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Bundeslandwirtschaftsminister (CSU) stellt Pläne auf Grüner Woche in Berlin vor: Staatliches Siegel für mehr Tierwohl

Von Auf Lebensmittel-Verpackungen gibt es schon diverse Siegel. Nun bereitet die Bundesregierung ein offizielles für bessere Tierhaltung vor. Die Erwartungen sind hoch, es gibt aber auch Kritik.
Ein Label soll Verbrauchern künftig zeigen, unter welchen Haltungsbedingungen die Tiere gelebt haben. Foto: Rainer Jensen (dpa) Ein Label soll Verbrauchern künftig zeigen, unter welchen Haltungsbedingungen die Tiere gelebt haben.
Frankfurt/Berlin. 

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will spätestens 2018 ein staatliches Siegel für mehr Tierwohl einführen. Auf der Grünen Woche in Berlin, die in der kommenden Woche startet, will er das Label offiziell vorstellen. Damit soll künftig Fleisch von Tieren gekennzeichnet werden, deren Haltungsbedingungen über den gesetzlichen Standards liegen. Schmidt schwebt derzeit allerdings nur eine freiwillige Kennzeichnung vor.

Vorbild könnte trotzdem die Pflichtkennzeichnung bei Eiern sein. Diese müssen seit 2005 als aus Öko-, Freiland-, Boden- oder Käfighaltung stammend ausgewiesen werden. Auch für Fleisch könnten diese vier Stufen gelten. Die Grundstufe wäre Haltung nach gesetzlichen Standards – danach käme eine bessere Unterbringung, etwa mit 30 Prozent mehr Platz im Stall. Zwei weitere Stufen könnten Fleisch von Tieren mit Außenauslauf sowie Ökohaltung kennzeichnen.

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Kommentar: Zu kurz gesprungen

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat eine Vision. Ab 2018 will er nach und nach das Fleisch in Deutschland mit einem staatlichen Tierwohl-Label versehen, das nach seinen Wünschen die Haltung der Tiere verbessert.

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Schmidts Angaben zufolge soll das Siegel zuerst für Schweine und Mastgeflügel eingeführt werden: „Wir wollen mit dem Label in die Breite der Tierhaltung wirken und ein Angebot für möglichst viele Verbraucher schaffen“, sagt er. Bei dem Siegel handele es sich aber nicht um ein „Premium-Luxus-Label“.

Großer Schritt nach vorne

In der Branche stieß die Ankündigung eines neuen staatlichen Siegels auf ein geteiltes Echo. Die Verbraucherzentralen erhoffen sich von dem geplanten Label für Fleisch im Supermarkt eine vertrauenswürdige Orientierung für die Kunden. „Das wäre ein großer Schritt nach vorne für mehr Wahrheit und Klarheit“, sagt Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Der Vorsitzende der Länder-Agrarminister, Niedersachsens Ressortchef Christian Meyer (Grüne), fordert eine verpflichtende statt nur eine freiwillige Kennzeichnung: „Für die Kunden macht nur eine für alle Marktteilnehmer verpflichtende und einfache Kennzeichnung Sinn.“

Info: Schaufenster der Branche

Bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin präsentieren sich immer zu Jahresbeginn die Land- und Ernährungswirtschaft sowie der Gartenbau.

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Bauernpräsident Joachim Rukwied sagt, wenn nun ein weiteres Tierschutzprogramm auf den Weg gebracht werde, „dann unterstützen wir das und hoffen, dass es eine bessere Marktdurchdringung bekommt als andere Siegel.“ Denn Schmidts neues Siegel ist nicht die erste Kennzeichnung, mit der man den Kunden in den vergangenen Jahrzehnten eine bessere Orientierung bieten wollte.

„Es gab schon einmal ein solches Siegel. Dieses hat allerdings nicht funktioniert“, sagt Gero Jentzsch vom Deutschen Fleischer-Verband. Die Kennzeichnung sei von der Privatwirtschaft finanziert worden. Allerdings standen nicht genug Mittel zur Verfügung, um alle Bauern zu fördern, die dieses Siegel einführen wollten. „Ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg der Kennzeichnung ist die Finanzierung“, sagt Jentzsch. Der Fleischer-Verband stehe Maßnahmen im Sinne des Tierwohls immer positiv gegenüber. „Doch alle Bauern, die teilnehmen wollen, müssen auch die Möglichkeit dazu haben“, sagt Jentzsch.

Deshalb spricht sich der Fleischer-Verband auch für eine flächendeckende Einführung aus. „Die Voraussetzungen dafür kann der Gesetzgeber schaffen.“ Dann liege es am Verbraucher, ob er mehr Geld im Sinne des Tierwohls ausgeben möchte. „Eine Kennzeichnung kann einen positiven Effekt darauf haben.“

Nicht zielführend

Kritik kommt von der Verbraucherorganisation foodwatch: „Das von der Bundesregierung angekündigte staatliche Tierwohl-Siegel ist in jeder Hinsicht inakzeptabel, weil es nicht geeignet ist, die Misere der Nutztiere zu beenden“, sagt Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer der Verbraucherorganisation. Der Vorschlag des Bundesagrarministers sei ein weiterer „Marketing-Gag“, der die allermeisten Nutztiere auch in Zukunft nicht vor vermeidbaren Krankheiten schützen werde. Der Staat dürfe Tierschutz nicht von der Zahlungsbereitschaft der Verbraucher abhängig machen. Auch eine verpflichtende Kennzeichnung hält Wolfschmidt nicht für zielführend: „Die Lage der Nutztiere verlangt einen systematischen Ansatz, der es allen Tierhaltern gleichermaßen finanziell ermöglicht und diese auch dazu zwingt, die Tiere konsequent tierschutzgerecht zu halten.“

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