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Neuer Gründergeist für Frankfurt: Studie: "Ökosystem" für Start-ups in Deutschland macht Fortschritte, hinkt global aber hinterher

Von Das Herz der deutschen Gründerszene schlägt zwar in Berlin. Doch Frankfurt holt auf und ist drauf und dran, ein international geschätzter Standort für Start-ups aus der Finanztechnologie-Branche zu werden. Im Vergleich zum Silicon Valley schneiden die hiesigen Jungunternehmen aber schlechter ab.
„Your place for growth“: Die Kuschelecke für Kreative im Fintech-Zentrum der Deutschen Börse in Frankfurt. Foto: Boris Roessler (dpa) „Your place for growth“: Die Kuschelecke für Kreative im Fintech-Zentrum der Deutschen Börse in Frankfurt.
Frankfurt. 

Der technische Fortschritt vollzieht sich in Überschallgeschwindigkeit. Unser Alltag und unser Berufsleben verändert sich gerade grundlegend. Wir sprechen von Arbeitswelt 4.0, von der Digitalisierung der Finanzindustrie, von Smart Home und der Vernetzung im Straßenverkehr. In vielen Fällen sind es kreative Unternehmer, Entwickler, Gründer gewesen, die für den Fortschritt verantwortlich zeichnen. So ist das Silicon-Valley-Start-up Amazon zum Weltmarktführer im Online-Handel aufgestiegen. Deutsches Pendant dazu – einige Nummern kleiner allerdings – ist Zalando. Was mit einem „Schrei vor Glück“ über die Schuh-Lieferung begann, dehnt sich inzwischen über die gesamte Spannweite der Bekleidung aus.

Im TechQuartier im Frankfurter Pollux Hochhaus hat Lena Cielejewski mit ihrem Start-up Prosumergy einen Platz gefunden. Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Im TechQuartier im Frankfurter Pollux Hochhaus hat Lena Cielejewski mit ihrem Start-up Prosumergy einen Platz gefunden.

Doch es gibt zu wenige Vorbilder wie Zalando, die die Gründerszene in Deutschland befeuern, beklagt Eric Leupold, Manager der Deutschen Börse, bei Vorstellung einer Studie zur Situation von Start-up-Unternehmen, die gemeinsam mit der Unternehmensberatung Ernst&Young erstellt wurde. Fazit der aktuellen Untersuchung: Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher, wenn es um Gründergeist und die Rahmenbedingungen – das sogenannte „Ökosystem“ – für Start-ups geht. Im Vergleich zum kalifornischen Silicon Valley, einer dynamischen Szene in Israels Metropole Tel Aviv oder in der britischen Hauptstadt London finden Jungunternehmer hierzulande deutlich schlechtere Bedingungen bei der Besteuerung und der Regulatorik. Das strenge Arbeitsrecht, der hohe Stellenwert des Datenschutzes sind im internationalen Wettbewerb Hemmnisse. Punkten können dagegen die hiesigen Start-up-Zentren mit der exzellenten Verkehrsinfrastruktur und den vergleichsweise sehr günstigen Büromieten. Ein Quadratmeterpreis von rund 20 Euro wie in Frankfurt ist ein echtes Schnäppchen. In Kalifornien werden schon mal 250 Dollar verlangt, in London sogar bis zu 1000 Euro.

Exzellente Hochschulen

Für die deutschen Gründer-Zentren in Berlin, Frankfurt, München oder Düsseldorf sprechen zudem die verfügbaren Arbeitskräfte: hoch qualifiziert, mobil und in großer Zahl. Zudem haben Universitäten und Hochschulen wie die Frankfurt School of Finance & Management einen hervorragenden Ruf.

Es fehle in Deutschland aber vor allem ein Gründergeist, moniert Börsen-Manager Leupold. „Wir müssen Gründer ermutigen, mit ihren Ideen auch mal scheitern zu dürfen.“ Das sei gesellschaftlich in unserem Land noch nicht akzeptiert – ganz anders als etwa in den USA. Den Gründergeist gelte es zu stärken. Dabei komme dem Umfeld eine besondere Bedeutung zu. Leupold fordert mehr Engagement und Begeisterung für Start-ups und sieht in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet ideale Voraussetzungen. Gerade im Frankfurter Speckgürtel, etwa in Königstein oder Kronberg, lebten sehr viele ehemalige Vorstände, Wissenschaftler und Unternehmer, die als Impulsgeber, als Ratgeber und Unterstützer für junge Unternehmen unschätzbar wertvolle Dienste leisten könnten. Leupold fordert diese Klientel dazu auf, beim freitäglichen Grillabend über Start-ups statt das Golf-Handikap zu reden. Er vermutet dort großes Potenzial.

80 Fintechs am Main

E&Y-Partner Christopher Schmitz traut der langsam wachsenden Frankfurter Szene einiges zu. Derzeit gebe es etwa 80 Fintechs in der Stadt. Förderprogramme der Landesregierung griffen. Ebenso die Privatinitiativen von Großbanken oder der Deutschen Börse, die einen Fintech-Hub nahe der EZB finanziert und die Jungunternehmen vor Ort betreut. Eines sei aber klar: Die „coole“ Weltstadt Berlin hänge Frankfurt noch weit ab und sei für Unternehmensgründer deutlich attraktiver. Eine Millionenstadt mit internationalem Flair, einer extremen Party-Szene, trendigen Bars und Restaurants eben. Doch Frankfurt brauche sich nicht zu verstecken. Schließlich müsse der Standort als Großraum Rhein-Main definiert werden und erreiche dann mit etwa drei Millionen Einwohnern flächenmäßig die Größe von London. Büro- und Wohnraum sei verfügbar und gegenüber London sogar preiswert zu haben. Zudem könne die deutsche Finanzmetropole mit ihrer Lage im Herzen Europas punkten, auf den Flughafen als internationale Drehscheibe verweisen und als Finanzzentrum der kurzen Wege zwischen Arbeitsplatz und Wohnort Konkurrenten wie Paris oder London in den Schatten stellen.

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