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Produktprüfer: Stiftung Warentest bringt es kleinkariert zum großen Erfolg

Hinter Produktprüfungen auf Sicherheit, Leistung und Handhabung steckt oft viel Akribie und Detailwissen. Wir waren zu Besuch in einem Prüfinstitut der Stiftung Warentest und haben uns Tests von Elektrogeräten angesehen.
Die Laptops über den Waschmaschinen messen Temperatur, Wasserverbrauch und Stromverbrauch. Foto: Piotr Banczerowski (Stiftung Warentest/VDE/Piotr Ban) Die Laptops über den Waschmaschinen messen Temperatur, Wasserverbrauch und Stromverbrauch.

Es ist viel von der Akribie wissenschaftlicher Tests zu spüren, als wir das Prüfinstitut betreten. Wir gehen lange, weiß gestrichene Gänge mit schweren Stahltüren entlang, durch Treppenhäuser und über das Gelände des Prüfinstituts, dessen Namen wir nicht verraten dürfen. Denn die Anbieter würden nur zu gern wissen, wo und mit wem die Stiftung Warentest ihre Tests durchführt.

So finanziert sich die Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest gibt es seit 1964. Stifterin ist die Bundesrepublik Deutschland. Sie ist eine Stiftung privaten Rechts und gemeinnützig.

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Wir kommen in einen großen Raum, in dem Waschmaschinen in Reihen stehen, darüber hängen Laptops, die die Daten der Geräte beim Betrieb messen: Temperatur, Wasserverbrauch, Stromverbrauch. Grundsätzlich gilt: Alles ist genormt. Das Waschmittel ist ein für solche Tests speziell entwickeltes, das Wasser ist sogenanntes Prüfwasser nach europäischem Standard und wird in einem 2000-Liter-Tank für den Test vorgehalten und nach Vorgaben mit Kalk und Magnesium versetzt.

Flecken für den Test

Auch die Wäsche, die aus weißen Baumwollhandtüchern, Bettlaken und Kopfkissen besteht, wird speziell gealtert und in einem Raum mit konstanter Raumtemperatur von 20 Grad und 60 Prozent Luftfeuchte konditioniert. Hier hängt sie mindestens 15 Stunden und saugt sich mit Wasser voll. Auch die Flecken werden speziell für den Test hergestellt. Auf schmalen Baumwollläppchen befinden sich die Stoffe Ruß, Mineralöl, Blut, Kakao und Rotwein. Das nennt man eine sogenannte „Normanschmutzung“. Die wird aus dem Ausland geliefert und die Baumwollläppchen werden dann an die Handtücher angenäht. Danach muss die Wäsche nach speziellen Vorgaben gefaltet werden, wenn sie in die Maschine gelegt wird. Im Test wäscht die Maschine dann fünfmal bei 40 Grad und voller Beladung und alle anderen Programme werden dreimal abgespielt. Danach schauen die Prüfer sich an, wie gut die Flecken ausgewaschen wurden. „Die Flecken sind so konzipiert, dass sie nie ganz weiß werden, denn wir wollen ja auch noch Messwerte haben, sagt der Prüfer. Es geht weiter in einen Raum, wo die Staubsaugertests durchgeführt werden. Es riecht schon beim Reinkommen nach dem Staub, der hier verwendet wird. Er steht in kleinen Dosen vor uns auf dem Tisch. Dahinter befindet sich ein großer Glasbehälter, in dem ein rot-brauner Teppich liegt und ein Staubsauger befestigt ist. Auf Kopfdruck schiebt die Maschine den Saugarm des Staubsaugers immer wieder in einem genormten Abstand über den zwei Meter langen Teppich. „Die Wolle für alle verwendeten Prüfteppiche wird von einer speziellen Schafherde genommen und auf einem dafür hergestellten Webstuhl gewebt, damit die Qualität immer gleich ist“, sagt der Prüfer.

Kleines Karo ist wichtig

Auch Raumtemperatur und Luftqualität werden reguliert. Dann wird der Staub, auch wieder eine speziell für den Test vorgesehene Mischung, gleichmäßig auf den Teppich aufgetragen. Die Maschine mit dem Sauger fährt fünfmal darüber hin- und her. Anschließend wird gemessen: Wie viel Staub hat der Sauger aufgenommen? Wie viel ist noch im Teppich verblieben? Wie hoch war der Energieverbrauch? Wie stark die Schiebekräfte? Das ist eine wichtige Frage für die Handhabung des Staubsaugers. Auch eine Teppichklopfmaschine gibt es, um die Stäube wieder ordnungsgemäß zu entfernen. Auch sie eine Spezialanfertigung. „Das Einzige, das sich im Raum verändern darf, ist das Produkt“, beschreibt Holger Brackemann, Bereichsleiter Untersuchungen der Stiftung Warentest das Vorgehen. „Ich möchte das Interesse der Besucher auf das kleine Karo lenken“, sagt er schmunzelnd. Eine Bemerkung, die sprichwörtlich zu verstehen ist: Ein gewisses Maß an Kleinkariertheit und Pedanterie sei für die Test absolut notwendig, so Brackemann.

Im Nebenraum sehen wir eine Konstruktion, die aussieht wie ein Ofen aus Aluminium. Mit einer Klappe vorne und Rohren unten und einem Abzugsrohr nach oben hin. Diese dient dazu, bei den Staubsaugern zu messen, wie viel Staub sie beim Saugen wieder in die Raumluft abgeben.

Viele Tests der Stiftung Warentest würden mittlerweile im Ausland, sogar in den USA durchgeführt. Im Waschmaschinen-Dauertest zum Beispiel laufen die Geräte über ein Dreivierteljahr. Diese Tests finden in Russland statt. Aber: „In Europa gibt es kein Land, in dem wir so viele und so gute Prüfinstitute haben wie in Deutschland“, sagt Chef-Tester Holger Brackemann.

Dann geht es weiter durch Hallen und Gänge entlang bis zu einer riesigen Stahltür. Mit großem Warn-Gebimmel, einem durchdringenden Alarmton und einem gelben Leuchtsignal öffnet sich die Tür nun langsam nach vorne, so dass wir von der Seite eintreten können. Zum Vorschein kommt ein riesiger Raum, der von innen an den Wänden und der Decke mit vielen fast mannsgroßen Pyramiden ausgekleidet ist: die Absorberhalle. Diese „Pyramidal-Absorber“ aus Kaliumsilikat absorbieren die Funkwellen, die Elektrogeräte abgeben. So ist es möglich zu messen, welche Funkwellen zum Beispiel eine einzelne elektrische Zahnbürste abgibt, wenn sie in Betrieb ist. Hier haben die Prüfer schon so manchen Schock erlebt. Denn sie testen auch Produkte auf deren Sicherheit, bevor diese auf den Markt kommen. Zum Beispiel das Zusammenwirken mit anderen elektrischen Geräten. Die Frage ist, was macht die Waschmaschine, wenn am Stromnetz auch noch das Elektroauto hängt? Fragt der Prüfer. Manche Geräte störten sich gegenseitig. Und diese Störungen stellen die Prüfer künstlich nach.

So habe es schon Fälle gegeben, wo die Funkwellen eines einzelnen Handys ausgereicht hätten, um eine elektrische Kettensäge zu starten. Oder wo ein klingelndes Handy den Airbag ausgelöst habe.

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