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Übernahme des Pharma-Konzerns: Stada-Chef verabreicht Beruhigungspillen

Von Die Gewerkschaft glaubt nicht daran, dass sich die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven an die Schutzbestimmungen für die Stada-Beschäftigten halten werden, zu denen sie sich verpflichtet haben. Stada-Vorstandschef Matthias Wiedenfels hält dagegen – und spart dabei nicht mit Selbstlob über den abgeschlossenen Deal.
Matthias Wiedenfels warb gestern für die Übernahme von Stada. Foto: Daniel Reinhardt (dpa) Matthias Wiedenfels warb gestern für die Übernahme von Stada.
Bad Vilbel. 

In der Apotheke sind Stada-Produkte wie die Sonnenschutzcreme Ladival, die Erkältungskapsel Grippostad oder die Salbe Mobilat recht billig zu haben. Doch die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven kommt der Pharma-Konzern richtig teuer: 66 Euro je Aktie legen die beiden Private-Equity-Häuser für jede Stada-Aktie hin, nachdem sie im April den härtesten Bieterkampf, den der deutsche Markt seit langem gesehen hat, für sich entschieden haben. Das entspricht einer Unternehmensbewertung von 5,3 Milliarden Euro. Das ist fast das Dreizehnfache des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda), den Stada im vergangenen Jahr erzielt hat. Und das für einen Hersteller von Nachahmer-Präparaten und rezeptfreien Medikamenten, der keine wertvollen Patente und damit keine große Preismacht hat.

Umso misstrauischer ist die Gewerkschaft IG BCE. „Wie soll sich dieser hohe Preis für die Investoren rechnen?“, fragt sich Alexander Wiesbach, Stada-Betriebsbetreuer bei der IG BCE. Nach früheren Aussagen des Stada-Managements haben die beiden Investoren in einer Vereinbarung umfangreiche Zusagen für Mitarbeiter, Standorte und Unternehmensstrategie gemacht. So bleibe die Unternehmenszentrale in Bad Vilbel bestehen, Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge würden fortgeführt. Zudem habe sich das Konsortium bereit erklärt, abseits des laufenden Umbauprogramms vier Jahre lang keine zusätzlichen betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen, so die Stada-Führung.

Aber das überzeugt Wiesbach nicht: „Die öffentlichen Aussagen zu Tarifbindung oder Arbeitsplätzen sind sehr schwammig, sie enthalten Exit-Formulierungen für den Worst Case“, so Wiesbach. Zudem hieße es bei der Stada, hätten sich Bain und Cinven nur „im Grundsatz zu einem weitgehenden Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für vier Jahre bereiterklärt“.

„Jobs sind nun sicherer“

Viele Stada-Mitarbeiter teilen die Zweifel des Gewerkschafters. Mit entsprechender Verve versuchte gestern Vorstandschef Matthias Wiedenfels diese zu zerstreuen: „Kein anderes Thema hat uns bei den Bieterverhandlungen so stark beschäftigt wie der Schutz der Mitarbeiter“, versicherte der 44-Jährige in einer Telefonkonferenz anlässlich der Vorlage der Quartalszahlen. Darüber habe die Stada-Führung sehr lange verhandelt. „Wir haben dabei 150 Investoren-Vereinbarungen unter die Lupe genommen und können sagen, dass in keiner dieser Vereinbarungen ein so weitreichender Mitarbeiterschutz gewährt wird wie in unserem Fall.“ Tatsächlich seien die Arbeitsplätze nach der Übernahme sogar deutlich sicherer, als sie es gewesen wären, wenn Stada selbstständig geblieben wäre, so Wiedenfels, der das Unternehmen seit Juni vergangenen Jahres führt.

Die Kritik der Gewerkschaft sei überhaupt kein Thema. „Die als schwammig kritisierten Formulierungen sind nur rechtlichen Notwendigkeiten geschuldet“, betonte der promovierte Jurist, „schließlich kann man nicht kategorisch ausschließen, dass das Unternehmen in eine Krise stürzt, so dass die Mitarbeiter dann doch größere Zugeständnisse machen müssen.“ Davon abgesehen, gebe es keinerlei Ansatzpunkte zu glauben, „dass Bain und Cinven jemals eine Investoren-Vereinbarung gebrochen hätten“. Beide Investoren können nach eigenen Angaben zusammen auf mehr als 50 Transaktionen in der Pharma-Branche verweisen.

Größere Feuerkraft

Überhaupt sei der Deal mit Bain und Cinven „eine der besten Investoren-Vereinbarungen, die in den vergangenen Jahren in Deutschland abgeschlossen worden“ sei, so der Vorstandschef mit Verweis auf die hohe Unternehmensbewertung. „Wenn man bedenkt, dass das erste Angebot nur bei 54 Euro je Aktie gelegen hat, haben wir am Ende einen Mehrwert von 740 Millionen Euro geschaffen.“ Zudem erhalte Stada mit den Investoren mehr finanzielle Feuerkraft und „könnte so sicherlich auch mal zwei Übernahmen im Jahr stemmen“. Bisher seien die Mittel für Zukäufe auf maximal 350 Millionen Euro jährlich begrenzt. Wiedenfels appellierte denn auch noch einmal an die Aktionäre, das Angebot der Finanzinvestoren anzunehmen. Die Angebotsfrist läuft noch bis zum 8. Juni. 75 Prozent der Anteilseigner müssen zugreifen, damit der Deal zustande kommt.

Wie es bei Übernahmen durch Private-Equity-Unternehmen üblich ist, werden auch Bain und Capital den Anteil des Übernahme-Preises, der fremdfinanziert worden ist, auf die Stada übertragen. Damit kommen auf das Bad Vilbeler Unternehmen Schulden in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zu – zusätzlich zu den 1,1 Milliarden, die Stada jetzt schon stemmen muss. Aber laut Finanzvorstand Helmut Kraft ist das kein Problem: „In drei bis fünf Jahren wird unsere Schuldenquote wieder auf dem heutigen Niveau sein“, sagte er gestern. Derzeit beträgt das Verhältnis von Finanzverbindlichkeiten zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 2,5. Nun wird es wohl auf 5,7 steigen.

Gewinnanstieg

Im ersten Quartal dieses Jahr ist bei einem Umsatzanstieg von acht Prozent auf 539 Millionen Euro das bereinigte Ebitda von Stada um 18 Prozent auf 108,5 Millionen Euro gestiegen. Dazu trugen vor allem das gute Markengeschäft in Deutschland bei wie auch der stärkere Absatz in Russland – ein wichtiger Markt für Stada. Der bereinigte Nettogewinn des MDax-Konzerns legte sogar um 33 Prozent auf 53,3 Millionen zu.

Aber weder das Umsatz- noch das Ergebnisplus könne „in dieser Höhe auf das Gesamtjahr hochgerechnet werden“, sagte Kraft. Zum einen sei das Russland-Geschäft im ersten Quartal des Vorjahres besonders schwach gewesen. Zum anderen seien für den weiteren Jahresverlauf noch einige kleinere negative Sonderbelastungen zu erwarten. So würden im zweiten Quartal noch die Beraterkosten für die laufende Übernahme in Höhe „eines kleineren zweistelligen Millionenbetrags“ anfallen.

Für das Gesamtjahr rechne der Vorstand deshalb unverändert mit einem Anstieg des bereinigten Ebitda auf 430 bis 450 Millionen Euro. Der Nettogewinn soll auf bis zu 205 Millionen Euro steigen. Der Aktienkurs gab gestern leicht auf 64,70 Euro nach.

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