Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 23°C
1 Kommentar

Konzern soll ins Internet-Zeitalter reisen: Smartphone statt Fahrkarte: Deutsche Bahn bald ohne Tickets?

Von Der neue Chef der Deutschen Bahn kündigt das Ende der klassischen Fahrkarte an. Bisher fiel der Staatskonzern nicht als digitaler Vorreiter auf.
Ein Mann hält am 06.02.2017 in Frankfurt (Hessen) sein Smartphone, auf dessen Bildschirm ein sogenanntes Handy-Ticket zu sehen ist. Foto: Roland Holschneider (dpa) Ein Mann hält am 06.02.2017 in Frankfurt (Hessen) sein Smartphone, auf dessen Bildschirm ein sogenanntes Handy-Ticket zu sehen ist.
Berlin. 

Bei der Lufthansa muss der Passagier schon lange kein Ticket mehr ausdrucken. Wer im Internet bucht, kann mit seiner Vielfliegerkarte am Flughafen papierlos einchecken. Die Deutsche Bahn war dagegen lange Zeit steckengeblieben im vordigitalen Dinosaurier-Zeitalter. Der Kunde musste das Ticket selbst ausdrucken (und zwar exakt im DIN-A4-Format, nicht geknickt) und mitbringen – und dazu die Identifizierungskarte, die er bei der Buchung angekreuzt hatte. Das führte bei der Kontrolle im Zug täglich zu Problemen: Mal fehlte die BahnCard, mal die entsprechende Kreditkarte. Die Schaffner reagierten nicht etwa mit Kulanz, es gab auch keine Möglichkeit, den Nachweis später zu erbringen – wer etwas vergessen hatte, musste erneut zahlen. Wenn man nicht genug Geld dabei hatte, wurde man im Gegenzug für die Bezahlung auf Rechnung gnadenlos abkassiert („Erhöhtes Beförderungsentgelt“).

Der neue Bahnchef Richard Lutz will die Bahn ins digitale Zeitalter führen. Bild-Zoom Foto: JOHN MACDOUGALL (AFP)
Der neue Bahnchef Richard Lutz will die Bahn ins digitale Zeitalter führen.

Und als es die Fahrgäste endlich kapiert hatten, ließ sich die Bahn flugs etwas Neues einfallen: Seit kurzem muss man nicht mehr BahnCard oder Kreditkarte dabeihaben, sondern den Personalausweis. Wäre ja noch schöner, wenn Extra-Umsätze ausbleiben, nur weil Kunden sich als lernfähig erweisen.

Doch nun kündigt der neue Bahnchef den direkten Sprung aus dem Dinosaurier-Zeitalter in die digitale Zukunft an. Künftig soll das Bahnfahren sogar ganz ohne klassische Fahrkarte möglich sein. „Der Zug kann dann über das Handy eines Passagiers erkennen, dass er eingestiegen ist“, sagte Bahnchef Richard Lutz der „Bild am Sonntag“. „Je nachdem, wo er aussteigt, wird die Fahrt automatisch abgerechnet werden.“ Die nötige WLAN-Infrastruktur existiere bereits, sagt Lutz – wobei ihm anspruchsvollere Passagiere, die auch mal einen Film streamen wollen oder ohne Aussetzer arbeiten müssen, da nicht unbedingt recht geben dürften.

Immerhin gesteht Lutz zu: Beim digitalen Ticketing sei die Bahn noch im Versuchsstadium. „Aber ich glaube, dass diese Entwicklung in den nächsten Jahren Stück für Stück kommen wird“, sagte Lutz. Künftig werde man „kein Ticket mehr für die Bahn brauchen“.

Dummerweise ist der Bahn am Freitagabend ein dummer Zwischenfall passiert, der ihre Digitalkompetenz nicht im besten Licht dastehen lässt. Der weltweite Hackerangriff traf Institutionen und Firmen, die bei ihren Windows-Updates geschlampt hatten. Darunter war auch die Deutsche Bahn, es fielen digitale Anzeigetafeln sowie vereinzelt Ticketautomaten aus. Zwar beteuert Lutz, das Unternehmen sei auf solche Bedrohungen vorbereitet: „Die Sicherheit des Bahnverkehrs war zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.“ Es gebe schon seit längerem ein Cyber-Security-Team sowie Systeme zur Früherkennung.

Darüber hinaus kündigte er eine ganz analoge Sicherheitsoffensive an. „Wir bauen die Videoüberwachung an unseren Bahnhöfen massiv aus“, sagte Lutz. „Bis Ende 2017 werden wir zusätzlich zu dem bereits geplanten Etat weitere zehn Millionen Euro investieren, um mehr als 1000 Bahnhöfe mit 7000 zusätzlichen Kameras auszustatten.“ 40 Bahnhöfe, darunter neun in Berlin sowie die Hauptbahnhöfe von Düsseldorf, Essen, Hamburg und Dortmund, würden noch 2017 mit neuester Videotechnik ausgestattet oder modernisiert.

In den ersten vier Monaten des Jahres ist die Bahn laut ihrer eigenen Statistik pünktlicher geworden. Der Bahnchef sagte, derzeit seien 83 Prozent der Züge im Fernverkehr pünktlich, 2016 seien es nur 79 Prozent gewesen. Auch bei der Anschlusspünktlichkeit habe sich die Bahn verbessert. „Über 90 Prozent unserer Kunden erreichen ihre Anschlüsse.“ Im Nahverkehr liegt die Pünktlichkeit angeblich sogar bei 95,3 Prozent. Aber der Satz „Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe“ stammt ja auch nicht vom englischen Premier Winston Churchill, sondern wurde ihm von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in die Schuhe geschoben.

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse