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Investitionen: Über die Tücken für deutsche Firmen in der Türkei

Unter Präsident Recep Tayyip Erdogan sind Geschäfte in der Türkei für deutsche Unternehmen heikel geworden. Verhaftungen und politische Spannungen sorgen für Verunsicherung. An laufenden Geschäften hält man zwar fest – aber Neues wagen will kaum noch jemand.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf einer Kundgebung in Istanbul. Foto: Kayhan Ozer (Pool Presidential Press Service/) Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf einer Kundgebung in Istanbul.
Frankfurt/Istanbul. 

Wer als deutscher Unternehmer Geschäfte in der Türkei treibt, braucht gute Nerven: Seit dem Putschversuch im Sommer 2016 ist die Politik unter Präsident Recep Tayyip Erdogan immer mehr zum Unsicherheitsfaktor geworden. Die politischen Beziehungen zwischen Berlin und Ankara erreichen immer neue Tiefpunkte. An der türkischen Wirtschaft geht das nicht spurlos vorbei. Zwar laufen die Geschäfte bislang weiter, und die Zeichen stehen offiziell auf Wachstum, aber deutsche Unternehmen sind verunsichert. Mit neuen Investitionen halten sie sich zurück.

Ob Siemens, Daimler oder E.ON: Mit ihren fast 80 Millionen Einwohnern ist die Türkei ein wichtiger Markt für deutsche Unternehmen. Etwa 6800 von ihnen sind mit Produktionsanlagen im Wert von neun Milliarden Euro und rund 140 000 Mitarbeitern in der Türkei vertreten. Auch BASF zählt dazu, mit sechs Produktionsstätten und gut 800 Beschäftigten.

Vor wenigen Wochen erlebte BASF-Vorstandschef Kurt Bock Befremdliches: Sein Konzern landete auf einer türkischen Liste mit Terrorunterstützern. Zwar sprach man in Ankara später von einem „Kommunikationsfehler“. Aber das Vertrauen in das Land sei durch den Vorfall nicht gerade gestärkt worden, sagt Bock. „Jeder weiß, dass man für Investitionen stabile Grundlagen braucht, und dazu gehört natürlich auch, dass man Recht und Gesetz anerkennt.“

Auch Thomas Bauer, Vizepräsident des Industrieverbands BDI, sieht Anlass zur Sorge. „Natürlich stellt man sich die Frage, was passiert morgen, denn es gibt in der Türkei ein Willkür-Regime“, sagt der Chef des gleichnamigen Tiefbauunternehmens. „Im Moment würde ich als Unternehmer keine Firma in der Türkei kaufen.“

Der Baustoffkonzern Heidelberg-Cement, der am türkischen Baustoff-Marktführer Akcansa beteiligt ist, hält sich mit Neuinvestitionen vorerst ebenfalls zurück. Man plane in der Türkei derzeit trotz günstiger Gelegenheiten keine Firmenkäufe, sagte Unternehmenschef Bernd Scheifele bei der Vorlage der jüngsten Halbjahreszahlen. Zwar gebe es derzeit günstige Angebote. Doch ob das dann wirklich ein Schnäppchen sei, stehe in den Sternen. Auch für Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie und Handelskammer (DIHK), ist klar: „Wenn sich die politische Lage nicht ändert, ist an Neuinvestitionen deutscher Unternehmen kaum zu denken.“

Zudem ist der deutsche Handel mit der Türkei seit Mitte 2016 stark eingebrochen. Im ersten Halbjahr 2017 wurden laut DIHK 10 Prozent weniger Waren aus Deutschland in die Türkei exportiert. Setze sich dieser Rückgang fort, würde dies ein Loch von zwei Milliarden Euro in die deutschen Exportbücher reißen, sagt Treier. Bei der Auslandshandelskammer in Istanbul gebe es inzwischen deutlich weniger Geschäftsanfragen.

Und es droht weiteres Ungemach: Sollte die Bundesrepublik tatsächlich – wie von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) angekündigt – die Hermes-Bürgschaften auf den Prüfstand stellen, mit denen sie deutsche Unternehmen in der Türkei gegen Zahlungsausfälle absichert, könnte dies die Investitionsbereitschaft noch weiter dämpfen. Bisher ist dies aber noch nicht geschehen, wie aus der Antwort auf eine Grünen-Anfrage hervorgeht.

Auf das Tagesgeschäft hat der immer rauer werdende Ton zwischen Berlin und Ankara bislang wenig Auswirkungen. Die Zusammenarbeit mit den Vertriebspartnern sei weiter fair und korrekt, sagt Bauer. „Im Moment laufen die Geschäfte mit der Türkei wie immer. Im täglichen Leben hat sich für mich als Geschäftsmann nichts geändert.“

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