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Kunden müssen tiefer in die Tasche greifen: Strompreise in Frankfurt sollen 2017 kräftig steigen

Von Das Gros der Frankfurter Stromkunden muss sich zum kommenden Jahr wohl auf eine deutliche Strompreis-Erhöhung gefasst machen. Wie die Mainova-Netztochter NRM nun bekanntgegeben hat, wird sie 2017 ihre Gebühren kräftig anheben. Zu verantworten hat der Frankfurter Versorger die Anhebung aber nicht allein.
Nach Angaben der Gesellschaft Netzedienste Rhein-Main (NRM) ist vor allem der Übertragungsnetz-Betreiber Tennet für die kräftige Gebühren-Anhebung verantwortlich. Foto: Julian Stratenschulte (dpa) Nach Angaben der Gesellschaft Netzedienste Rhein-Main (NRM) ist vor allem der Übertragungsnetz-Betreiber Tennet für die kräftige Gebühren-Anhebung verantwortlich.
Frankfurt. 

Es ist die zweite Hiobsbotschaft, die viele Stromverbraucher innerhalb weniger Tage verdauen müssen und fürs kommende Jahr nichts Gutes für die Stromrechnung erwarten lässt: Nachdem am Freitag die vier großen Übertragungsnetzbetreiber verkündet haben, dass die Ökostrom-Umlage zum kommenden Jahr bundesweit von 6,35 auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde steigt, wurde gestern nun bekannt, dass die Netzentgelte rasant nach oben gehen – zumindest in Frankfurt. Betroffen sind da alle Haushalte, die im Gebiet der Mainova-Tochter Netzdienste Rhein-Main GmbH (NRM) liegen. Und zwar gleich doppelt: Zum einen steigt für diese Haushalte zum Januar 2017 der Arbeitspreis pro Kilowattstunde Strom von 5,77 auf 7,21 Cent; zum anderen müssen sie 2017 erstmals auch eine jährliche Grundgebühr von 10,99 Euro für die Netz-Nutzung zahlen. Bei einem durchschnittlichen Haushalt mit einem Stromverbrauch von 3500 kWh pro Jahr steigen da die Netzentgelte um knapp 25 Prozent auf rund 276 Euro – unabhängig davon, bei welchem Unternehmen sie den Strom beziehen.

Große Unterschiede

Gemäß einem bundesweiten Preisvergleich des Hamburger Ökostrom-Anbieters Lichtblick erhöht nur die E.on-Tochter Bayernwerk ihre Netzentgelte stärker: um 29,4 Prozent auf 287,30 Euro. Die höchsten Entgelte zahlen demnach die Privatkunden der Eon-Tochter E.DIS AG in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern: 415,84 Euro eine Steigerung von 18,76 Prozent. „Im Durchschnitt steigen die Gebühren für den Stromtransport um rund zehn Prozent“, berichtet Lichtblick. Deutlich darunter liegt die Süwag-Netztochter Syna, die die westlichen Frankfurter Stadtteile Höchst, Unterliederbach, Nied, Sindlingen, Sossenheim und Zeilsheim abdeckt: Syna erhöht die Netzentgelte nur um 0,5 Prozent auf insgesamt 227 Euro für einen Haushalt mit einem Stromverbrauch von 3500 kWh pro Jahr

Dass die Gebühren-Erhöhung bei der Mainova-Tochter NRM so kräftig über dem Durchschnitt liegt, scheint indes nicht einem überhöhten Renditehunger der Mainova geschuldet zu sein. Zurückzuführen ist der Anstieg vor allem auf den langsamen Ausbau der Stromnetze von Nord- nach Süddeutschland, für den besonders der Bayreuther Übertragungsnetzbetreiber Tennet verantwortlich zeichnet. Der hat schon vor drei Wochen angekündigt: „Unsere Netzentgelte werden zum Jahreswechsel um 80 Prozent steigen.“ Hauptursache für den Anstieg sei, dass der Netzausbau nicht so schnell voran kommt wie der Zubau der Erneuerbaren Energien“, erklärte Tennet-Chef Urban Keußen.

Tatsächlich ist das Angebot an grünem Strom an vielen Tagen einfach zu groß. Die Leitungen sind dann nicht in der Lage, all den Windstrom sicher aufzunehmen und im Bundesgebiet zu verteilen. Folge: Die vier Netzbetreiber Tennet, TransnetBW, 50Hertz und Amprion müssen dann eingreifen, um Angebot und Nachfrage kurzfristig auszugleichen und einen Stromausfall zu verhindern. Mehr als eine Milliarde Euro kosteten die Eingriffe 2015. Der Löwenanteil des Anstiegs der Netzentgelte von Tennet gehe auf das Konto solcher „netzstabilisierenden Notmaßnahmen“, sagte Keußen.

Grundgebühr eingeführt

„Diese Entgelt-Erhöhungen müssen an die Stromverbraucher im zugehörigen Netzgebiet weitergegeben werden“, erklärte gestern Mainova-Sprecher Thomas Breuer im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ohne diese Entwicklung bei den vorgelagerten Übertragungsnetzen wären die Netzentgelte im NRM-Netzgebiet sogar leicht gesunken.“

Noch stärker wäre der verbrauchsabhängige Arbeitspreis gestiegen, wenn die NRM sich nicht entschlossen hätte, den Grundpreis von 10,99 Euro pro Jahr einzuführen. „Damit wollen wir die Besitzer von eigenen Erzeugungsanlagen wie etwa Photovoltaik-Modulen stärker an der solidarischen Finanzierung der Netze beteiligen“, erläuterte Breuer. „Zwar ziehen diese Nutzer weniger Strom aus dem Verteilnetz, da sie ihren Eigenverbrauch selbst nutzen. Sie benötigen das Netz aber im gleichen Maße wie normale Verbraucher, da sie sich absichern müssen für die Zeiten, in denen die Eigenerzeugung nicht zur Verfügung steht“. Tatsächlich hat in den vergangenen Jahren die weit überwiegende Zahl der regionalen und lokalen Netzbetreiber eine solche Grundgebühr eingeführt.

Nach Aussage der Mainova ist auch der Großteil des Grundpreises auf die höheren Tennet-Gebühren zurückzuführen. Bildlich gesprochen sind dies die Gebühren für die Strom-Autobahnen. Die Entgelte für die Bundes-, Land- und Gemeindestraßen, über die der Strom zur Steckdose kommt, legen die regionalen Netzgesellschaften wie die NRM fest. Wie hoch der Anteil dieser Gebühren bei der NRM ist, sagte die Mainova nicht. Sie hat 2015 das Netz für 20 Jahre zugesprochen bekommen und zahlt 2,39 Cent je Kilowattstunde für Privatkunden als Konzessionsabgabe an die Stadt.

Dass bei der Tennet die Gebühren so kräftig steigen, hat einen guten Grund: Denn das Höchstspannungsnetz von Tennet erstreckt sich von Schleswig-Holstein, über Niedersachsen und Hessen bis nach Bayern. Unter den vier Betreibern trägt Tennet damit die Hauptlast des Netzausbaus, weil er vor allem den an der Nordseeküste produzierten Windstrom den ganzen Weg bis in den Süden leiten muss. Und die Finanzierung dieser langen Leitung müssen Versorger wie Mainova, und damit deren Kunden, nun mal mitfinanzieren.

„Besonders betroffen von Netzentgelt-Erhöhungen sind Haushalte in Bayern, Norddeutschland, in Frankfurt und im Osten der Republik“, heißt es in der Analyse von Lichtblick. Das sind eben die Geschäftsgebiete des Übertragungsnetzbetreiber Tennet aber auch von 50Hertz, die beide besonders hohe Netzkosten durch die Windenergie zu tragen haben.

Dagegen sind die Frankfurter Süwag und die Darmstädter Entega zum Beispiel in der glücklichen Lage, ins Gebiet des Netz-Betreibers Amprion zu fallen, der vor allem in Westdeutschland vertreten ist und die niedrigsten Übertragungsnetzgebühren erhebt.

Niedriger Börsenpreis

Wie deutlich letztlich die Strompreise für die Frankfurter Verbraucher im kommenden Jahr steigen werden, ist allerdings noch offen. Etwa 55 Prozent des Strompreises entfallen auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Rund 25 Prozent machen die regulierten Netzentgelte aus. Aber auf der Entlastungsseite stehen geringere Beschaffungskosten. Im vergangenen Jahr kostete Strom an der Leipziger Strombörse noch 31,62 Euro je Megawattstunde, im ersten Halbjahr 2016 jedoch nur noch 24,98 Euro. Ob und inwieweit die Energieversorger diese Preissenkungen an ihre Kunden weitergeben, hängt unter anderem von der Beschaffungsstruktur jedes einzelnen Versorgers ab.

„Mit der EEG-Umlage und den Netzentgelten kennen wir jetzt zwei Preisbestandteile“, sagte Mainova-Sprecher Breuer. „Voraussichtlich am 25. Oktober werden weitere Preisbestandteile für das Jahr 2017 bekannt gegeben – etwa der Aufschlag für Kraft-Wärme-Kopplung und die sogenannte Paragraf-19-Umlage – die Befreiung für stromintensive Unternehmen. Erst wenn alle staatlich regulierten Preisbestandteile vorliegen, können die Preise seriös berechnet werden. Vorher ist es eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten.“ Laut Gesetz hat die Mainova bis Mitte November Zeit, Preiserhöhungen für 2017 anzukündigen.

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