ware (die ja eben nicht standardisiert ausfällt). Nach Einschätzung von Experten waren die geringeren Preise im Vorjahr eher auf ein qualitativ weniger gutes Angebot zurückzuführen denn auf die niedrigere Anzahl der auf Versteigerungen zum Kauf angebotenen Werke.

Lediglich sieben Gemälde, an der Spitze der „Heuschober“ von Claude Monet, erzielten 2016 Preise von mehr als 50 Millionen Dollar. Gewinner waren zuletzt die Alten Meister, auf Kosten von Impressionisten und moderner Kunst um 1900.

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