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DZ Bank: So resümiert der scheidende Chef der DZ-Bank-Gruppe

Von Trotz diverser Baustellen schafft die DZ-Bank-Gruppe einen Milliardengewinn. Dem größten Problemfall droht die Zerschlagung.
Wolfgang Kirsch hört Ende 2018 als Chef der DZ Bank auf. Foto: Arne Dedert (dpa) Wolfgang Kirsch hört Ende 2018 als Chef der DZ Bank auf.
Frankfurt. 

DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch hat seine Nachfolge geregelt und kann zufrieden konstatieren, „dass das für mich die zwölfte Bilanzpressekonferenz in Folge ist – das muss man erst mal hinkriegen“. Neben ihm sitzen der frühere Präsident des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, und Finanzvorstand Cornelius Riese, die vom 1. Januar 2019 an als Doppelspitze seine Nachfolge antreten werden. Kirsch: „Es zeichnet sich in dieser Konstellation schon die Zukunft ab.“ Zudem rückt ab September auch eine Frau in den Vorstand: Ulrike Brouzi von der NordLB wird Finanzchefin.

Im Rückblick auf Kirschs Amtszeit fällt mehrmals das Wort „stolz“: „Wir haben die vergangenen Jahre dazu genutzt, die DZ-Bank-Gruppe als eine der stabilsten und ertragsstärksten Bankengruppen Europas zu etablieren“, hebt der Vorstandschef hervor: „Wir haben zusammengehalten und die richtigen Entscheidungen getroffen.“ Er hatte die Bank durch die schwierigen Jahre nach der Fusion der Vorgängerinstitute geführt, die Auswirkungen von Finanz- und Euroschuldenkrise gemeistert und – nach mehrmaligem Scheitern – mit der Fusion mit der WGZ-Bank Mitte 2016 doch noch den Schritt zum bundesweiten Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken geschafft. Die Nähe zu den Primärbanken – also den Volks- und Raiffeisenbanken vor Ort – sei heute eine andere als zu Beginn seiner Amtszeit, hebt Kirsch hervor, muss aber eingestehen: „Sie sind nie fertig.“

Problemfall DVB

Ein Problemfall überschattet das Ende seiner Amtszeit: Die Krise in der Schifffahrt reißt den Transportfinanzierer der DZ-Bank-Gruppe, die DVB Bank, immer tiefer in die Verlustzone – und belastet auch den Gewinn der gesamten Gruppe spürbar. Wegen nochmals erhöhter Risikovorsorge für Schiffe und Offshore stieg der Vorsteuer-Verlust der DVB von 278 auf 774 Millionen Euro. Nun droht ihr die Zerschlagung. Er sehe einen Verkauf der DVB als Ganzes skeptisch, so Kirsch, sei aber zuversichtlich, dass man Käufer für wesentliche Teile der DVB finden werde, sagte Kirsch: „Wir haben schon ein gutes Feedback für bestimmte Portfolien und Teilbereiche.“ Finanzchef Riese schloss Notverkäufe aus, der Abbau werde eine Weile dauern: „Niemand von uns ist so naiv zu glauben, dass das Thema DVB zum Jahresende gelöst ist.“

Wegen der DVB-Probleme sank der Vorsteuer-Gewinn der Gruppe von 2,2 auf 1,8 Milliarden Euro. Dazu steuerte das Spitzeninstitut von knapp 1000 deutschen Volks- und Raiffeisenbanken 752 Millionen bei, der Rest stammte von Töchtern: 795 Millionen von der R+V Versicherung, 610 Millionen von der Fondsgesellschaft Union Investment, 504 Millionen vom Immobilienfinanzierer DG Hyp. Trotz des Rückgangs ist die DZ Bank aber deutlich profitabler als die anderen großen Privatbanken in Deutschland. Dennoch will der scheidende Vorstandschef die DZ Bank „noch schlagkräftiger“ machen und die Kosten noch stärker in den Blick nehmen. Beispielsweise stellte Kirsch die Frage, wie viele Steuerabteilungen es in einem Konzern brauche. Die Gruppe soll nach 2020 zu einer Holding umgebaut werden, so dass Bank und Töchter klarer getrennt und transparenter aufgestellt werden. Für das laufende Jahr geht Kirsch von einem erneuten Gewinnrückgang auf gut 1,5 Milliarden Euro aus.

Die Integration nach der Fusion sei im Dezember 2017 und damit früher als geplant abgeschlossen worden. Im Zuge des Zusammenschlusses sollen 700 Stellen wegfallen, 60 Prozent davon in Frankfurt; 400 Arbeitsplätze sind bereits abgebaut. Insgesamt beschäftigt die Gruppe noch rund 30 000 Mitarbeiter.

Kirsch warnte vor einer Vereinheitlichung der Einlagensicherung in Europa: „Ich sehe beim besten Willen nicht, dass wir in der Frage der faulen Kredite – gerade mit Blick gen Süden – besonders weit gekommen wären.“ Zudem wiederholte er seine Kritik an „zahlreichen regulatorischen Neuerungen, die teilweise Auswirkungen zeitigten, die wohl kaum im Sinne des Erfinders sein können“. Sein Appell: „Wir müssen nicht den Regulierer, sondern den Kunden glücklich machen – da sollten wir wieder die richtige Balance finden.“

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