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"Sonnenkönig" Asbeck stürzt ab: Siechtum von Solarworld findet ein Ende

Solarworld war einst das Vorzeigeunternehmen der deutschen Solarbranche – bis die Billigkonkurrenz aus Asien den Bonnern hohe Verluste brachte. 2013/14 konnte Firmenchef Asbeck eine Insolvenz noch mal abwenden. Jetzt geht es nicht mehr weiter.
Frank Asbeck gehören noch 21 Prozent an Solarworld. Foto: Oliver Berg (dpa) Frank Asbeck gehören noch 21 Prozent an Solarworld.
Bonn. 

Jahrelang hat Solarworld-Chef Frank Asbeck gegen hohe Schulden, Millionenverluste und die Billigpreise der asiatischen Rivalen gekämpft. Nun gibt er auf. Am Donnerstag stellte der Chef von Deutschlands größter Solarfirma mit knapp 3300 Beschäftigten einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bonn. Er gilt für den Mutterkonzern, entsprechende Schritte sollen auch für die Töchter geprüft werden. Die Aktie brach um 75 Prozent auf 87 Cent ein.

Das einstige Musterunternehmen der Energiewende, das in guten Zeiten 2008 sogar schon mal den Autobauer Opel kaufen wollte, ist am Ende. Solarworld sieht sich als Opfer des weltweiten Preissturzes bei Solarmodulen durch Dumping-Angebote vor allem chinesischer Hersteller. Enorme Überkapazitäten – gestützt von Staatsbanken in China – hätten die Preise irrational gedrückt, erklärte der Branchenverband EU Solar, in dem Solarworld eine wichtige Rolle spielt. Seit Mitte 2016 habe sich dieser Druck nochmals erhöht.

Dagegen hätten massive Senkungen der Solarworld-Produktionskosten in den vergangenen fünf Jahren und die Innovationen des Unternehmens am Ende nicht bestehen können – „ein bitterer Schritt“, so Asbeck in einer Mitteilung. Heute will der Firmenchef in einer Betriebsversammlung auch vor die Mitarbeiter treten.

Zwar gibt es EU-Schutzzölle gegen Dumping-Angebote aus China. Diese werden aber vielfach unterlaufen. Entweder schlicht durch illegalen Handel, wie Solarworld kritisiert, oder eleganter dadurch, dass die großen chinesischen Hersteller längst Fabriken in anderen asiatischen Ländern wie Vietnam oder Thailand aufgebaut haben.

Unter dem Druck der 2016 noch einmal gefallenen Weltmarktpreise hätten Solarworld-Kunden Bestellungen storniert oder Preise nachverhandeln wollen, hieß es aus der Branche. Damit seien die Absatzpläne der Bonner geplatzt. Sie hätten deshalb reagieren müssen. Das Unternehmen muss 2019 rund 350 Millionen Euro für Anleihen und Darlehen zurückzahlen. Eine Refinanzierung über die Banken hängt aber von einer positiven Prognose für den Absatz ab.

Hausgemachte Fehler

Fachleute sehen neben der Asien-Konkurrenz jedoch auch hausgemachte Fehler bei Solarworld. Das Unternehmen habe zu spät – nämlich erst zu Beginn dieses Jahres – mit einem Sparprogramm auf die schrumpfenden Erträge reagiert. Da fehlte aber bereits das nötige Geld für einen Umbau: Ende 2016 lag das Eigenkapital der Konzernmutter nur noch bei 2,6 Millionen Euro. Außerdem habe Solarworld geschäftliche Chancen wie die Solarenergie-Beratung mit eigenen Beschäftigten oder das Geschäft mit Speicherbatterien liegen lassen.

Die Pleite ist der Endpunkt eines langen Siechtums. Sechs Jahre in Folge – seit 2011 – hatte Solarworld real rote Zahlen erwirtschaftet. Schon 2012 rutschte das Eigenkapital nach Rekordverlusten von mehr als 600 Millionen Euro in den Minusbereich. Der findige Geschäftsmann Asbeck, zu dessen Stärken immer die Überzeugungskraft im direkten Kontakt gezählt hat, wusste seine Firma aber zunächst trotz hoher Schulden zu retten. Er brachte einen Schuldenschnitt durch, bei dem die Gläubiger auf 60 Prozent ihres Geldes im Tausch gegen Aktien verzichteten.

Die Anteilseigner mussten 95 Prozent des Aktienwertes abschreiben. Zugleich brachte ein Investor aus Katar neues Geld, und Solarworld übernahm Anfang 2014 von Bosch die Solarfertigung in Arnstadt einschließlich der Mitarbeiter und kassierte dafür 130 Millionen Euro. Danach hatte Asbeck die Zukunft wieder optimistischer gesehen und die ersten Gewinne für 2019 in Aussicht gestellt.

Diese Hoffnung hat sich vorerst zerschlagen. Betroffen sein dürften vor allem die etwa 2600 Beschäftigten in Deutschland – davon rund 1200 in Freiberg (Sachsen) und 800 in Arnstadt (Thüringen) sowie die Mitarbeiter in der Bonner Firmenzentrale.

(dpa)
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