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Messe "Techtextil": Textilien fürs Leben auf dem Mars

Von Im Weltraum stellen Astronauten höchste Ansprüche an Textilien. Welche Neuentwicklungen diesen Anforderungen gerecht werden, zeigt die Messe „Techtextil“ von heute an in Frankfurt.
Reinhold Ewald mit moderner Funktionskleidung für Astronauten. Bilder > Foto: Jean-Luc Valentin Reinhold Ewald mit moderner Funktionskleidung für Astronauten.
Frankfurt. 

Schon seit frühester Jugend hat Reinhold Ewald, ESA-Astronaut und Professor für Astronautik an der Universität Stuttgart, gern Science-Fiction-Filme geguckt – und in Streifen wie „Star Trek“ trugen die Helden auch stets technisch-futuristische Kleidung, die vage auf die Zukunft verwies und ihn faszinierte. Die Wirklichkeit erwies sich dann als weit prosaischer: Auf der Raumstation „Mir“, auf der Ewald – 1997 war das – 18 Tage im All verbrachte, war die Auswahl an Kleidung sehr begrenzt: „So eine Art Sportunterwäsche und ein einziger Trainingsanzug für drei Wochen. Eine Waschmaschine gab es natürlich nicht.“ Privat durfte jeder Astronaut nur eineinhalb Kilo Gepäck mitnehmen – das reichte gerade für das Allernötigste, Fotos und Seidentücher.

Seither hat sich viel getan – vor allem technische Textilien erleichtern das Leben im All. Durch die Schwerelosigkeit liegt beispielsweise der Schlafsack im Weltraum nicht auf der Haut auf und leitet auch Feuchtigkeit nicht ab; auf dem Mond herrschen krasse Temperaturunterschiede: tagsüber bis plus 200 Grad, nachts bis minus 170 Grad. Auf der Messe „Techtextil“, die heute in Frankfurt beginnt, zeigt das Sonderareal „Living in Space“ Anwendungsbeispiele für alle Arten technischer Textilien: Sie müssen nicht nur den extremen Anforderungen standhalten, sondern auch möglichst leicht und gut zu verpacken sein. „Darunter findet man viele Erfindungen, die für uns nutzbar sein könnten – da ist eine solche Messe sehr wertvoll“, freut sich Ewald: „Das ist schon ein Unterschied zu dem, womit wir damals vorlieb nehmen mussten.“

Doch auch umgekehrt „finden viele Materialien, die für die Raumfahrt entwickelt wurden, Einzug ins Alltagsleben“, sagt der gelernte Physiker. Als Beispiele nennt er die mit Sensoren ausgestatteten Hemden der Astronauten, die Daten wie Blutdruck und Puls übertrugen oder den Gleichgewichtssinn prüften: Sie sind heute in der Telemedizin und in Eye-Tracking-Systemen weit verbreitet. Aber das größte Potenzial der Weltraumfahrt liege im Erforschen von Unbekanntem, so Ewald: „Dass etwas in den Köpfen passiert, auch wenn es sich nicht in Euro und Cent umrechnen lässt!“

Rover-Roboter der ESA

Auf dem Sonderareal ist beispielsweise der Rover-Roboter „Meteron“ zu sehen, den die Europäischen Weltraumorganisation (ESA) als erste Eigenentwicklung dieser Art 2020 zum Mars schicken will. Daneben wachsen auf speziellen Textilien Zucchini und Tomaten (auch das Basilikum wurde nicht vergessen) – der Satellit „Eu:Cropis“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) soll noch dieses Jahr mit der amerikanischen Trägerrakete „Falcon 9“ von Space-X in Richtung All abheben und ein Jahr lang zwei Gewächshäuser unter Mond- und Mars-Bedingungen betreiben.

Diverse Spacesuits wecken Erinnerungen an Raumfahrtmuseen. Der Amsterdamer Stararchitekt und langjährige Städelschul-Professor Ben van Berkel hat ein futuristisches Space Habitat entworfen, das der Leichtbau- und Gewebespezialist MDT-tex ebenfalls in Halle 6.1 aufgebaut hat. „Living in Space“ hat die „Techtextil“ in Zusammenarbeit mit ESA und DLR erarbeitet.

Technische Textilien sind der Bereich, in dem Deutschland – nach dem Niedergang seiner Bekleidungs-Industrie – nach wie vor Weltmarktführer ist: Der Umsatz deutscher Produzenten liegt bei rund 13 Milliarden Euro im Jahr. Europaweit haben technische Textilien nach Angaben des Branchenverbandes einen Anteil von 15 Prozent an der gesamten Textilproduktion. Und die deutschen Hersteller von Näh- und Bekleidungstechnik haben ihren Umsatz im ersten Quartal dieses Jahres um 9,5 Prozent gesteigert.

Messe im All?

Die gute Konjunkturlage spiegelt sich auf dem Frankfurter Messegelände wider: Die Zahl der Aussteller auf der „Techtextil“ und der seit 2011 parallel stattfindenden „Texprocess“ (mit Maschinen für die Verarbeitung von Textilien) ist auf das Rekordniveau von 1789 gestiegen, gegenüber der Vorveranstaltung 2015 bedeutet das ein Plus von sieben Prozent. 71 Prozent der teilnehmenden Firmen kommen aus dem Ausland. „Hier in Frankfurt wird die Zukunft der Textilindustrie gezeigt“, sagt Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Er verspricht den Fachbesuchern bis Freitag ein „Innovations-Feuerwerk“.

Wäre die Menschheit damit gut gerüstet, wenn sie einmal auf den Mars ausweichen müsste? Ewald appelliert: „Es ist keine unabwendbare Entwicklung, dass wir die Erde unbewohnbar machen und dann auf anderen Planeten leben müssen – noch ist Zeit zum Umdenken!“ Falls jedoch irgendwann Messen auf Mond oder Mars stattfinden sollten – die Frankfurter Veranstalter wären dabei. Braun: „Wenn das einmal möglich ist, wird die Messe Frankfurt zu den ersten gehören, die diesen Planeten verlassen.“ Allerdings seien zwischen ihrer Gründung und dem Schritt ins Ausland rund 800 Jahre vergangen – und über eine ähnliche Zeitspanne rede man auch hier.

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