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Pharma: Stada: Finanzinvestoren nehmen zweiten Anlauf

Von Bei ihrem ersten Übernahmeangebot für die Stada AG hatten Bain Capital und Cinven die erforderliche Annahmequote nur um mickrige zwei Prozentpunkte verpasst. Nun legen die Investoren nach – auch bei den Schutzbestimmungen für Mitarbeiter.
Finanzvorstand Düttmann Bilder > Foto: Andreas Sibler Finanzvorstand Düttmann
Bad Vilbel.  Was in der Gerüchteküche schon tagelang gebrodelt hatte, wurde gestern heiß serviert: Die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven wagen einen zweiten Versuch zur Übernahme der Stada. Dazu bieten sie den Aktionären des Bad Vilbeler Arzneimittel-Herstellers nun 66,25 Euro je Aktie an – 25 Cent mehr als zuvor, wie Stada und Investoren gestern mitteilten. Außerdem haben die beiden Fonds die Mindestannahmeschwelle ein weiteres Mal gesenkt: von 67,5 auf 63 Prozent. Die Aktionäre haben nun vier Wochen Zeit, sich zu entscheiden.

Aber Bain und Cinven zeigten sich sehr zuversichtlich, dass die Übernahme im zweiten Anlauf gelingen wird: Rund 20 Prozent der Investoren hätten ihnen schon fest zugesagt, ihre Anteile an sie zu verkaufen. Der neue Vorstand und der Aufsichtsrat von Stada begrüßten die neue Offerte. Das Angebot sei „in wesentlichen Aspekten verbessert“ worden, urteilte die Unternehmensführung.

Angestellte müssen bangen

So haben Bain und Cinven auch bei den Schutzbestimmungen für Stada-Mitarbeiter nachgebessert. Ursprünglich hatten sie sich „im Grundsatz zu einem weitgehenden Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für vier Jahre“ bereiterklärt. Nun haben sie diese Frist auf fünf Jahre ausgeweitet. Allerdings gilt diese Schutzbestimmung nur für die 158 gewerblichen Mitarbeiter hierzulande, nicht für die 1107 Angestellten. Hinzu kommt, dass von dieser Bestimmung „die bereits in der aktuellen Geschäftsplanung vorgesehenen Personalmaßnahmen“ nicht betroffen sind. Und wie diese Personalmaßnahmen aussehen, die der vergangene Vorstand in seinem Effizienzsteigerungsprogramm „Stadaplus“ formuliert hat, ist vom Unternehmen nie kommuniziert worden.

Nach der Zustimmung der Stada-Führung hat die Finanzaufsicht Bafin grünes Licht für den neuen Vorstoß gegeben. Damit hat die Aufsicht die Bieter von der einjährigen Wartefrist befreit, die sie nach dem Scheitern ihrer ersten, 5,3 Milliarden Euro schweren Offerte eigentlich einhalten müssten. „Die Verbesserungen in Form von finanzieller Gegenleistung und Zusagen für unsere Mitarbeiter und Standorte zeigen uns, dass Bain Capital und Cinven großes Interesse haben, Stada mit uns gemeinsam weiterzuentwickeln“, sagte der neue Stada-Vorstandschef Engelbert Tjeenk Willink. Der Niederländer war Anfang vergangener Woche auf den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Matthias Wiedenfels gefolgt. Der hatte nach offizieller Lesart am Dienstag zusammen mit Finanzchef Helmut Kraft das Unternehmen verlassen.

Die Verträge von Willink und dem neuen Finanzchef Bernhard Düttmann laufen allerdings nur bis Jahresende. Daraus zu folgern, dass Bain und Cinven nach der Übernahme einen Vorstand ihrer Wahl installieren wollen, bezeichnete Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker in einer Telefonkonferenz gleichwohl als falsch. Willink betonte, dass er und Düttmann „schon vor einigen Jahren die Entscheidung getroffen haben, nur noch Aufsichtsratsaufgaben zu übernehmen“. Nun seien sie von Oetker überredet worden, „für kurze Zeit in einen Vorstand zurückzukehren“. Auch er zeigte sich zuversichtlich, dass die Übernahme nun gelingen werde.

Ungemach droht allerdings vom US-Hedgefonds Elliott, der sich nach dem Scheitern des ersten Übernahmeversuchs offenbar mit mehr als fünf Prozent der Stada-Anteile eingedeckt hat. Er hat bisher offengelassen, wem er sein Aktienpaket andienen will: Bain und Cinven oder einem anderen Interessenten, der ihm mehr bieten würde. Wie Düttmann gestern sagte, hat der US-Investor nicht mit Stada über dessen Absichten gesprochen. Aktivisten wie Elliott nutzen in der Regel die Möglichkeiten des deutschen Gesellschaftsrechts, das den Schutz von Minderheitsaktionären hochhält, und schalten sich in Transaktionen ein, um die Bieter zu einem höheren Preis oder einer höheren Abfindung zu zwingen.

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