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Landwirtschaft: Start in die Spargelsaison

Von Der Frühling ist da – und das bedeutet auch, dass der Spargel auf den Feldern wieder sprießt. Das Königsgemüse ist bei den Deutschen beliebt. Leider hat der späte Wintereinbruch das erste Spargel-Essen an den Oster-Feiertagen für die meisten Hessen noch verhindert. Nun ist es aber soweit. Zum offiziellen Saisonbeginn haben wir uns mit hessischen Bauern über das Stangengemüse aus sandigem Boden unterhalten.
Spargelbauer Rolf Meinhardt auf einem seiner Felder im südhessischen Ried. Foto: Leonhard-Hamerski Spargelbauer Rolf Meinhardt auf einem seiner Felder im südhessischen Ried.
Weiterstadt. 

Die Spargelsaison ist eröffnet. Die Verkaufshäuschen stehen zwar schon seit Wochen an jeder Ecke. Nun dürften sie aber auch endlich geöffnet werden. Auch wenn es zu Ostern vereinzelt in Feinkostgeschäften schon deutschen Spargel gab, war dieser nur etwas für echte Liebhaber – bei einem Kilopreis von rund 20 Euro. Doch jetzt kommen die Zeiten, in denen man am Spargelstand für die beste Klasse Stangengemüse etwa 14 Euro ausgibt. „Das wird sich aber im Laufe der Saison noch weiter nach unten entwickeln. Ich denke, dass wir am Schluss bei dem Spargel der besten Klasse wieder bei knapp unter zehn Euro pro Kilo liegen werden“, so Rolf Meinhardt, Spargelbauer und Vorsitzender des Arbeitskreises Spargel Südhessen. „Der Preis fällt in der Saison fast um die Hälfte. Das liegt zum einen an Angebot und Nachfrage. Zum anderen aber auch daran, dass die Leute mit der Zeit weniger Lust auf Spargel haben“, erklärt Bernd Weber, Sprecher des Bauernverbandes.

Der hohe Preis der ersten Spargel an Ostern lasse sich dadurch erklären, dass die Stangen in Gewächshäusern gezogen wurden. „Doch wir richtigen Landwirte, wir haben gewartet bis auch die Natur so weit ist“, sagt Meinhardt vom Tannenhof. Die richtigen Landwirte, das sind neben ihm noch andere große und kleine Bauern aus Südhessen. „Man muss sich überlegen, alle großen Spargelbauern kommen aus einem Umkreis von 15 bis 20 Kilometern.“ Die Spargelbauern sind hauptsächlich rund um Weiterstadt angesiedelt. Dort im hessischen Ried ist das Klima am besten für Spargel. „Am vergangenen Wochenende hat der Spargel durch die Sonneneinstrahlung noch einmal richtig zugelegt.“ Auf etwa 2000 Hektar Land wird Spargel in Hessen angebaut. 130 Hektar davon bewirtschaftet der Tannenhof von Meinhardt. „Wir beernten allerdings nur 100 Hektar, da sich die restliche Fläche noch in den ersten beiden Anbaujahren befindet.“

Bis zum Johannistag

So ist es auch beim Bauer Mager aus Weiterstadt. „Wir beernten nur 75 Prozent unserer Fläche.“ Die Böden können acht bis zehn Jahre für den Spargelanbau genutzt werden. „Danach wird der Spargel zu dünn und dann kauft ihn niemand mehr“, berichtet Phillip Mager.

Die Bauern verkaufen in der Saison bis zum Johannistag am 24. Juni einen Großteil ihres Spargels an Verkaufshäuschen, ein Teil geht bei manchen auch an Großhändler oder an die große Spargelversteigerung in Bruchsal. In den Hütten sitzen meist Frauen, die bereits seit Jahren den Spargel verkaufen. „Das sind bei uns häufig Hausfrauen, die sich ihr Urlaubsgeld verdienen“, erzählt Bauer Peter Lipp, dessen knallgelb angestrichene Spargelstände weithin sichtbar sind. Es sei besonders wichtig, dass die Leute Deutsch und Kopfrechnen könnten, betonen die Bauern. Und es würden immer Verkäufer gesucht.

„Wir haben oft wieder die gleichen Damen, die zu uns kommen und den Spargel stechen und verkaufen.“ Die Saisonarbeiter kommen nur noch selten aus Polen. „Wir haben viele Kroaten bei uns“, erzählt Phillip Mager. Bei Bauer Lipp, der ebenfalls zu den großen Anbauern in Hessen zählt, sind es überwiegend Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawen.

Wie sind die Helfer untergebracht? „Unsere Mitarbeiter wohnen in der Saison bei uns auf dem Hof. Die Zimmer sind Bundeswehrstandard“, berichtet Rolf Meinhardt. Es wohnen etwa vier Arbeiter gemeinsam in einem Zimmer. Und was verdienen sie? „Den Mindestlohn von 8,84 Euro die Stunde“, berichten die Bauern unisono. Hiervon wird je nach Inanspruchnahme noch Miete für die Unterkunft und Geld für das Essen abgezogen. „Ein Arbeiter, der in der Saison 500 Stunden arbeitet, kommt auf etwa 4400 Euro brutto“, erklärt Bauer Meinhardt.

Preise gestiegen

Der steigende Mindestlohn erklärt auch die steigenden Spargelpreise – der ist im Vergleich zum letzten Jahr um 24 Cent gestiegen. „Wenn man das mal ausrechnet: Es werden etwa 1500 Arbeitsstunden pro Hektar benötigt, dann sind das pro Hektar etwa 360 Euro mehr, die wir, allein um den Lohn zu bezahlen, erwirtschaften müssen“, sagt Rolf Meinhardt.

Wie die Verkaufshäuschen verteilt sind, richtet sich nach dem alten Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. „Aber natürlich achten wir schon darauf, dass wir jetzt nicht zwei Häuschen nebeneinander stellen. Das bringt nichts“, berichtet Phillip Mager. „Da sprechen wir schon miteinander.“ Bei den Preisen ist das aber anders: „Jeder legt seinen Kilopreis am Anfang der Saison für sich fest, und im Laufe der Saison sinkt er wie üblich“, berichtet Meinhardt.

Im vergangenen Jahr haben die hessischen Bauern rund 11 700 Tonnen Spargel geerntet.

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