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E&Y-Studie: Stefan Heißner von Ernst & Young: „Die Generation Y ist gefährlich“

Von Deutsche Manager riskieren viel für die eigene Karriere – fast jeder Vierte ist bereit, zu unlauteren Mitteln zu greifen. Das geht aus einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervor. Eine Altersgruppe stellt eine besondere Gefahr für Unternehmen dar.
Die Generation Y ist anfällig für unethisches Verhalten, etwa Bestechungsgelder anzubieten, um Aufträge zu bekommen. Foto: Franziska Kraufmann (dpa) Die Generation Y ist anfällig für unethisches Verhalten, etwa Bestechungsgelder anzubieten, um Aufträge zu bekommen.
Frankfurt. 

Das eigene Management mit falschen Informationen versorgen, Fehlverhalten anderer ignorieren oder Regulierungsbehörden wie den Fiskus täuschen – das finden 23 Prozent der deutschen Manager völlig in Ordnung, wenn es darum geht, die eigene Karriere zu beschleunigen oder sich anderweitige Vorteile, etwa Boni, zu verschaffen. Das geht aus einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervor, für die Manager aus 4100 Unternehmen in 41 Ländern befragt wurden, darunter 100 aus Deutschland.

Interessanterweise spielt das Alter der Manager dabei eine Rolle. „Früher war der typische Wirtschaftskriminelle männlich und 40 Jahre alt, heute geht die Gefahr vor allem von der Generation Y, also den 25- bis 34-Jährigen, aus“, berichtet Stefan Heißner, Leiter des Bereichs Fraud Investigation & Dispute Services bei Ernst & Young.

Symbolbild
Kommentar: Auf die Tugend besinnen

Ein Teil der Generation Y ist auf die schiefe Bahn geraten. Jeder vierte Manager dieser Generation hält es nämlich laut einer Studie von Ernst & Young für völlig in Ordnung,

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Im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen ist die Generation Y nämlich eher bereit, „unethische Verhaltensweisen“ zu rechtfertigen. Jeder Vierte beispielsweise hält das Anbieten von Bestechungsgeldern für unproblematisch, wenn es darum geht, einen neuen Auftrag zu gewinnen oder um bestehende Aufträge weiterzuführen. Das Unrechtsbewusstsein der Generation Y sei also deutlich schwächer ausgeprägt, sagt Heißner. Und das, obwohl die jungen Berufseinsteiger heute viel intensiver hinsichtlich Regelkonformität (engl.: compliance) geschult würden. „Die Generation Y ist gefährlich“, sagt der ehemalige Kriminalbeamte.

Und er hat dafür auch eine Erklärung: „Die Generation Y wird heute in Korsette gepresst, die ihr nicht passen. Zudem sind die jungen Leute kritischer als früher, hinterfragen häufiger Unternehmensvorschriften. Wenn es dann um die eigene Karriere geht, treffen sie Entscheidungen hemdsärmliger“, erklärt er. Ein Verhalten, das der Karriere jedoch keineswegs zuträglich ist. „Unethisches Verhalten kann schnell das Karriereende bedeuten“, warnt Heißner.

Wahrnehmung dreht

Grundsätzlich sehen deutsche Manager Korruption wieder auf dem Vormarsch, wie Heißner informiert. 43 Prozent der deutschen Manager halten unlauteres Geschäftsgebaren hierzulande für weit verbreitet. Damit hat sich die Stimmung gedreht: 2015 war die Wahrnehmung von Korruption noch rückläufig – 26 Prozent der Manager hielten sie damals für weit verbreitet. Der Wert liegt zudem deutlich über dem Wert für Westeuropa (33 Prozent). „Die Dieselaffäre, der Libor-Skandal, die Panama Papers – all diese Compliance-Verstöße haben zu diesem Ergebnis beigetragen“, ist Heißner überzeugt.

Ob die Korruption in Deutschland tatsächlich zugenommen habe? Heißner verneint. Korruption komme hierzulande nur unterdurchschnittlich vor, führt er aus. Allerdings: „Korruption wird es immer geben. Das ist menschlich“,sagt der forensische Wirtschaftsprüfer. Wichtig sei aber, Strukturen zu vermeiden, die Korruption begünstigen,

Die Hälfte der Manager (52 Prozent) in Deutschland ist in ihrem Berufsleben bereits mit Verfehlungen konfrontiert worden. 14 Prozent sahen sich innerhalb des Unternehmens Druck ausgesetzt, diese Verfehlungen nicht zu melden. Die Hälfte davon sind unter diesem Druck eingebrochen und haben das Fehlverhalten für sich behalten Gründe: Die Mitarbeiter fürchteten um ihre Sicherheit oder machten aus Loyalität keine Meldung.

Kultur muss sich ändern

Das liege auch daran, dass Whistleblowing-Hotlines in Deutschland kaum bekannt seien. Das müsse sich dringend ändern, fordert Heißner. Außerdem müssten viele Firmen ihre Unternehmenskultur überdenken. „Die Compliance-Bereiche sind vor allem juristisch geprägt. Das reicht nicht. Der Mitarbeiter gehört in den Fokus.“, sagt Heißner. Es brauche zudem Integritätssysteme und klare Ethikstandards, damit Mitarbeiter in Konfliktsituationen die richtige Entscheidung treffen könnten. Das bedeute auch, Organisationsdefizite auszumerzen.

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