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Überlebenskampf: Metro stellt Real zum Verkauf

Haben die Giganten unter den Supermärkten angesichts der zunehmenden Konkurrenz noch eine Chance? Metro-Chef Koch glaubt ja und stellt trotzdem die Kette Real zum Verkauf.
Neben dem scharfen Wettbewerb insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel machen Real auch hohe Personalkosten zu schaffen. Foto: Rolf Vennenbernd Neben dem scharfen Wettbewerb insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel machen Real auch hohe Personalkosten zu schaffen.
Düsseldorf. 

Die riesigen Supermärkte auf der grünen Wiese kämpfen ums Überleben. Was noch in den 1980er Jahren als Erfolgsmodell galt, ist heute angesichts veränderter Kaufgewohnheiten und kleiner werdender Haushalte häufig ein Sanierungsfall.

Vorbei sind die Zeiten, als der Familieneinkauf mit dem Auto ein wöchentliches Großereignis war. Im Einkaufswagen landeten damals nicht nur Lebensmittel, sondern auch Bücher, CDs oder Sportartikel.

Mit der Supermarktkette Real („Einmal hin - alles drin”) stellt der Düsseldorfer Metro-Konzern einen solchen Einkaufsriesen nun zum Verkauf. Gesucht wird ein Konzept für 282 große Märkte mit mehr als 30.000 Beschäftigten. Metro will Real nur im Komplettpaket abgeben. Was aufgrund der Wettbewerbsvorgaben aber schwierig werden dürfte. Konkurrenten könnten es nur auf einzelne Märkte und Filialen absehen.

Metro wolle sich auf das Großhandelsgeschäft konzentrieren, begründete Unternehmenschef Olaf Koch die Entscheidung. Die Supermarktkette soll voraussichtlich bis zum kommenden Frühjahr einen neuen Eigentümer finden. Der Prozess stehe jedoch ganz am Anfang. „Wir wissen, es gibt Interessenten”, sagte Koch. Zum Verkauf stehe ein „profitables Unternehmen mit über sieben Milliarden Euro Umsatz”. Als Zugabe wartet auf den Käufer ein lukratives Paket von 65 Immobilien.

Widerstand kommt bereits jetzt von Gewerkschaften. Verdi wirft dem Management falsche Entscheidungen in der Vergangenheit vor, die die Werthaltigkeit des Unternehmens massiv gefährdeten. „Es reicht nicht, die Braut auf Kosten der Beschäftigten zum Verkauf aufzuhübschen”, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Tatsächlich sind nach Einschätzung von Experten erhebliche Investitionen notwendig, um die in die Jahre gekommenen Märkte für die Zukunft fit zu machen. „Die Entscheidung, dies nicht selbst durchzuführen, deutet die Größe der Aufgabe an”, sagte Marco Atzberger vom Kölner Einzelhandelsforschungsinstitut EHI. Der US-Händler Walmart etwa habe in der Vergangenheit versucht, mit großen Flächen in Deutschland erfolgreich zu werden - und sei damit gescheitert. Interessenten für Real könne er sich vor allem aus dem Ausland vorstellen.

Denkbar sei etwa ein Konzept mit mehr Service und Gastronomie, meinte Handels-Analystin Franziska Schmidt von PlanetRetail RNG. Von dem riesigen Sortiment an sogenannten Non-Food-Artikel außerhalb des Lebensmittelgeschäfts müssten sich die Läden dagegen weitgehend verabschieden. Es sei denn, es steckt ein abgerundetes Konzept dahinter. In der Vergangenheit sei jedoch von Metro zu wenig in die Real-Märkte investiert worden. Angesichts des Trends hin zu den Innenstädten müsse ein solches Konzept jedoch überzeugend sein, um Kunden wieder auf die grüne Wiese zu locken.

Größte Widersacher der SB-Märkte auf der grünen Wiese seien in Deutschland die Discounter, die überall schnell zu erreichen seien und zudem einen starken Preisdruck ausübten, meinte Atzberger. Erfolgreich seien aber auch Supermärkte wie Edeka oder Rewe, die im Lebensmittelhandel auf eine größere Fläche mit mehr Spezialitäten setzten.

Als mögliches Erfolgsmodell für Real gilt der Umbau eines Warenhauses in Krefeld zu einer Markthalle. Dieses habe sich bewährt und könne zum Vorbild für weitere Modernisierungen werden, warb Metro-Chef Koch. Seit 2015 habe das Real-Management gemeinsam mit dem Metro-Vorstand das stationäre Geschäft bereits „revitalisiert”. Eine Übernahme des neuen Konzepts sei bereits an weiteren Standorten geplant.

Nach internationalen Zukäufen prüft Metro nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg auch verschiedene Optionen für sein China-Geschäft. Diese könnten ein Verkauf von Anteilen sein oder auch ein strategischer Partner sowie die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens. Ein Komplettverkauf sei jedoch nicht vorgesehen, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

(von Uta Knapp, dpa)
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