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Auch Samstag wird gestreikt – 830 Flüge fallen heute aus: Traifstreit bei Lufthansa: Bouffier drängt auf Schlichtung

Wegen des anhaltenden Streiks der Pilotengewerkschaft fallen bei Lufthansa heute 830 Flüge aus. Am dritten Streiktag in Folge seien erneut insgesamt rund 100 000 Passagiere betroffen. Auch Samstag soll gestreikt werden, kündigte VC an.
Der Streik der Lufthansa-Piloten geht in den zweiten Tag. Hunderte Flüge fallen aus, hundertausende Passagiere sind davon betroffen. Die Maschinen bleiben am Boden, so wie hier in Frankfurt/Main. Foto: Arne Dedert Der Streik der Lufthansa-Piloten geht in den zweiten Tag. Hunderte Flüge fallen aus, hundertausende Passagiere sind davon betroffen. Die Maschinen bleiben am Boden, so wie hier in Frankfurt/Main. Foto: Arne Dedert
Frankfurt. 

Die Lufthansa streicht wegen des Pilotenstreiks weiter ihren Flugplan zusammen. Am Freitag sollen insgesamt 830 Kurz- und Mittelstreckenverbindungen ausfallen. Die Langstreckenflüge sollen hingegen „nahezu planmäßig“ abheben. Der Streik der Pilotenvereinigung Cockpit geht für die Lufthansa ins Geld: Der direkte Schaden aus den ersten beiden Streiktagen belaufe sich für die Airline auf etwa 20 Millionen Euro, sagte Vorstand Harry Hohmeister. „Wir haben nicht nur einen akuten Schaden, sondern merken in den mittelfristigen Buchungszahlen, dass sich das Buchungsverhalten ändert.“

Angesichts des hohen Lohnniveaus bei den Piloten von im Schnitt 140 000 Euro und dem von Cockpit geforderten Gehaltsplus könne der Konzern aber nicht klein beigegeben. Cockpit bestreikt die Traditions-Airline seit Mittwoch. Allein am Donnerstag strich die Airline gut 900 Flüge, nachdem bereits am Mittwoch rund 880 Verbindungen ausgefallen waren. Aussichten auf eine Einigung gibt es derzeit nicht. Beide Seiten stehen sich unversöhnlich gegenüber. Die Vereinigung Cockpit erhöht den Druck weiter und kündigte gestern an, den Pilotenstreik auf Samstag auszudehnen.

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Das Lufthansa-Management richtet sich derweil direkt an die 5400 streikenden Flugzeugführer. „Ich appelliere an die Piloten, Cockpit unter Druck zu setzen, damit wir an den Verhandlungstisch kommen“, sagte Lufthansa-Vorstand Hohmeister. Er plädiere für eine Schlichtung.

VC: Nur Scheinangebot

Die Gewerkschaft hingegen pocht auf eine belastbare Lohnofferte des Tarifpartners. „Bisher haben wir nur ein Scheinangebot“, sagte Cockpit-Vorstand Jörg Handwerg.

Die Gewerkschaft fordert rückwirkend ab 2012 eine Lohnerhöhung von 3,7 Prozent im Jahr. Die Lufthansa bietet 2,5 Prozent über eine Laufzeit von gut sechs Jahren. Es ist der 14. Streik in der seit April 2014 schwelenden Tarifauseinandersetzung zwischen der Pilotengewerkschaft und der größten deutschen Airline.

LH-Vorstand Harry Hohmeister Bild-Zoom Foto: Arne Dedert (dpa)
LH-Vorstand Harry Hohmeister

Auch die Politik mischte sich ein. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier forderte beide Tarifparteien auf, eine Schlichtung anzustreben. Es „sei an der Zeit, mit Hilfe eines neutralen Schlichters zu versuchen, die unversöhnliche Haltung beider Seiten aufzulösen“. Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs forderte unterdessen ein Gesetz zur Zwangsschlichtung. „Es kann nicht sein, dass ein paar Piloten immer wieder Hunderttausende in Geiselhaft nehmen“, sagte er.

Cockpit wies den Vorstoß zurück. Die Politik fange immer an, von einer Zwangsschlichtung zu reden, wenn es wieder Streiks gebe, sagte Handwerg. „Das Streikrecht ist in Deutschland anscheinend nur gut, solange es nicht eingesetzt wird.“

Keine Sonderzüge

Die Deutsche Bahn will auch heute trotz des Lufthansa-Streiks keine Sonderzüge einsetzen. „Das ist nicht geplant“, sagte ein Bahnsprecher. Die zusätzlichen Lufthansa-Passagiere könnten mit den regulären Zügen befördert werden. An mehreren Knotenpunkten stünden – wie immer – Ersatzzüge bereit, die im Bedarfsfall eingesetzt werden könnten. „Das ist aber nicht absehbar“, betonte der Sprecher. Er wies zugleich auf die übliche große Nachfrage am Freitag hin und riet zu einer Sitzplatzreservierung.

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Nach Angaben der Lufthansa wurden am Mittwoch rund 2200 Flugtickets in Bahnfahrscheine umgewandelt. Eine ähnliche Größenordnung sei für Donnerstag zu erwarten, sagte eine Sprecherin. Die Bahn befördert im Fernverkehr täglich etwa 360 000 Fahrgäste. Der Bahnsprecher wies darauf hin, dass die meisten Inlandsflüge inzwischen von Töchtern der Lufthansa abgewickelt werden, die derzeit nicht bestreikt würden.

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Der Fernbusanbieter Flixbus spricht von einer steigenden Nachfrage auf Metropolverbindungen wie Berlin-München und Frankfurt-Paris. Dort gebe es bis zu zehn Prozent mehr Buchungen als sonst, teilte das Unternehmen mit.

(rtr,dpa)
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