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Deutscher Markt brummt auch wegen hoher Rabatte und Sonderaktionen: Teuer erkaufter Autoboom

Von Der deutsche Automarkt brummt. In den ersten drei Monaten wurden fast sieben Prozent mehr Autos neu zugelassen als vor einem Jahr. Doch die „Siegesmeldungen der Autoindustrie sind mit Vorsicht zu genießen“, sagt der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer.
Die Rohkarosse eine Autos steht in einer Karosseriefertigung eines Sportwagenbauers (Archivbild). Die Rohkarosse eine Autos steht in einer Karosseriefertigung eines Sportwagenbauers (Archivbild).
Frankfurt. 

Opel ist auf dem deutschen Heimatmarkt so stark ins Jahr gestartet wie seit acht Jahren nicht mehr: Nach einem kräftigen Schlussspurt im März hat der Rüsselsheimer Automobilhersteller die Pkw-Verkäufe im ersten Jahresquartal um knapp sieben Prozent auf fast 63 000 Autos hochfahren können. „Das beste erste Quartal seit dem Jahr 2009“, hieß es gestern aus dem Adam-Opel-Haus. Der anhaltende Aufwärtstrend resultierte erneut vor allem aus der hohen Nachfrage nach Europas „Auto des Jahres 2016“, dem Opel Astra. Das Modell wurde insgesamt rund 17 000 Mal verkauft – zehn Prozent über Vorjahr. Zudem trug das kompakte SUV Mokka X zum Erfolg bei. Opel-Deutschland-Chef Jürgen Keller kommentierte die Zwischenbilanz so: „Mit diesem starken ersten Quartal haben wir in Deutschland die Basis für ein erfolgreiches Jahr 2017 gelegt.“

Der deutsche Pkw-Inlandsmarkt hat im März insgesamt zweistellig zugelegt: Die Neuzulassungen stiegen um gut elf Prozent auf 359 700 Fahrzeuge. Im ersten Quartal wuchs der Neuwagenmarkt in Deutschland damit um knapp sieben Prozent auf 844 700 Fahrzeuge.

Privatkäufer zurück

Die Autobauer reiben sich die Hände und hoffen auf eine Verstetigung des Aufwärtstrends. „Jetzt gilt es, den Schwung ins zweite Quartal mitzunehmen“, sagte stellvertretend Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands der Importeure VDIK. Erfreulich für die Hersteller, dass die Privatkäufer langsam wieder zurückkehren. Jeder dritte Neuwagen wird derzeit privat zugelassen.

Allerdings ging in einem wachsenden Markt der Absatz von Diesel-Neuwagen um drei Prozent zurück. Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), erklärt es so: „Die anhaltende Diskussion um mögliche Fahrverbote für Diesel verunsichert offenbar die Autofahrer, auch beim Neuwagenkauf. Dabei ist der moderne Euro-6-Diesel sauber und sparsam im Verbrauch. Und er ist notwendig, um die europäischen CO2-Ziele zu erreichen.“

Der vom Dieselskandal durchgeschüttelte Volkswagen-Konzern weist eine durchwachsene Bilanz aus: Während die Marke VW als unangefochtener Marktführer in Deutschland das Jahr im Rückwärtsgang begonnen hat, stagniert die Premium-Tochter Audi und ist inzwischen von Mercedes überholt worden. Die beiden VW-Auslandstöchter Seat und Skoda können aber kräftig zulegen (elf bzw. fünf Prozent).

Der Stern strahlt

Großer Gewinner unter den deutschen Marken ist der Stern aus Stuttgart. Die fulminante Modelloffensive hat beim Käufer gefruchtet. Mercedes liegt mit fast elf Prozent über dem Vorjahresergebnis und ist damit die Nummer zwei in Deutschland.

Hart umkämpft ist der vierte Platz in der Absatz-Bestenliste: Dort spielt sich gerade ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab, bei dem BMW 27 800 Neuzulassungen) eine Nasenspitze vor Opel und Ford rangiert. Die künftige Opel-Muttergesellschaft PSA hat mit ihren Kernmarken Peugeot und Citroen einen rasanten Start ins Jahr hingelegt. Beide haben ihre Verkäufe um fast ein Fünftel steigern können.

Ein Professor aus Duisburg gießt jedoch Wasser in den Wein und rät angesichts der „Siegesmeldungen der Autoindustrie“ zu Vorsicht. Professor Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen sind die weiterhin hohen Rabatte ein Dorn im Auge. „Der Markt wird weiterhin kräftig angeschoben. Und das in Zeiten bester Konjunktur mit niedriger Arbeitslosigkeit und steigenden Einkommen“, moniert er. „Mit der Begehrtheit der Autos scheint etwas nicht zu stimmen“, lautet seine Schlussfolgerung aus den ungewöhnlich hohen Maßnahmen zur Verkaufsförderung.

Eigenzulassungen hoch

Sein Institut errechnet, dass mehr als ein Drittel der Neuwagen auf Eigenzulassungen der Hersteller und Händler beruhen. Diese Fahrzeuge werden mit deutlichen Abschlägen in den Markt gedrückt. Zusätzlich werden laut CAR-Institut gut 14 Prozent Preisnachlässe bei Verkaufssonderaktionen der Händler gewährt. Bei Internet-Vermittlern belaufen sich die Rabatte demnach auf über 18 Prozent. Dudenhöffers Fazit: „Trotz guter Konjunktur hat sich der Rabatt-Wettbewerb im deutschen Automarkt weiter verschärft.“ Das sei für die Autobauer ein teuer erkaufter Aufwärtstrend.

Audi überrascht negativ

Die Rangliste der Eigenzulassungen birgt zudem eine Überraschung: Denn dort taucht Audi mit einem Anteil von über 45 Prozent im Februar auf Platz zwei auf. Das ist höchst ungewöhnlich für eine Premium-Marke. Dicht auf den Fersen ist den Ingolstädtern bereits die Rüsselsheimer Marke mit dem Blitz. Opel hatte die dauerhaft hohe Quote an Eigenzulassungen zuletzt mit den Käufen der eigenen Mitarbeiter und der Ehemaligen begründet. Oberklasse-Anbieter wie BMW und Mercedes haben nur rund ein Viertel Eigenzulassungen in den Büchern.

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