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Neue Techniken machen Autos teurer: Studie: Immer mehr Assistenzsysteme werden eingebaut

Von Selbstfahrende Autos haben großes Potenzial, brauchen aber noch Zeit. Zu diesem Ergebnis kommen die Ökonomen der Deutschen Bank in einer Studie. Nach ihren Analysen werden computergesteuerte Fahrzeuge den Pkw-Markt nicht vor dem Jahr 2040 durchdrungen haben.
Bereits Realität: Ein selbstfahrendes Auto von Google – ein umgebautes Fahrzeug des Herstellers Lexus – unterwegs in Mountain View . Foto: Andrej Sokolow (dpa) Bereits Realität: Ein selbstfahrendes Auto von Google – ein umgebautes Fahrzeug des Herstellers Lexus – unterwegs in Mountain View .
Frankfurt. 

„Der Weg zum digitalen Auto wird einer Evolution und nicht einer Revolution gleichen“, sagt Eric Heymann, Auto-Experte bei Deutsche Bank Research und einer der Autoren der Studie. Die Entwicklung neuer Modelle brauche Zeit, und ein einmal verkauftes Auto werde über viele Jahre genutzt, ehe es ausgetauscht werde. Außerdem dürften sich viele Autofahrer erst nach und nach von der Vorstellung verabschieden, ihr Fahrzeug selbst zu steuern.

Was ist mit dem „digitalen Auto“ gemeint?

Das Auto verfügt über viele zusätzliche Funktionen. Die sogenannten Fahrassistenzsysteme nehmen dem Autofahrer immer mehr Aufgaben ab. Sie unterstützen etwa beim Bremsen, Lenken oder Einparken. Das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) ist per EU-Verordnung bereits seit 2011 für alle Neufahrzeuge vorgeschrieben. Solche Assistenzsysteme sind der Einstieg in eine Entwicklung, die zum autonom fahrenden Auto führt, beschreibt Analyst Heymann.

Verkabelt auf Probefahrt: Mercedes testete schon vor zehn Jahren ein neues Assistenzsystem, das müde Autofahrer vor dem Sekundenschlaf warnen soll. Foto:  Daimler/dpa/tmn
Neue Technik in Autos Kommentar: Digitalisierung verändert unser aller Leben

"Die Zeiten ändern sich. Nicht nur beim Antrieb steht ein Wechsel von Diesel- und Benzinmotoren hin zu emissionsfreien Alternativen wie batteriegetriebenen Elektromotoren bevor", sagt unser Kommentarschreiber Michael Balk.

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Was will eigentlich der Autofahrer?

Das „digitale Auto“ werde seinen Insassen zusätzlichen Nutzen stiften. Er erhält Zugang zu maßgeschneiderten Informationen, die seinem Nutzerverhalten entsprechen – etwa Tankstellen, Parkplätze, Geldautomaten, Restaurants und vieles mehr. Wie hoch der Nutzen ist, hängt von individuellen Präferenzen oder von Zweck und Länge der Autofahrt ab. Für Pendler ist der zusätzliche Informationsgewinn sehr viel kleiner als etwa für Außendienstler, die täglich große Strecken zurücklegen. Aktuell herrsche hierzulande eine „skeptische Aufgeschlossenheit“ gegenüber autonomem Fahren. Das Meinungsspektrum reiche von „niemals“ bis hin zu „lieber heute als morgen“, schildert Heymann.

Müssen Autofahrer mit einem Preisschub rechnen?

Umfragen zeigen, dass für zusätzliche Assistenzsysteme grundsätzliche eine Zahlungsbereitschaft vorhanden sei, heißt es in der Studie. Das gelte vor allem für Technologien, die die Sicherheit erhöhen und die Vernetzung verbessern. Aber längst nicht alle Innovationen finden den Weg in die Standardausführungen neuer Modelle. Ein großer Teil bleibe den Premium-Fahrzeugen vorbehalten. Unterm Strich rechnet Analyst Heymann mit durchschnittlichen Preisaufschlägen um 1000 Euro für die neuen Techniken, die in der nächsten Modell-Generation der Kompaktklasse eingebaut werden.

Wie schnell kommt das „digitale Auto“ auf den Markt?

Das „digitale Auto“ werde den Pkw-Bestand wohl nicht vor 2040 durchdrungen haben, schätzen die Ökonomen der Deutschen Bank. Damit meinen sie, dass mindestens die Hälfte der Neuzulassungen dieser Kategorie zuzurechnen sind. Im vergangenen Jahr wurden rund 3,3 Millionen Neuwagen in Deutschland zugelassen. Der Pkw-Bestand beträgt 45,8 Millionen Fahrzeuge. Es dürfte noch mehrere Jahrzehnte ein Mix aus den klassisch analogen Autos und den neuen digitalen Fahrzeugen über Deutschlands Straßen rollen. Für autonomes Fahren denken die Analysten in noch entfernteren Zeitfenstern. „Es ist technologisch hochkomplex, ein chaotisches System wie den Straßenverkehr zu automatisieren“, heißt es in der Studie. Millionen von ständig wechselnden Situationen erfordern Reaktionen in Bruchteilen von Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden können.

Eine Lösung für das Verkehrschaos in Städten?

„Ein klares Nein“, sagt Eric Heymann. Auch wenn die Pkw-Quote in den Städten tendenziell absinke, neue Facetten wie das Carsharing an Beliebtheit stark zulegten, dürfe niemand die Beseitigung des Verkehrskollapses in Innenstädten durch das Automobil erwarten. Nur ein funktionierender öffentlicher Personennahverkehr sei in der Lage, die innerstädtische Mobilität zu sichern.

Die Autoindustrie wird sich verändern, Apple, Google & Co. heißen die neuen Konkurrenten. Nimmt die deutsche Schlüsselbranche dadurch Schaden?

Die Studie gibt Entwarnung. Denn im Kerngeschäft der deutschen Autobauer, der Produktion, seien die Eintrittshürden hoch. Da könne ein Neuling aus eigener Kraft kaum eindringen. Die Studie rechnet mit steigenden Umsätzen im Zuge der Digitalisierung der Autos. Doch die klassischen Hersteller müssten sich für Kooperationen mit IT- und Software-Unternehmen öffnen. Der heimischen Autobranche – also den traditionellen Herstellern wie den Zulieferern – trauen die Ökonomen zu, dass sie sich auch im neuen Umfeld behaupten können.

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