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Tarifrunde: Streikrisiko steigt ab Januar

Von In der Tarifrunde 2017/18 der Metall- und Elektroindustrie sind die Fronten schon nach der zweiten Verhandlungsrunde verhärtet. Die Streikgefahr ist gestiegen.
Die Insignia-Fertigung im Opel-Werk Rüsselsheim. Die Insignia-Fertigung im Opel-Werk Rüsselsheim.
Frankfurt. 

Dass der Arbeitgeberverband Hessenmetall bereits in der zweiten Tarifrunde und damit vor dem Ende der Friedenspflicht zum Jahreswechsel ein Angebot vorgelegt hat, ist eher ungewöhnlich. Für den Tarifbezirk Mitte, dem Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit 400 000 Beschäftigten angehören, machte Hessenmetall-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert deutlich, dass den Arbeitgebern an einer raschen Einigung liegt. Obwohl die IG Metall mit der Kündigung des Manteltarifvertrages die Verhandlungen „unnötig verschärft“ habe, seien die Unternehmen an einem schnellen Kompromiss interessiert. Doch die Gewerkschaft lehnte das erste Angebot strikt ab. Die IG Metall sprach von einer „Provokation“. Hessenmetall bietet eine Gehaltserhöhung von zwei Prozent für zwölf Monate sowie eine Pauschale von 200 Euro für die Monate Januar bis März. Insgesamt 2,35 Prozent und nach Lesart von Hessenmetall „ein erneutes Reallohnplus“.

Damit steuert der Tarifkonflikt bereits in einem frühen Stadium auf einen Arbeitskampf zu. Die nächste Verhandlungsrunde ist für 18. Januar in Saarbrücken anberaumt. Doch bis dahin könnten bereits die ersten Warnstreiks stattgefunden haben. „Ab Mitte Januar steigt das Streikrisiko enorm“, sagte Pollert gestern in Frankfurt.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht diesmal nicht die sechsprozentige Lohnforderung der IG Metall, sondern die Flexibilisierung der Arbeitszeit, die beide Parteien befürworten. Allerdings drängen die Arbeitgeber auf neue Möglichkeiten, die Wochenarbeitszeit für alle Betriebe in begründeten Fällen von 35 auf bis zu 40 Stunden ausweiten zu können. Die IG Metall will dagegen eine kürzere Arbeitszeit vereinbaren. Für Arbeitnehmer in besonderen Lebenslagen wie die Erziehung kleiner Kinder oder die Pflege von Familienangehörigen soll die Chance eröffnet werden, befristet auf bis zu 28 Wochenstunden zu verkürzen.

Rote Linie

Für den Arbeitgeberverband verläuft genau dort die rote Linie. Geschäftsführer Pollert hält es für unvorstellbar, dass im Tarifwerk ein teilweiser Lohnausgleich – die Rede ist von bis zu 200 Euro pro Monat – und das Rückkehrrecht in Vollzeit stehen könnten. „Unpraktikabel, diskriminierend und rechtswidrig“, lautet sein Kommentar.

Es ist die Kombination aus kürzerer Arbeitszeit und mehr Geld, die Hessenmetall so große Bauchschmerzen bereitet. Deren Vorstandsvorsitzender Wolf Matthias Mang beschwor, dass die Metall- und Elektroindustrie international in einem „beinharten Wettbewerb“ stehe. Er monierte die steigenden Arbeitskosten: „Trotz des schwachen Euro ist Deutschland ein teurer Standort.“ Mit 43,10 Euro je geleisteter Stunde lägen die Kosten hierzulande um 58 Prozent höher als im Durchschnitt der wichtigsten Wettbewerber. Trotz der guten Geschäfts- und Ertragslage habe sich die Kostensituation verschlechtert. Das sei gerade in einer Zeit des großen Strukturwandels ein ernstes Handikap. Mang bezeichnete die digitale Transformation, die Umstellung auf neue Antriebe wie Elektromobilität und eine veränderte Dienstleistungsmentalität als gewaltige Herausforderungen. Um diese meistern zu können, seien hohe Investitionen erforderlich – etwa in Maschinen mit künstlicher Intelligenz im Produktionsprozess. „Dazu müssen wir den Unternehmen Raum für Zukunftsinvestitionen lassen“, sagte Pollert.

Eine gewaltige Aufgabe

Als Beispiel nannte Mang den mittelständischen Autozulieferer Eisenwerke Hasenclever in Battenberg, der mit seinen 650 Mitarbeitern zu 90 Prozent Teile für Verbrennungsmotoren fertige. Doch angesichts der Wende zur Elektromobilität müsse der Betrieb nun zweigleisig fahren und parallel zur aktuellen Produktion Kapazitäten für das Elektro-Zeitalter aufbauen. „Eine gewaltige Aufgabe“, so Mang, „der sich viele Betriebe gegenübersehen.“

Auch der hessische Autobauer Opel müsse sich dramatisch verändern, wie dessen Vorstandschef Michael Lohscheller kürzlich darlegte: Künftig reiche es nicht mehr aus, Autos zu bauen. Vielmehr müssten sich die Hersteller zu Mobilitätsdienstleistern entwickeln, beispielsweise auch Carsharing-Angebote machen, um im Wettbewerb bestehen zu können.

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